Stuck in the mud, dumb cows, a visitor, sightseeing, cinema and flood

Sonntag, 03.01. – Samstag, 09.01.2016

Diese Woche hatte ich das Gefühl, dass Lori (Bruder meines Chefs) mich „strafen“ will. An einem Tag schüttete es mal wieder aus Kübeln und der Regen tat sogar schon weh, so stark war er. Seit ich hier bin musste ich das noch nie machen, aber er sagte ich solle das Heu in der Stutenkoppel zusammen rechen und anderen Pferden geben. Diese hatten aber alle noch Heu. Ich sagte ich mache es nach dem Regen und er meinte ich solle das gleich machen. Das fand ich nicht so cool. Außerdem rief er dann James an und sagte, dass ich den Pferden zu wenig Heu füttere. Bisher gab`s damit aber nie Probleme. Wenn das ganze Heu aber im Matsch steckt, weil es regnet, ist klar, dass es weniger aussieht. James sagte mir dann, dass ich mehr füttern solle. Ich schob Lori`s Stimmung auf das Rennen. In Brisbane stand ein sehr wichtiges Rennen an, bei dem sein Pferd startete. Er fragte mich 1000 Fragen was ich seinem Pferd füttere, was er für Bewegung hat, wo er schläft, wie er schläft und vieles mehr. Das fand ich verständlich, so würde es mir vielleicht auch gehen.
In dem Futter sind Sonnenblumenkerne drin. Lori stellte fest, dass diese leer sind. Mir ist das zugegebener Maßen nicht aufgefallen. Das gefiel ihm gar nicht und so fuhr er am selben Tag in die Stadt und kaufte eigenes Futter für sein Pferd. Ab da fütterte er ihn selber, mistete ihn, bewegte ihn usw. Das war mir gerade recht. Obwohl mein Chef ein paar Tage vorher noch gesagt hat, dass ich mit den Pferden alles richtig mache, weil sie alle sehr gut sind, seit ich da bin. Auch Loris Pferd gewann die letzten beiden Rennen und wurde zweiter in einem sehr wichtigen Rennen.
Es hörte an zwei Tagen keine Minute auf zu regnen und hier war Land unter. Selbst in die Boxen ist das Wasser geflossen und die Pferde standen im Matsch. Einige Male bin ich mit dem Quad festgesteckt und es war überall geflutet.
Am Montag besuchte mich Brett (bei dem ich Weihnachten feierte) mittags. Ich zeigte ihm die Farm, ließ ihn mit dem Quad fahren, die Hühner, den Kakadu, den Wellensittich die Katze und den Hund füttern und eine Box misten. Man merkt, dass er ein waschechtes Stadtkind ist. Er stellte sich ein bisschen lustig an und wir mussten beide lachen. Außerdem hatte er gute Schuhe an, obwohl ich ihn gewarnt hatte. Es war immer noch matschig.
Zusammen wollten wir in den Pub zum Abendessen. Brett wurde total nervös und ließ mir keine Zeit mich zu richten, weil er Angst hatte, mit seinem Auto nicht mehr von der Farm zu kommen. Er rannte ums Auto und meinte wir müssen schnell los, bevor der Regen stärker wird. Das raus kommen war aber gar kein Problem. Wenigstens muss ich bei dem Wetter nicht die Blumen gießen.
An diesem Tag waren wir die Einzigen im Pub und gingen nach einer Pizza und zwei Bier früh wieder. Brett schmiss mich auf der Farm raus und machte sich dann wieder auf den Weg nach Toowoomba.

