Second day with the motorbike: It continues but I got saved

Sonntag, 15.05.2016

Der Tag fing so an, wie der andere aufgehört hatte. Ich wusste, dass meine Nerven so ein Drama nicht noch einmal verkraften würden. Um 9 checkte ich aus und wollte mein Motorrad starten. Leider nur „wollte“, weil Emma gab keinen Laut von sich. Von meinem Hostel in Hanoi hatte ich mir per Mail das Problem mit Emma in vietnamesisch übersetzten lassen. Das zeigte ich dem Besitzer vom Hotel und er fuhr mit meinem Motorrad zur Werkstatt. So saß ich mit seiner Frau, dem kleinen Sohn und der Tochter zusammen und wir lächelten uns die ganze Zeit an, weil wir uns sowieso nicht verständigen hätten können. Als der Mann wieder kam, sollte ich ihm 20.000 Dong geben. Er hatte ein Plastikteil austauschen lassen. Er schnallte meinen Rucksack fest und dann verabschiedete ich mich nett.
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Schon nach der ersten Ecke starb mein Bike erneut ab und ich konnte es nicht wieder starten. Außerdem war der Untergrund uneben und mir fiel das Motorrad um. Ich weiß nicht wie ich es schaffte, aber irgendwann bekam ich es wieder aufgerichtet. In der Hitze schob ich es zurück zum Hotel. Der Mann sagte es sei nichts falsch, machte ein bisschen was rum und dann fuhr ich erneut los. Keine 5 Kilometer später stockte der Motor und Emma starb erneut. Ich bekam sie wieder an, aber das Drama passierte alle paar Meter. Weil das so keinen Wert hat, beschloss ich wieder zurück nach Hanoi zu fahren und dort das Problem ordentlich fixen zu lassen. Mein Navi zeigte 45 Min. bis dort hin an und bei jeder Minute weniger machte ich ein Kreuz im Kalender. Die Vorfreude hielt nicht lange, denn 20 Kilometer vor Hanoi (die Skyline war schon zu sehen), gab mein Töf Töf komplett den Geist auf. Nichts ging mehr und auch der Kickstarter streike. Das darf echt nicht wahr sein, dachte ich. So stand ich mal wieder auf dem Standstreifen am Highway und versuchte verzweifelt Emma anzuwerfen.
Nach langer Zeit hielt ein LKW-Fahrer neben mir um in den Busch zu gehen und ich sprach ihn an. Er kickte ein paar Mal und es lief wieder. Leider nur wenige Meter. Der Fahrer kam wieder und versuchte es erneut, aber selbst mit viel Aufwand bekam auch er es nicht mehr hin. Obwohl wir uns nicht verstanden war er nett und redete in vietnamesisch auf mich ein und versuchte es mit Zeichensprache. Er holte Werkzeug aus dem LKW und schraubte ein bisschen was herum und guckte nach dem Benzin, aber das war noch voll. Er dachte lange über eine Lösung nach. Ich fragte, ob wir das Motorrad auf den LKW laden können und er mich mit in die Stadt nimmt. Da der LKW bestimmt einen Meter oder höher war, stellte sich das als schwer heraus. Erst wollte er nicht, aber dann versuchten wir es. Er band ein Seil an meinen Lenker und ich kletterte auf den LKW. Mit aller Kraft versuchte ich zu ziehen und er von unten hoch zu heben. Ich weiß nicht wie, aber nachdem das Bike ein paar mal fast umgefallen war schafften wir es. Meine Klamotten waren durchnässt als hätte es geregnet und auch der Fahrer war außer Atem. Auf dem LKW flog das Motorrad um und mein Spiegel ging kaputt, aber das war mir egal. Auf der Fahrt lächelte der nette Fahrer die ganze Zeit und redete vietnamesisch mit mir. Ich hatte Angst, dass wir mit dem LKW auch noch stehen bleiben würden, denn dieser stockte ständig und fuhr nur 30 km/h. Der Fahrer bot mir sogar was zu trinken an, aber mit dem Wasser hier muss man vorsichtig sein.
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Vor der Stadt hielt er an einer Werkstatt, aber diese wollten nicht helfen. Er zeigte auf ein Schild, was wohl hieß, dass er hier abbiegen muss. Ca. 10. Kilometer vor der Stadt hielt er also an. Er rief 2 junge Männer her, die ich für 16 jährige Jungs gehalten hatte. Zu 4. luden wir das Motorrad ab. In meinem Kopf machte sich Befreiung breit, als die beiden englisch konnten. Man kann gar nicht beschreiben was für ein tolles Gefühl es ist, wenn jemand englisch kann. Dem LKW-Fahrer wollte ich Geld geben, aber er winkte nur freundlich und fuhr einfach davon. Manche Leute sind total hilfsbereit.
Die beiden Jungs schoben mir mein Motorrad und sagten wir gingen zur nächsten Werkstatt. Es war sehr weit und ich war heilfroh das Motorrad nicht schieben zu müssen. Außerdem hatte ich kein Wasser und fand auch keins auf dem Weg. Ich fühlte mich als würde ich auf der Stelle zusammen brechen und hoffte, dass das Ganze bald ein Ende hat. Den ganzen Tag hatte ich noch nichts getrunken und es hatte 40 Grad. An der Werkstatt machten sie kurz was rum, sagten das ist kostenlos und dann konnte ich wieder gehen. Die Jungs wollten zum Mittagessen und da ich noch nichts gefrühstückt hatte und fast am Verhungern war, ging ich mit. Die beiden konnten es nicht glauben, dass ich Vegetarier bin denn das ist hier echt sehr außergewöhnlich. Trotzdem bekam ich eine Nudelsuppe (Pho) mit Ei was sehr lecker war. Als Dankeschön wollte ich die Jungs einladen, aber sie zahlten einfach für mich mit. Wir wollten uns auf Facebook hinzu fügen, aber da die Regierung ja Facebook gesperrt hat ging das nicht. Der eine gab mir seine Visitenkarte und er arbeitet in einer großen IT-Firma für Japan. Wir kamen auf das Thema Alter und ich hätte nie im Leben gedacht, dass sie 34 und 30 sind. Sie boten mir an, mein Motorrad bei ihrer Firma zu lassen und ich solle ein Taxi in die Stadt nehmen. Die in der Werkstatt hätten gesagt, dass ich mit dem Bike sowieso nicht weit kommen würde, weil es so alt ist. Das hätte mein Problem aber nicht gelöst. Jedenfalls sind die beiden mit mir zurück zur Werkstatt und haben den Mechanikern erklärt, dass ich mit dem Bike quer durch Vietnam fahren will. Daraufhin fingen sie an zu basteln und die Jungs die arbeiten mussten, gingen. Ein nettes Mädel die auf ihren Roller wartete, sprach mich an. Ihr Englisch war richtig gut und wir unterhielten uns total super. Sie übersetzte alles für mich was die Mechaniker sagten. Sie müssten den Motor austauschen. Mir blieb ja nichts anderes übrig und so gab ich dies in Auftrag. Huyen und ich fuhren in der Zwischenzeit mit ihrem Roller los. Wir tranken einen Kaffee, wobei sie mich unbedingt einladen wollte und in einen Helmladen um mir einen richtigen Helm zu kaufen. Der Alte ist mehr eine Nussschale. Ich wurde fündig und erstand für 20€ einen nagelneuen Helm in meiner Lieblingsfarbe rosa. Da war ich super stolz drauf.