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Am Dienstag wollte der Regen wieder nicht aufhören. Ausgerechnet da sollte der Tierarzt kommen. Wie in Deutschland auch, sind diese total unpünktlich. Da ich von meinem Container aus nicht in den Stall sehen kann, musste ich geschlagene zwei und halb Stunden im Regen auf Dr. Bob (John) warten. Es war kalt und ekelig. John hatte wie immer super Laune und das stimmte mich ein bisschen besser. Im größten Matsch musste ich ein Pferd vortraben und hatte sowieso schon total Kopfweh. Er konnte nicht erkennen, wo das Pferd lahmt und ich musste gefühlte hundert Mal über die Koppel rennen. Ich wurde viele Fragen gefragt, z.B. wie alt das Pferd ist, seit wann er lahmt und wie stark usw. Er gab dem Pferd dann Schmerzmittel und erklärte mir ganz genau was er hat. Zu meinem Erstaunen verstand ich alles und konnte gut wiederholen was John mir sagte. Ich solle dem Pferd jeden Tag Schmerzmittel verabreichen. Ein anderes Pferd von Lori brauchte ein Zertifikat dass es nicht zur Auktion kann. Dieses dauerte ewig, weil John es von Hand schrieb. Da ist der echt sehr altmodisch. Eine Ewigkeit redete der nette Tierarzt mit mir, wünschte mir alles Gute und weg war er. Ich war froh, dass ich den Tierarzttermin alleine so gut hinbekommen hatte und James alles genau erzählen konnte.
Als ich abends fütterte, hatten es die Kühe geschafft in den Reitplatz zu kommen. Ich wollte sie raus treiben und blieb unterwegs mit dem Quad stecken. Beim Versuch dieses zu befreien, schlitterte es noch mehr und blieb am Tor hängen. Es ging nicht mehr vor und zurück. Diese dummen Kühe guckten mich ratlos an. Eine Ewigkeit versuchte ich das Quad zu befreien, aber es grub sich nur noch tiefer ein. Ich war kurz vor dem heulen und schrie sogar schon die Kühe an, die her kamen und mich nervten. Diese versuchte ich raus zu treiben, weil ich dachte sie können das Tor weiter öffnen, sodass ich raus kann, aber ohne Erfolg. Eine geschlagene Stunde stand ich im Regen, war patsch nass und stocksauer. Das Wort fu***** ist hier ziemlich legal und es sagt fast jeder. So gibt es Aussagen wie „fu***** great“, fu***** bad, usw. Ich habe nicht gezählt, wie oft ich dieses Wort an diesem Tag gesagt hab, aber es war oft. Meine Fluche waren bestimmt noch in der nächsten Stadt zu hören. Dann kam endlich Lori dem ich eine SMS geschrieben hatte. Wir hängten den Anhänger ab, zogen ihn mit vereinten Kräften aus dem Matsch und machten das selbe mit dem Quad. Das dauerte ewig und Lori war nicht gerade begeistert. Er fragte mich 100 Mal wie ich geschafft hatte, das Quad fest zu fahren. Eigentlich wollte ich an diesem Abend ins Kino, aber bis ich dann fertig war, war es viel zu spät.

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An diesem Tag war Lori morgens schon mal da gewesen und da hatte es aufgehört zu regnen. Trotzdem fiel ihm nach der Quad-Befreiung ein, dass wir die Stute decken lassen müssen. So standen wir im größten Matschloch, waren nach wenigen Minuten noch nasser als sowieso schon und hatten diese verrückte Stute. Ich konnte sie partout nicht halten und schlitterte nur. Lori griff den Strick und gab mir den Hengst, der bereits auf der Stute war. Er rief mir zu ich solle dem Hengst sein „Ding“ in die Stute stecken. Nein, das war zu viel für mich ! Ganz sicher mache ich sowas nicht. Lori wurde sehr ungeduldig und verstand nicht, dass ich das nicht machen wollte. So ging die Hälfte vom Hengst daneben. Das war mir aber relativ egal. Ich hatte sowieso schlechte Laune. So froh war ich noch nie, dass ein Tag vorbei war. Früh ging ich ins Bett und fror.
Normalerweise fange ich immer früh an, aber am Neujahrstag hätte ich garantiert nicht um 6 im Stall stehen können. Lori meinte daraufhin ich würde zu spät anfangen und solle künftig täglich um 6 starten. Obwohl ich ihm erklärte, dass wir mit James in letzter Zeit aller frühestens um halb 7, eher aber später angefangen haben, musste ich dann immer so früh im Stall stehen.
Lori muss mir immer helfen das Heu für die Pferde auf der großen Koppel mit dem Traktor dort hin bringen. Leider kann ich nicht mit dem Traktor fahren. Außerdem muss er die großen Rundballen in den Heuschuppen bringen, sodass ich die anderen Pferde mit dem Quad füttern kann. An einem Tag waren zwei Ballen so dicht nebeneinander, dass ich echte Probleme hatte, das Heu raus zu bekommen. Bestimmt war es keine Absicht, aber sowas fällt dann halt auf. Zumal das zuvor noch nie ein Problem war. Der Heuschuppen ist groß genug.
An einem Tag rannte mir ein Pferd weg, dass ich mit dem Quad wieder einfangen musste. Es ist aber nichts passiert. Hier rennen öfter Pferde weg.
Mittwochs wollte ich mittags eigentlich was mit Yvette vom Pub machen, aber die fragte komischerweise Matt nach seinem Auto. Dann nicht, dachte ich mir und begab mich Mittags in den Pub. Die Besitzerin Michelle hatte mir nämlich freundlicherweise das WLAN Passwort gegeben. So muss ich nicht mehr extra 60 km nach Kingaroy fahren. Ich buchte noch Flüge usw. Michelle lud mich für den Abend zum Grillen ein.
So fuhr ich zurück zur Farm, fütterte die Pferde und kam wieder. Es gab Kartoffelauflauf und viele Salate und es schmeckte super. Einige Leute waren da und wir saßen gemütlich zusammen. Der Regen hatte nach Tagen endlich aufgehört und wir konnten auf der großen Terrasse vom Pub sitzen. Michelle hatte die Idee Cricket zu spielen. So parkten wir die Autos um und verwandelten den Parkplatz zum Cricket-Feld. Jung und alt spielten zusammen und wir hatten total viel Spaß. Als es schon später wurde, fingen wir an Karaoke zu singen. Auf youtube findet man alle möglichen Lieder zum mit singen und es gibt einen großen Flatscreen und Mikrofone im Pub. Michelle sagte ungefähr 10 Mal, dass es der letzte Song ist, als es schon spät war. Irgendwann hatte sie die Idee ein Spiel zu machen. Jede Runde musste jeder einen Namen ziehen und dann mit dieser Person singen. Wir gaben „random 80`s Karaoke“ in die youtube-Suche ein und es war nicht erlaubt ein Lied zu überspringen. Einige Lieder kannte keiner und es war sehr lustig diese trotzdem zu singen. Die Nachbarn taten mir leid und es hörte sich mehr an wie Katzenjammer. Der Abend war super genial und wir hatten mega viel Spaß. Michelle bat mir mittags schon an im Pub zu schlafen, weil dieser auch ein Hotel ist und ein Zimmer frei war. Das Angebot nahm ich gerne an und spät fiel ich ins Hotelbett.

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Auch die Kinder durften singen

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Yvette, ich, Paige, Joe

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Ich, Paige, Yvette

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Der Pub morgens um halb 6

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Leider musste ich am nächsten Tag um 6 auf dem Pferd sitzen, was mir nicht gerade leicht fiel. Trotzdem: Der Spaß am Abend war es Wert ! Dieses Pferde sollte nämlich am Wochenende zum Rennen und es ist zu gefährlich, wenn ich es ohne Aufsicht reite. So solle ich fertig mit reiten sein bis Lori kommt, dass er sieht, dass nichts passiert ist.
Am Donnerstag holte mich abends Josh vom Pub ab. Wir fuhren nach Kingaroy ins Kino. Unterwegs öffnete ich einen an mich adressierten Brief. Ich freute mich so unbeschreiblich unglaublich arg, als eine Weihnachtskarte von meinen besten Freundinnen drin war. Außerdem legten sie einen total süßen Talismann dazu. Die ganze Zeit musste ich grinsen und freue mich, so tolle Freunde zu haben. Der Schlüsselanhänger fand natürlich gleich einen Platz an meinem Autoschlüssel. Silvi, Tati: Ich danke euch dafür von ganzen Herzen ! Ihr seid die besten !!

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Leider kamen wir zu spät zum Film und mussten über alle Leute drüber steigen. Was ich nicht wusste: Hier gibt es salziges Popcorn. Sehr ungewöhnlich aber gut. Für 7,50 Euro Eintritt und 2 Euro fürs Popcorn war es auch echt günstig. Das Kino war klein aber voll. Der Film „Daddys Home“ ist super witzig. Es gab viel zu lachen. Seit fast einem Jahr war ich nun nicht mehr im Kino.
Hier gibt es auch keine festen Sitzplätze. Man sitzt wo es frei ist.

Bei einem tollen Pizzarestaurant gönnten wir uns eine super Pizza.

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Danach gab mir Josh noch eine Nacht-Sightseeing-Tour durch Kingaroy. Bisher hatte ich hier ja nur den MC Donalds und den Woolworths gesehen. Nachts hat man einen gigantischen Ausblick vom Apex Lookout und von einer anderen Aussichtsplattform. Außerdem sah ich die Erdnussfabrik. Kingaroy ist nämlich DIE Erdnussstadt Australiens und man hat ständig den Geruch in der Nase.
Wir fuhren durch ganz Kingaroy und Josh erzählte mir viel. Wir sahen große Spinnen, gefährliche Kröten, eine Schlange, Eulen und viele außergewöhnliche Käfer.
Danach fuhr Josh mit mir ein Mal um seine Farm herum. Er zeigte mir wie der Mais angebaut wird, wie sie die Kühe mit den Hunden treiben und ich durfte in die riesige Landmaschine steigen, die die größte und modernste auf dem Markt ist. Das war total interessant und lehrreich.