Wir hatten super viel zu lachen und jede Menge Spaß. Ich lobte sie sehr oft für ihr englisch, weil das ist echt außergewöhnlich gut. Außerdem redeten wir viel über die Kulturunterschiede. Huyen kann es nicht glauben, dass man in Deutschland nichts für Schule oder Ausbildung zahlt. Ich finde es gut, dass die Vietnamesinnen ihren Mann selbst aussuchen dürfen (ist ja nicht selbstverständlich), aber krass, dass sehr viele schon mit 21-23 heiraten. Ihre Eltern fragen Huyen immer schon, wann sie denn heiratet. Sie ist sehr gebildet, studiert Management und weiß sehr viel über die Welt und Geografie, obwohl sie noch nie gereist ist. Über meine Einladung nach Deutschland freute sie sich unbeschreiblich. Sie findet es sehr lustig, wie gut wir in Europa unsere Haustiere behandeln und dass wir mit unseren Hunden spazieren laufen.
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Wir kamen zurück und ich sollte eine Probefahrt machen. Zu meiner Verwunderung lief Emma einwandfrei. Leider ging sie nicht mehr an nachdem ich sie ausgemacht hatte. Der junge Mechaniker sagte ich hätte es kaputt gemacht. Er würde mir einen neuen Elektrostarter einbauen, aber das koste nochmal. Mir egal, dachte ich. Dafür, dass ich danach keine Probleme mehr habe nehme ich das gerne in Kauf.
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So fuhr Huyen in der Zwischenzeit zurück zum Cafe, weil sie ihr Handy vergessen hatte und dann zu ihr nach Hause um mit der Vermieterin abzuklären, ob ich da schlafen könne.
Nachdem mein Motorrad nach fast 6 Stunden dann endlich komplett funktionierte, bekam ich die Rechnung. Ich dachte ich spinne, als ich für einen neuen Motor, einen Ölschlauch, einen Elektrostarter und nochmal was inklusive Rechnung in Papierform nur 33 Euro zahlte. Zum Glück war Huyen dabei, denn so zahlte ich den Einheimischen Preis und nicht den Touri-Preis.
Ich fuhr Huyen hinterher zu ihrem Zuhause. Sie lebt in einer Art Mehrfamilienhaus und hat dort ein Zimmer. Sie fragte mich, ob ich duschen will und ich freute mich total auf die Dusche. Irgendwie frech, dass man den gleichen Standard erwartet wie Zuhause, denn die Dusche suchte ich vergeblich. Hinter einer Betonmauer war ein Wasserhahn mit kaltem Wasser und eine Schüssel und damit versuchte ich zu duschen. Das Klo war ein Loch im Boden. Huyen wusch so lange ihre Wäsche von Hand im großen Waschzuber. Das Bett ist eine große Liege die sehr hart ist. Ich würde nie auf die Idee kommen mich darüber zu beschweren, denn ich habe das für eine Nacht, aber die Leute hier leben so. Da merkt man erst mal wieder, dass man auch die kleinen Dinge schätzten sollte und wie gut man es Zuhause hat.
Huyen wollte auf das Blumenfest in Hanoi von welchem der letzte Tag war. Wir liefen los und aßen was in einem netten Restaurant an der Straße. Huyen meinte, dass sie noch nie einen so guten Service dort hatte und dort sehr oft ist und dass sie sich extra Mühe geben, weil ich da bin. Die Restaurantbesitzer waren beeindruckt, dass ich mit Stäbchen essen kann und zeigten mir wie man das Tofu in die Suppe taucht.
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Dann trafen wir Huyens zwei Freundinnen die leider kein englisch können. Wir wurden gewarnt, dass es regnen sollte und Huyen dachte ich will nicht nass werden. Als ich ihr versicherte das ist kein Problem, konnte sie es gar nicht glauben. Mit zwei Rollern fuhren wir also zum chinesischen Blumenfest. Es ging quer durch Hanoi das am Sonntagabend sehr besucht war. Den Fahrtwind zu spüren und die genial beleuchtete Skyline von Hanoi zu sehen, war echt unbeschreiblich. Ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, was für große Sorgen ich in den letzten Stunden hatte. Alles war wie weg geblasen und ich genoss es richtig auf dem Roller hinten drauf. Hab ich jemals daran gedacht dieses Land vorzeitig zu verlassen? Meine Gedanken schweiften ab, als ich plötzlich hellwach war. Huyen hatten nicht gesehen, dass ein Auto anhält und wollte rechts vorbei und dann blieben wir zwischen Auto und Leitplanke stecken. Es tat einen Schlag und mein Herz rutschte in die Hose. Sie konnte das Motorrad gerade noch halten, bevor wir umgefallen wären. Keiner guckte, ob dem Auto was passiert ist und wir fuhren weiter als wäre nichts gewesen. Das war knapp und Huyen hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen und entschuldigte sich 100 Mal, aber mir ist gar nichts passiert. Und nein liebe Eltern: Motorrad fahren ist hier nicht gefährlich, das war nur ein dummer Zufall 😀
Ohne GoogleMaps hätte ich diesen komplizierten Weg nie gefunden, aber die Orientierung der Mädels ist super. Ein paar Mal mussten wir anhalten und nach dem Weg fragen, aber das war ok. Auf dem Festival war die Hölle los. Ich bin mir sicher in ganz Deutschland gibt es nicht so viele Roller wie hier parkten.
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Es ging durch eine enge Schleuse durch, da mussten wir zahlen und dann waren wir auf dem Gelände. Leider zu spät, denn es war halb 9 und um 9 machte es zu. Wir aßen einen chinesischen Nachtisch und schlenderten herum. Es gab viele Stände und außerdem einen Blumentunnel. Wir waren alle super enttäuscht, dass es Kunstblumen waren. Und das auf einem Blumenfest! Auf dem Fest fühlte ich mich wie ein Promi auf dem roten Teppich und das ohne Übertreibung ! Alle Leute wollten Bilder von mir und mit mir machen und ich bekam Komplimente wie hübsch ich sei. Mann war mir das peinlich ! Eine Frau drückte mir sogar ihr Baby in die Hand das gleich anfing zu schreien. Trotzdem machte sie ein Foto von dem Baby und mir. Die Mädels stritten sich drum, wer neben mir laufen darf, wer mit mir Bilder machen darf und wer meine Hand halten darf. Hier sind die Leute alle so klein und ich mit meinen 1,60m fühlte mich als Riese.
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Außerdem war alles für noch kleinere Menschen ausgelegt und ich musste mich überall ducken. Das Fest war vor einer riesigen, total schön beleuchteten Shoppingmall die sehr edel aussah. Am Fest gab es eine Absperrung um zu den Rollern zu kommen. Da es keinen anderen Weg gab, schlüpfte ich durch. Die Mädels trauten sich erst nicht, aber machten mir dann nach. Alle fanden das total witzig und lachten noch lange darüber. Pünktlich um 9 schloss alles und ich fragte mich, ob ich Zuhause eine Stunde fahren würde um eine halbe Stunde auf einem Fest zu sein, aber es hatte sich definitiv gelohnt und obwohl ich Huyen’s Freundinnen nicht verstand, hatten wir trotzdem viel Spaß. Der Rückweg war genau so schön wie der Hinweg und als wir über eine riesige Brücke über den großen Fluss fuhren, war die Skyline noch schöner. Da hätte ich auch Spaß daran: Mit meinen Freundinnen auf Rollern durch so eine coole Stadt zu cruisen. Coole Beschäftigung am Sonntag ! Außerdem fuhren wir einmal um den See den ich nur tagsüber kannte und diesen erkannte ich gar nicht wieder. Es war total schön beleuchtet und die rote Brücke erkannte man schon von weitem. Es war die Hölle los und alle waren unterwegs.
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Zurück in Huyens Zuhause, erwartete uns schon die Vermieterin. Sie wollte mir unbedingt ihren 30 jährigen Sohn vorstellen, weil sie meinte ich sei so hübsch und die perfekte Schwiegertochter. Leider konnte er kein englisch und Huyen musste alles übersetzten. Schon lustig, dass wir beide englisch als Sprache zur Kommunikation nutzen, obwohl das nicht mal unsere Muttersprache ist. Der junge, gutaussehende Mann gab mir viele Routenvorschläge, Warnhinweise und Insidertipps die Huyen alle übersetzten musste. Wir hatten viel Spaß und alle meinten ich muss vietnamesisch lernen und ihn heiraten.
Es ist echt krass, wie mir an diesem Tag klar wurde wie brutal Touristen hier abgezogen werden. Den ganzen Tag musste ich nur die Hälfte von dem zahlen was ich normalerweise bezahlt hätte und das nur, weil Huyen dabei war. Selbst die Reparatur hatte bei anderen Backpackern mit denen ich geredet habe das Doppelte oder mehr gekostet. Da hatte ich echt Glück, dass Huyen alles für mich geregelt hat.
Wir Mädels saßen noch ewig im Zimmer zusammen und dann fielen mir nach einem weiteren sehr ereignisreichen Tag die Augen zu.