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Es war spät als er mich heimfuhr, aber diese Tour hatte sich definitiv gelohnt. Und nein, auch wenn es sich so anhört war es kein Date 😉
Weil ich schon so lange hier bin und noch fast nichts in der Umgebung gesehen habe, fuhren Josh und ich am Freitag in die „Bunya Mountains“. Diese sind nur eine halbe Stunde von der Farm weg. Es sieht fast genau so aus wie auf der Schwarzwald-Hochstraße, nur dass es einen Regenwald gibt und die Straße noch schmaler und schlechter ist. Wir wanderten auf einem 6 Kilometer langen Pfad. Der Regenwald war sehr schön es hatte tolle Aussichtspunkte und eine tolle Landschaft. Anschließend genossen wir unser Mittagessen in einem Restaurant und dann musste ich wieder zur Farm um die Pferde zu füttern.

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Dort kamen gerade James und die Familie an. Ich half das Auto auszuladen und bei Wassermelonen saß ich mit den Kindern auf der Terrasse und ließ mir alles vom Urlaub genau erzählen. Der mittlere Sohn Sidney ist von einem Felsen gerutscht und brach sich die Hand. Er musste noch im Urlaub operiert werden. Der arme.
James bedankte sich, dass alles so gut geklappt hat und er meinte es ist schön sich auf jemanden verlassen zu können, wenn er nicht da ist. Seine Eltern sind aber noch nicht zurück und den Garten muss ich noch ein paar weitere Tage gießen.

Smoky & Wombat

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Die Kleinste Penny

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Der Größte Percy

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Wombat, Smoky und ichIMG_4538 (FILEminimizer)

Samstag war außerdem mein letzter Arbeitstag. Eigentlich sollte ich ein paar Pferde reiten, aber ich glaube dann ist James eingefallen, dass es mein letzter Tag ist und es sich nicht mehr lohnt jetzt noch was anzufangen. So fingen wir auch erst um 6:30 Uhr an. Es gab nur ein paar kleine Aufgaben für mich und das Typische und dann war ich schon um 10 fertig. Das war ein sehr guter letzter Tag. Ich werde die Arbeit hier vermissen. Es hat (fast) immer viel Spaß gemacht. Außerdem hatte das riesen Pferd das ich die letzte Woche geritten bin ein großes Rennen. Dieses war in Ipswich und wurde im TV übertragen. Kate, die Kinder, Lori und ich saßen davor und verfolgten es gespannt. „Bolt“ rannte gleich los wie verrückt und führte bis etwa 50 Meter vor dem Ziel. Kopf an Kopf wurde er leider noch von zwei anderen Pferden geschlagen. Das war ein tolles Rennen. Natürlich war ich ein bisschen stolz, dass das Pferd so gut abgeschnitten hat, wo ich es alleine geritten bin, gepflegt, gefüttert und geputzt hab.

Josh mit dem ich ja nun schon ein paar Ausflüge gemacht habe, lud mich zum Abendessen mit seiner Familie ein. Diese ist super nett. Josh hat vier ältere Schwestern die alle bereits Kinder haben. Da am Sonntag die Oma ihren 85. Geburtstag feiert, war die komplette Familie auf der Farm und es war volles Haus. Es ist eine Maisfarm und außerdem haben sie Kühe und einige Bohnensorten.

Wir hatten einen schönen Abend und alle empfingen mich total freundlich und es gab viel zu lachen. Ich durfte das erste mal selbstgemachten „Plumpudding“ probieren der sehr lecker ist. Weil die Oma noch nicht da war (sie wohnt woanders) bot mir die Familie ein, in ihrem alten Zimmer zu schlafen. Das Angebot nahm ich gerne an und so konnte ich auch mit der Familie anstoßen.