Liebe Grüße von der geretteten Nadine mit der neuen Emma

First day with the motorbike is a huge disaster

Samstag, 14.05.2016

Den heutigen Tag kann ich noch gar nicht richtig in Worte fassen. Es war einfach so ein großes (gefühls) Chaos.
Eigentlich wollten mein Reisepartner Patrick aus der Schweiz und ich um 10 los, aber durch viele Umstände wurde es schon halb 12. Trotz GoogleMaps fand ich Patrick’s Hostel nicht und fuhr 100 Mal im Kreis. Zum Glück entdeckte ich es irgendwann und es konnte los gehen.
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Ich wollte unbedingt das Objektiv kaufen das ich mir rausgesucht hatte und wir fuhren dort hin. Leider sieht hier alles gleich aus und ich fand den kleinen, versteckten Laden nicht mehr. Unterwegs brach dann plötzlich Patrick’s Halterung für den Backpack vom Motorrad ab. Wir fuhren hin und her, fragten viele Leute und ein netter Mann von einem Motorradverleih fuhr schließlich vorne weg in eine Werkstatt. Es sollte eine halbe Stunde dauern es zu schweißen und so lief ich nochmal los um den Shop für das Objektiv zu suchen. Leider erfolglos. Der Tag war wieder abartig heiß und mir floss der Schweiß in Strömen. Außerdem hatte ich nichts gefrühstückt und mein Magen knurrte. Ich musste über die große, 8 spurige Hauptstraße und wusste nicht, wie ich da heil drüber kommen sollte. Zum Glück schaffte ich es es unbeschadet.
Der Mechaniker war schnell und endlich konnte es los gehen. Patrick hatte seinen Backpack im Hostel gelassen und dort wollten wir hin um diesen zu holen. Unterwegs herrschte total krasser Verkehr und wir verloren uns. Sich in so einer riesigen Stadt wieder zu finden ist unmöglich, zumal Patrick derzeit kein Handy hat. Ich wollte ihm über Facebook schreiben, aber dieses öffnete sich nicht. Das Letzte was sich öffnete war die Nachricht von Patrick, dass er allein los gefahren sei.
Leider blieb mir nichts anderes übrig als auch allein aufzubrechen. So schwer kann das ja nicht sein, dachte ich. Da hab ich wohl falsch gedacht. Das Fahren hier ist gar nicht so schwer und wenn man sich einbläut, dass man einfach fahren muss ohne Rücksicht auf Verluste und die Hupe der beste Freund ist, dann geht alles.
Als ich anhielt um mein Handy zu laden, stand ich neben einem Restaurant, wo mich junge Männer freundlich empfingen. Ich fragte nach einem vegetarischen Essen und wurde doof angeschaut. Trotzdem bekam ich Reis mit Ei und eine Suppe. Der 28 jährige Chae setzte sich zu mir und fragte mich einiges. Sein Englisch war fast nicht zu verstehen und ich hatte alle Mühe. Er wollte unbedingt Selfies mit mir machen um es seinen Freunden zeigen zu können. Es sei sehr weit zum Nationalpark sagte er.

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Mein Tagesziel war nämlich der einstündig entfernte Nationalpark Ba Vi.
Es ging eine Weile über die Autobahn und die Landschaft war sehr schön. Es hatte fast keine Autos oder Roller und ich konnte mich vom Verkehr in Hanoi erholen. Leider nicht lange. Denn schon ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, stotterte meine Emma und ging aus. Der Tank war nicht ganz leer und ich hoffte trotzdem, dass das das Problem sei. Ein junger Mann kam und nach vielem hin und her setzte ich mich hinten auf seinen Roller und sein Freund den wir anschoben, „lief“ mit meinem Motorrad hinterher. In einer kleinen Hinterhofwerkstatt waren um die 20 Männer versammelt, die mich neugierig anstarrten. Der Mann schraubte kurz was rum und dann ging es wieder. Sie wollten ganze 500.000 Dong haben (ca. 20€), was für Vietnam ein totaler Wucher ist, aber mir blieb leider nicht anderes übrig als das zu zahlen.
Meine Gestikulierungsversuche eine Tankstelle zu beschreiben schlugen fehl und ich fand weit und breit keine Tankstelle. Wieder auf dem Highway fuhr ich ein paar Kilometer und hatte dasselbe Problem. Emma hatte wieder den Geist aufgegeben. Ich stand unter einer Brücke auf den Standstreifen und wurde ausgehupt. Viele Vietnamesen sind sehr unfreundlich und keiner wollte helfen. Irgendwann sprang Emma wieder an und es ging weiter. Ich fand eine Tankstelle und hoffte, dass das Problem damit gelöst sei. Leider nicht, denn wir blieben wieder stehen. In einem Dörfchen suchte ich nach einem Mechaniker. Über eine Rampe fuhr ich mitten ins HAUS von einer Dame. Diese wollte 10.000 Dong und ich fragte wofür, weil sie es sich ja noch gar nicht angeschaut hatte. Sie dachte ich will in den benachbarten Tempel und bei ihr parken. Das fand ich nach 15 Min. Zeichensprache raus. So ging ich wieder und fand endlich eine Werkstatt. Ich hätte nichts anderes erwartet, aber auch hier gab es große sprachliche Barrieren. Anders als in vielen anderen Ländern von Süd-Ost-Asien sprechen hier nur die Wenigsten auch nur ein kleines bisschen Englisch. Ich tippte mein Anliegen in GoogleÜbersetzer und der Mann verstand das was da auf vietnamesisch ausgegeben wurde wohl. Er nahm das Bike auf eine lange Testfahrt und schraubte anschließend eine ganze Weile herum. Um mich herum saßen viele Vietnamesen die mich alle anstarrten. Ein älterer Mann saß neben mir und redete ohne Punkt und Komma in vietnamesisch. Er wollte nicht verstehen, dass ich nicht weiß wovon er redete. Seine Stimme wurde lauter, dann haute er mir ständig gegen meinen Arm und irgendwann war ich richtig genervt. Die Leute drum herum lachten die ganze Zeit. Ich will nicht wissen, was er gesagt hat. Eine Frau kam und bot mir eine Frucht an, die ich aß (mit Salz). Geschmeckt hat es nicht, aber ich habe es probiert. Eine Frucht steckte sie mir in den Rucksack. Ich war mir sicher, dass ich dafür zahlen müsse. Ich war heilfroh, dass der 30 jährige Mechaniker mein Motorrad repariert hatte und wollte es anschmeißen. Das ging nicht und er schraubte nochmal und machte es an.

Dann passierte das unfassbare:

Plötzlich stieg eine riesige Flamme auf. Er wollte es löschen, aber die Flamme wurde noch größer. Es brach eine Panik bei den Leuten aus und die Kinder weinten. Alle rannten durcheinander und die ganze Straße war auf den Beinen. Einige schrien und keiner wusste sich zu helfen.