Plumpudding

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Zufriedene Grüße
Nadine

First race as a strapper

Samstag, 02.01.2016

James kam morgens kurzzeitig zurück vom Urlaub. Eigentlich wollte er „ein paar Pferde“ reiten, aber trug dann mir auf, den Neuen, großen Fuchs zu reiten. Dieser wurde seit er hier ist noch nicht geritten und ist mir am Tag zuvor weg gerannt, weil er beim Führen gebockt und sich losgerissen hat. James meinte das Pferd wäre faul und ich müsste vorsichtig sein, weil er immer stolpert. Mit Hilfe eines Bierkastens stieg ich dann auf dieses 1,75 m große Tier. James hatte halb Recht. Faul war dieses Getier nicht, aber es ist so oft gestolpert, dass es uns ein paar Mal fast auf die Nase gehauen hat. In der Dressur würde man dann ein bisschen mit den Zügeln im Maul spielen und mehr mit dem Bein treiben, aber das versteht ein Rennpferd natürlich nicht. So musste ich den Riesen am halblangen Zügel seine Runden traben lassen.
Um halb 12 kam die Besitzerin von Bon Bon, dem Pferd das rennen sollte. Diese ist total nett und wir unterhielten uns super. Zu dritt fuhren wir nach „Bell“. Dieses ist nur 40 min. weg.
Es herrschte schon reger Trubel und man fand viele Pferde vor. Da Bon Bon einfach nicht ruhig am Anbindeplatz stehen wollte, musste ich sie fast die ganze Zeit rum führen. Es hatte über 30 Grad und die Sonne knallte. Ich war froh, als wir endlich den Sattel drauf machen konnten. Bis dahin wusste ich nicht, dass ich Bon Bon „strappen“ sollte. Aufgabe eines „Strappers“ ist, das Pferd zu führen und dann dem Jockey beim Aufsteigen zu helfen. Natürlich war ich ein bisschen perplex, aber freute mich. In Australien ist das nämlich ein großes Ding und eine „Ehre“.
Nach einer sehr kurzen Kurzeinweisung hatte ich dann den Strick in der Hand und lief im Kreis. Dieser war ca. 20 Meter im Durchmesser und wir konnten uns gerade mal um die eigene Achse drehen. Hier wurde das Pferd schon sehr nervös und ich merkte das deutlich. Ein Mann stand da mit seinem Schimmel und da dieses Pferd nicht mal in dem Rennen war, gehörte er da nicht hin. Der Schimmel war genau so nervös wie Bon Bon und machte Theater. Da mein Pferd nur um mich herum trabte und ich wenig Einfluss darauf hatte wo wir hin gingen, kamen wir dem Schimmel immer näher. Ich versuchte Bon Bon weg zu ziehen, dann kam das andere Pferd in Richtung uns und kickte wie verrückt. Mein Herz blieb stehen und natürlich standen James und die Besitzerin von Bon Bon daneben. Diese wussten aber auch, dass ich nichts dafür konnte. Zum Glück verfiel das dumme Pferd meines um Zentimeter und es passierte nichts. Das wäre der Super-GAU gewesen. Der Mann vom Schimmel schrie mich an und meinte, dass ich doch sehen würde, dass sein Pferd spinnt, usw. Alle anderen Zuschauer des „Spektakels“ warfen dem unfreundlichen Mann nur strenge Blicke zu. Er ist falsch und nicht ich, außerdem hat sein Pferd ausgeschlagen.
Dann ging es zu zwei Männern, die guckten ob die Pferde korrekt gesattelt sind, die angegebene Ausrüstung an haben, usw. Diese winkten mich weiter ins Viereck. Im TV sieht das immer so einfach aus, wenn die Strapper auf gut asphaltierten, großen Straßen laufen, aber dieses Viereck war winzig. Es befanden sich 11 Pferde darin. Die Kulisse war überwältigend. Menschenmassen drängten sich an den Zaun um die Pferde zu sehen, auf die sie gewettet haben oder noch last-minute-Wetten abschließen wollten. Leider verhielt sich Bon Bon nicht gerade vorbildlich und ich hatte große Probleme sie zu halten. Meine Energiereserven schwanden immer weiter. Sie tänzelte nur rum und wollte ständig zu anderen Pferden und legte böse die Ohren an. Eigentlich sollte man in der Startreihenfolge laufen, aber es herrschte pures Durcheinander. James kam dann um mir zu helfen, Jockey „Hanna“ hoch zu schmeißen. Diese musste ich dann noch ein paar weitere Runden führen. Auch sie stellte fest, dass das Pferd heute außergewöhnlich nervös war und selbst mit ihr drauf, ging das Führen nicht besser. Als eine Glocke läutete, sollten wir in der Reihenfolge die Jockeys auf die Rennbahn führen. Als ich den Strick weg machen wollte, schlug Bon Bon mit dem Kopf und ich bekam den Karabiner nicht auf. So mussten wir eine Extrarunde laufen und Hanna erklärte mir, was ich machen sollte. Wir brachten damit die ganze Reihenfolge durcheinander und das war vor so vielen Leuten echt peinlich. Man konnte mein Aufatmen bestimmt auf der Farm noch hören, als die Beiden endlich auf der Rennbahn waren. Sehr peinlich, wenn da so viele Leute zugucken, wie man mit einem Pferd überfordert ist.
Leider fand ich James und die Besitzerin nicht, aber stellte mich an den Zaun zum gucken. Die ganze Zeit war Bon Bon Vorletzte und ein paar Meter vor dem Ziel holte sie ordentlich auf und kam Zweite.
Nach dem Rennen müssen die ersten beiden Pferde in eine Art Anbindeplatz, es gibt Fotografen, Schleifen und alles mögliche. Ich stand mittendrin, hatte das Pferd am Strick und mal wieder keinen Plan, was ich machen sollte. Die Jockeys satteln aber die Pferde an Ort und Stelle ab und dann durfte ich mit Bon Bon gehen.
Nach dem Abduschen musste ich noch eine ganze Weile mit ihr laufen (diesmal konnte ich in den Wald, da war es kühler und hatte Platz) und dann war mein Amt als „Strapper“ erledigt.
Wir verluden Bon Bon und fuhren zurück zur Farm.
Im Auto meinte die Besitzerin, dass sie mich die ganze Zeit beobachtet hätte und ich das sehr gut gemacht habe. Sie sagte, dass Bon Bon das normalerweise nicht macht und sie kenne das gar nicht, aber ich hätte mich gut geschlagen. James sagte nicht viel und ich wusste, dass das nicht gerade eine Glanzleistung war. Die Besitzerin meinte auch, dass der Mann mit dem kickenden Schimmel total unmöglich war.
Beide waren aber sehr zufrieden mit dem Rennen.
Auf der Farm angekommen musste ich nur noch füttern und war dann fertig für den Tag. Ich war echt froh, dass ich das „überlebt“ hatte.