Eine Frau holte Maisblätter und wollte das Feuer ausschlagen, aber dann kam eine Stichflamme. Ich stand wie gelähmt da und dachte ich bin im falschen Film. Mit ansehen zu müssen wie das Motorrad und mein Gepäck, also mein komplettes Hab und Gut abbrennen, war verstörend. Hilflos, allein und der vietnamesischen Sprache nicht mächtig stand ich da und konnte mich nicht bewegen. Ich habe gehofft ich wache schnell aus diesem Alptraum auf.

Ein Nachbar rannte mit einem Wassereimer her und mittlerweile war eine noch größere Massenpanik ausgebrochen. Überall rannten Menschen rum. Der Mann goss Wasser über Emma und die Flamme wurde kleiner.

Mit dem zweiten Eimer Wasser war das Feuer aus und zum Glück ist mein Motorrad sowieso schwarz. Wie durch ein Wunder bekam auch mein Backpack hinten drauf nicht viel ab. Irgendwie hatte ich meine Gefühle nicht mehr im Griff und die Tränchen flossen. Meine Nerven machten so ein Theater nicht mit. Ich war fix und fertig und fragte mich, warum sowas mir passiert. Jemanden zum Reden hatte ich auch nicht.

Danach war es als wäre nichts gewesen, ich zahlte meine 300.000 Dong (ca. 12€) und fuhr davon.

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Keine 8 Kilometer später blieb ich nun schon zum vierten Mal stehen. Ich wusste nie, ob ich Vollgas geben sollte um schneller voran zu kommen, oder langsam fahren sollte, dass Emma länger durchhält. Irgendwas hatte der Mann in der Werkstatt verpfuscht, denn nun funktionierte nicht mal mehr mein Kickstarter. Meine Verzweiflung wuchs mit jeder Sekunde und ich wusste ich kann es vor Sonnenuntergang nicht mehr zum Nationalpark schaffen. Ich wollte Emma anmachen, aber es passierte nichts. Kein Mux. So stand ich da am Straßenrand und war mit den Kräften und Nerven total am Ende.

Keiner wollte anhalten und helfen und ich fühlte mich total hilflos. Allein in einem fremden Land, mitten im Nirgendwo, mit einem kaputten Motorrad, wo keiner englisch kann, keiner hilft, keiner das Motorrad reparieren kann und man hat keinen Schlafplatz. Ideale Situation ! Irgendwann hielt ein Mann der viel auf vietnamesisch plapperte. Er gestikulierte wild, aber ich verstand nicht was ich machen sollte. So fing ich an, Emma zu schieben. Es ging steil den Berg hoch und ich hatte alle Mühe. Der Mann kam zurück und nun verstand ich was er meinte. Er schob mich an, ich fuhr Berg runter, ließ die Kupplung los und Emma erwachte wieder zu Leben. Da das so nicht weiter gehen kann, tuckerte ich nochmal zurück in Richtung Werkstatt. Leider fand ich diese nicht mehr und gab auf, da es schon langsam dunkel wurde. Ich fragte nach einem Hotel, aber trotz GoogleÜbersetzer verstand mich keiner. In Gedanken schlief ich schon auf der Straße..

Zumindest die Landschaft ist schön

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Auf dem Weg zurück hatte ich dann Zusammenbruch Nummer 5. Diesmal direkt an einer Bushaltestelle wo ein Taxifahrer und ein Mann standen. Sie versuchten es, aber bekamen mein Zweirad nicht mehr an. Aus dem Bus stieg ein hochschwangeres Mädel in meinem Alter. Ihr Freund holte sie mit dem Roller ab. Zum Glück konnte das Mädel ein bisschen englisch und half aus. Der eine Mann machte eine Schnur an mein Bike und schleppte mich ab. Wir fuhren ein ganz schönes Stückchen. In Deutschland bekommt man ewig lange Einweisungen wie man abschleppt und hier geht das ganz einfach. Das Pärchen fuhr mit ihrem Roller vorne weg. Das Problem ist auch, dass es sehr schwer ist, Emma in neutral, also den Leerlauf zu bekommen. Der Kickstarter funktioniert aber nur in neutral und so ist das ein ewiges Rumgemache, bis sie in neutral ist.

An einer Werkstatt schraubte der nun dritte Mechaniker an Emma herum. Sie ging wieder und das Mädel sagte ich müsse nichts zahlen. Da freute ich mich total und bedankte mich bei den Männern von der Werkstatt 100 Mal. Keine Ahnung wieso, aber da musste ich wieder heulen. Ich fuhr dem Pärchen hinterher zu einem Hotel. Die Rezeptionistin guckte ständig in meine roten Augen und redete lange mit dem Pärchen. Wir verließen das Hotel wieder und ich hatte Angst doch draußen schlafen zu müssen. Verstanden hab ich natürlich nicht was da geredet wurde. Nebenan war noch ein Hotel und dort sah es besser aus. Mit umgerechnet 12 € zahlte ich für Vietnam einen viel zu hohen Preis, aber das war mir egal. Hauptsache ein Bett ! Dem Pärchen wollte ich Geld für ihre Hilfe und für den Aufwand zahlen, aber sie wollten nichts. Naja, außer einem Selfie mit ihrem nagelneuen Iphone 6 😉 Das Mädel sagte ich sei bei der Chefs vom Hotel zum Abendessen eingeladen. Da diese aber auch kein englisch können und ich weiß wie schwer es ist zu sagen, dass ich Vegetarierin bin, lehnte ich die nette Einladung dankend ab. Außerdem hatte ich vor Aufregung sowieso keinen Hunger mehr. Ich befreite mein Gepäck vom Motorrad und musste es mit den letzten Energiereserven in den 3. Stock schleppen. Der Rezeptionist kam mit, sagte nur wie schwer das aussähe, aber half auch nicht. Das Zimmer ist riesig, ich habe ein eigenes Bad, eine Klima und einen Ventilator. Da sah die Welt doch schon ein kleines bisschen besser aus. Ich war der einzige Gast im Hotel.

Den ganzen Tag hatte ich versucht Patrick über Facebook zu erreichen aber das geht schon gar nicht auf und der Messenger funktioniert auch nicht.
Meine Mutter ist auf die Idee gekommen, dass mein Facebook nicht funktioniert, weil die Regierung es gesperrt hat. Tatsächlich ergab eine Internetrecherche, dass viele Leute in Vietnam derzeit nicht auf Facebook zugreifen können. Mit dem Programm UltraSurf, kommt man durch ein Hintertürchen herein und ich konnte endlich Patrick schreiben. Dieser schrieb nicht zurück und ich war echt sauer. Ich hoffe für ihn, dass er derzeit auch kein Facebook hat! Von den ganzen Strapazen war ich sehr müde und ich muss mir überlegen was ich mit dem Motorrad mache, denn so kann das nicht weiter gehen. Als ich am Hotel angekommen war, ging es nämlich schon wieder aus.

Ganz verheult rief ich meinem Papa an der Geburtstag hatte. Ich konnte vor lauter heulen keinen richtigen Satz zustande bringen und meine ganze Familie die drum herum saß tat mir leid. Die waren auch hilflos und hatten Mitleid und mir tat es echt leid, dass ich sie damit belästigte.
Meine Stimmung war schon wieder ein bisschen besser als ich einschlief.

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Strapazierte Grüße
Nadine

Disaster

Donnerstag, 17.03.2016

Der Tag war eine einzige Katastrophe und ein totaler Albtraum. Ich wartete auf die versteckte Kamera. Diese kam leider nicht.
Ich stand schon um 7 auf, weil ich noch ins deutsche Konsulat wollte. Dieses fand ich erst ewig nicht, genau so wenig wie einen Parkplatz. Der Mann dort erklärte mir dann, dass ich zur vietnamesischen Botschaft und zu der von Myanmar muss, um meine Visas zu beantragen. Hört sich logisch an.
Ich fuhr direkt zum Haus, wo die Käufer von Brissie nächtigten. In einer Straße daneben räumte ich Brissie aus, sortierte ein letztes Mal meine 7 Sachen und war zum Glück immer noch rechtzeitig dran. Als ich gerade wieder zum Haus zurück fahren wollte, um Brissie zu übergeben und meinen Rucksack in den Kofferraum packen wollte, der Schock: Der Kofferraum ging nicht auf. Ich schloss 100 Mal auf und zu, rüttelte und versuchte es mit Gewalt und ohne, aber es war nichts zu machen. Leichte Panik stieg in mir auf. Ein Mann mit einem Hund kam vorbei und ich bat ihn um Hilfe. Er sagte, er hätte dasselbe Auto und ich müsse nur reinkrabbeln und einen Hebel auf die Seite schieben. Leider war das Holzgestell vom Bett im Weg und ich konnte den Hebel nicht schieben.
Ganz schnell fuhr ich in die nächste Werkstatt und landete total in der Rush-Hour. Unterwegs flog mir noch ein Kissen aus dem Fenster, weshalb viele Leute hupten. Mitten auf der Straße drehte ich um und sammelte es wieder ein. Die Leute guckten doof. Warum nur?
In der Werkstatt sagte man mir, ich bräuchte für den morgigen Tag einen Termin. Ich flehte und bettelte, sagte ich habe Käufer und einen Flug zu erreichen, aber nichts half. Außerdem rief ich Manny an, weil dieser Automechaniker ist, aber er wollte nicht von seiner anderen Arbeit weg.
Da es nun schon 11 Uhr war und ich mich mit den Käufern verabredete, fuhr ich dort hin zurück. Das französische Pärchen (auch Backpacker) die ein bisschen älter als ich sind, waren natürlich überhaupt nicht begeistert.
Ein anderer Mann der nebenan wohnte, kam raus und wollte uns auch helfen. Er brachte einen Werkzeugkasten und probierte ewig herum, aber konnte nichts bewirken. Trotzdem freute es mich wieder mal, dass die Australier so unglaublich hilfsbereit sind. Er gab sich erst nach 15. Min. geschlagen.
Während die Franzosen Brissie ganz genau unter die Lupe nahmen und alles untersuchten, versuchte ich weitere Werkstätten anzurufen. Ein Mann meinte wir sollen vorbeikommen, aber er könne nichts versprechen. Das Mädel hatte dann gleich ihre erste Probefahrt mit Brissie und ich hatte Angst. Sie ist noch nie ein automatik-Auto gefahren und mir wurde es ganz anderes, zumal meine Nerven sowieso schon am Ende waren. In den 10 Monaten gab es nicht ansatzweise Probleme mit dem Kofferraum und nun ausgerechnet heute..
Der Mann in der Werkstatt war ein Engel. Er ist ca. Mitte 30 und kam sofort zu uns. Mit einer Zange öffnete er den Kofferraum von außen und meinte, dass wir ihn übergangsweise von innen öffnen können. Wir erklärten das Problem mit dem Bettgestell und daraufhin nahm er eine Säge und sägte ein Loch rein. Für das Ganze verlangte er nicht einen Cent und meinte dass er weiß, dass Backpacker überall abgezockt werden und wir sowieso kein Geld hätten. Er gab uns Nummern von Schrottplätzen, schreib uns auf wie das Teil heißt das wir benötigen und meinte die beiden sollen mit dem Teil wieder kommen. Sie sollen in der Straße parken, er kommt und zeigt ihnen genau wie es funktioniert das Teil einzubauen. Er würde wieder nichts verlangen, aber freue sich über eine gute Bewertung auf google. So ein unglaublich netter und hilfsbereiter Mechaniker. Da waren wir an die richtige Stelle geraten und ich war froh ein Problem weniger zu haben.
Leider rannte die Zeit und ich bekam Panik. Wir fuhren zu Vic Roads um das Formular zu holen das man für den Transfer benötigt. Dieses füllten wir an Ort und Stelle aus, aber mussten es woanders abgeben. Dafür war absolut keine Zeit mehr. Die Beiden erzählten mir dann auch noch, dass sie erst noch Geld abheben müssten. Da fragte ich mich echt, warum man das nicht vorher machen kann. Dann fingen sie, während er nun eine Probefahrt hatte auch noch an über den Preis zu verhandeln. Dieser war aber von Anfang an festgesetzt. Sie fragten mich, wann der Keilriemen erneuert wurde. Ich sagte ich hätte keine Ahnung, weil ich es nicht wusste. Sie gingen alle Rechnungen durch, aber fanden nichts darüber. Daraufhin rief ich Brian an und fragte, ob er den Keilriemen erneuert hätte. Er sprach mit den Käufern. Ich sagte natürlich nicht, dass Brian gleichzeitig mein Chef war. Keine Ahnung was er ihnen erzählte, aber mit seiner Antwort gaben sie sich erst mal zufrieden. Ich ließ ihnen 100$ wegen dem Kofferraum nach und dann war es gut. Wir standen gerade an einer Ampel, als Brissie total laute, sehr komische Geräusche von sich gab. Außerdem leuchteten sämtliche Warnleuchten. Ich bekam Schweißausbrüche und mein Herz schlug schneller. Das hab ich noch nie gesehen oder gehört. Wir hielten an, machten das Auto aus und dann hörte man nichts mehr. Nur eine Warnleuchte flackerte noch ab und zu und das Mädel guckte im Handbuch nach, wurde aber nicht schlauer. Ich wartete auf die versteckte Kamera. Noch nie hatte ich Probleme.
Leider hatten die beiden auch nicht daran gedacht gleich alle ihre Sachen mitzunehmen. So mussten wir wieder zu ihrer Bleibe zurück. Ich wusste ich muss meinen Flug kriegen und wurde immer nervöser und ungeduldiger. Sie hätten schon alles gepackt, keine Panik. Sage und schreibe 15! Min. verbrachten die beiden damit das Gepäck aus dem Haus zu holen. Ich startete schon mal den Motor, was die beiden nicht aus der Ruhe brachte. Das Mädel überlegte ständig was sie mit dem „Schrott“ im Auto machen sollte. Ich wurde ein bisschen sauer, weil ich ihnen alles überlassen wollte. Alles was im Auto war brauchte ich und nichts war zu viel. Sie beschwerte sich, dass sie extra Kosten für den Schrottplatz zahlen müsse.
Es war ausgemacht, dass sie mich zum Flughafen fahren, als Probefahrt. Ich solle fahren, so die beiden. Das machte ich natürlich gerne. Die letzte Fahrt in Brissie. Die Warnleuchten flackerten wieder und ich war besorgt. Unauffällig drehte ich das Radio auf und verwickelte die beiden in Gespräche, sodass sie das Geräusch nicht hörten. Das ist zwar gemein, aber ich weiß ja, dass mit dem Auto nie was falsch war.
Viel zu spät kamen wir am Flughafen an und fanden mein Terminal nicht. Dann kostete es auch noch 5$ um zum Terminal zu fahren. An einer Ampel war das Geräusch wieder unüberhörbar. Ein Taxifahrer neben uns sagte, dass es der Riemen für die Klimaanlage sei. Ich sagte gar nichts und die Franzosen zum Glück auch nicht.
In aller Hektik und viel zu spät verabschiedete ich mich von den beiden und sie organisierten mir noch einen Kofferwagen. Ich war so in Eile, dass ich nicht mal drüber nachdenken konnte, dass Brissie nun ohne mich davon fährt.
Nach 12.534 gemeinsamen Kilometern fällt es mir echt schwer tschüss zu sagen. Für mich war Brissie nicht „nur ein Auto“. So viele Erinnerungen hängen daran, so viele Leute die mitgefahren sind. So viele tolle Orte an denen ich war.. Außerdem ist es echt schwer zu ein zuverlässiges, tolles Auto zu finden das nie Probleme macht.
Ich rannte in das Gebäude und man musste seinen Koffer selbst aufgeben. Statt 20, hatte mein Koffer 21kg und die Maschine wollte ihn nicht durch lassen, aber verriet mir nicht wieso. Ich nahm meinen großen Kulturbeutel raus und dann waren es genau 20kg. Mein Koffer ging aber immer noch nicht durch. Ich fragte eine Mitarbeiterin, aber die hatte keine Zeit für mich. Selbst nach dreimaligem Ansprechen nicht. Ich probierte alles, aber mein Backpack ging nicht durch. Nach ca. 20 Minuten war er dann endlich weg und ich erleichtert.
Auf dem Weg zum Gate kaufte ich mir noch schnell eine Cola. Meine Nerven waren am Ende, ich hatte weder gegessen noch getrunken und fühlte mich schlecht. Nach Essen war mir aber nicht zu Mute. Vor lauter Stress vergaß ich völlig, dass in meiner Kulturtasche sämtliche Flüssigkeiten über 100ml, meine Nagelschere, Nagelfeile, usw. drin waren. In meinem Rucksack den ich dabei hatte, hatte ich außerdem ein Taschenmesser, eine Schere und eine volle Wasserflasche. Normalerweise sind die Kontrollen total streng und man braucht einen Plastikbeutel für die Flüssigkeiten, usw. Irgendwie hatte ich totales Dummenglück und ich kam mit allem durch. Nur bei meiner Tasche fragten sie mich, ob ich eine Schere drin hätte, aber da war keine drin. Der Scanner wo man durchläuft piepste und ich hatte vergessen meinen Hut abzuziehen. Beim zweiten Mal war es das Handy in meiner Tasche. Mir war das so peinlich und ist mir auch noch nie passiert. Ich hielt alle anderen auf.
Sie machten einen Sprengstofftest mit meiner Tasche und dann durfte ich gehen. Ich war total verwundert wie das ging mit den ganzen verbotenen Gegenständen die ich hatte. Letztes Mal wurde schon ein Aufstand wegen meinem Deo gemacht das ich dann wegschmeißen musste.
Als ich in der Schlange zum boarding stand, sah ich auch noch, dass das Handgepäck gewogen wurde. Jetzt bin ich schon so oft geflogen, hatte immer ein leichtes Handgepäckstück dabei und dieses Mal, wenn ich zwei Gepäckstücke habe die jeweils 8kg wiegen, sowas ! Ich fragte einen netten jungen Mann, ob er meine Tasche nehmen würde, denn er hatte nichts. Er machte das, aber leider erfuhr ich, dass er nach Sydney flog und so wäre es aufgefallen. Dann kam ein Aufruf, dass alle Leute die nach Hobart fliegen, nochmal warten sollten. Verzweifelt suchte ich nach irgend jemanden mit wenig Gepäck, der meine Tasche trägt. Die Leute waren sehr unfreundlich und keiner wollte mir den Gefallen tun. Ich hätte es ja verstanden, wenn es drum ginge es durch die Sicherheitskontrolle zu bringen. Da hätte ich ja jeden Drogen schmuggeln lassen können, aber so….
Eine Mutter mit vier Kindern wollte mir auch nicht helfen, was ich unfreundlich fand. Jedes der Kinder hätte ein freies Gepäckstück gehabt und es ging ja lediglich ums Wiegen.
So wurde ich nach dem Wiegen in eine andere Schlange verwiesen, wo ich nachzahlen sollte. Da stand ich dann und stand und stand. Ein Angestellter der jünger als ich war stand nur da und guckte doof. Ich sagte ganz freundlich: Excuse me! Als keine Antwort kam, wiederholte ich mich. Da rastete der aus, brüllte mich an, dass ich ihn nicht anschreien sollte und war total außer sich. Die Gäste hinter mir schimpften mit mir mit, denn sie wussten alle, dass ich nichts gemacht hatte und wir alle einen Flug zu erwischen hatten.
Endlich kam ein zuständiger Mitarbeiter. Ich fragte, was es kostete und ich sollte 36$ für 14kg, statt 7kg zahlen. Doofe Tigerair. Ich packte alles Schwere in meine Handtasche und ging zurück zum Wiegen. Mein Rucksack hatte 7kg, aber die Tasche war zu schwer. So stand ich wieder hinter in der Schlange und hatte noch 5 min. bis der Flieger abheben sollte. Die anderen vor mir mussten zahlen und als der Typ fragte wer nach Hobart muss und ich die Hand hob, winkte er mich durch. Ich war verwirrt, aber wenigstens kam ich ums Zahlen herum.
Die Türen vom Flugzeug gingen gerade zu, als ich davor stand. Eine Frau gab das Kommando um sie wieder aufzumachen. Alle Leute saßen schon und guckten mich an. Dann hatte ich auch noch einen Fensterplatz, musste mit dem ganzen Gepäck an allen Leuten vorbei einmal durchs Flugzeug und es gab keinen Platz mehr in den Gepäckfächern, sodass ich das ganze Zeug auf meinen Füßen hatte. Ich konnte nicht mal meine Beine ausstrecken. Der junge Mann neben mir stank so bestialisch, dass ich dachte ich muss spucken. Ich konnte nur durch den Mund atmen. Gut, dass es nur ein kurzer Flug war.
Es windete total stark und beim Start wurde das Flugzeug ordentlich hin und her gewedelt. Der Pilot sagte, dass der Wind 30km/h schnell wäre und es deswegen ein unruhiger Flug ist. Die ganze Zeit neigte sich der Flieger von der einen zur anderen Seite und vibrierte stark. Auch das noch ! Natürlich war mein Puls wie den ganzen Tag schon auf 180, ich hatte schwitzige Hände und Angstzustände. Diesmal wollte ich stark bleiben und keine meiner Wundertabletten nehmen. Ich hatte echt das Gefühl das ist alles zu viel für mich und ich kollabiere bald. Das ist zu viel Aufregung an einem Tag.
Nach einer Stunde war das Drama vorbei und ich war endlich in Hobart auf der Insel Tasmanien angekommen. Ich atmete tief auf.
Das Gepäck kam ewig nicht und dann gab es einen Drogenhund der auf dem Band rum lief und alle Koffer beschnupperte. Als er fündig wurde, setzte er sich neben die Koffer und bekam ein Leckerli.
Draußen wartete schon John auf mich der mich abholte. John ist der Freund von Chris und Chris ist der Mann von Birgit, der Freundin meiner Tante in Perth bei der wir letztens waren. Ich kannte John nicht, aber er war sehr nett. Wir fuhren zu einem abgelegenen Strand der wunderschön war. Das Wetter war perfekt und es hatte 30 Grad. Mit dem Auto gings quer durch Hobart und John erzählte mir sehr viel. Das hob meine Stimmung gewaltig.
Er lebt mit seiner Familie auch in Hobart, hat eine sehr gute Firma und einige leerstehende Häuser. So brachte er mich in eines davon. Er warnte mich davor, dass es weder Bad noch Dusche hätte, aber mir würde schon was einfallen, dachte ich. Nur wusste ich nicht, dass das Haus auch keine Möbel hatte. Da ich nicht mal einen richtigen Schlafsack hatte, wusste ich, dass die Nacht unbequem werden würde.
John verabschiedete sich und ich war froh, dass der Tag endlich vorbei war. Direkt daneben gab es einen Supermarkt wo ich mir einen guten Salat holte. Leider dachte ich auch nicht daran, dass ich weder Teller, noch Besteck noch sonst was hatte und fragte mich, wie ich mein Müsli zum Frühstück essen sollte.
Ich machte es mir so bequem es ging und konnte ewig nicht einschlafen.

Gestresste Grüße ohne Brissie 😦
Nadine

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