Strapperische Grüße
Nadine

Brauner Riese

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Bon Bon war langweilig

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Ready to go

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Da kommen sie

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Bon Bon ist die Braune mit der weißen Trense

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Sitting, waiting, wishing…

Freitag, 01.01.2015

Eigentlich hatte ich am Neujahrstag geplant auszuschlafen. Leider wurde daraus nichts. Da James` Bruder direkt von der Nachtschicht kam, musste ich um 8 auf der Farm stehen. Matt fuhr mich und mir tat er leid, weil er wegen mir so früh aufstehen musste. Weit und Breit war keine Spur von Lori. Mein Herz blieb stehen, als ich die Pferde auf dem Paddock stehen sah. Ich zweifelte eine Sekunde, ob ich vergessen hatte, sie abends rein zu stellen, aber war mir sicher, dass ich es gemacht hab. Das war sehr mysteriös. Beim Anrufen von Lori ging nur die Mailbox an. Es war schon halb 9 als wir ihn endlich erreichten. Wir würden das Decken auf den nächsten Tag verschieben, so die Aussage. Ich dachte ich spinne ! Da stehen alle extra früh auf, ich verzichte auf Toowoomba, weil er sagt er kann die Pferde nicht raus stellen und füttern und dann sagt er nicht mal, dass er nicht kommt? Da wurde ich sehr sauer. Das macht man nicht.
So machte ich alles was ich sollte und legte mich dann wieder ins Bett.

Wartende Grüße
Nadine

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New years Eve without Fireworks

Donnerstag, 31.12.2015

Der letzte Tag in 2015 fing ruhig an. Ich erledigte meine Aufgaben, aber da ich nicht reite, wenn James nicht da ist, war ich früh fertig.

Außerdem kam James` Bruder wieder um die Stute zu decken. Das war wieder ein Drama.

Vor lauter Farm habe ich (wie an Weihnachten) vergessen, dass Silvester ist. Ursprünglich war geplant, dass ich dieses in Sydney feiere, aber der Flug war von hier aus viel zu teuer und fahren wäre für einen Tag zu weit gewesen. Leider gibt es niemanden der sonst auf die Farm aufgepasst hätte, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als hier zu feiern.

Josh vom Pub fragte mich, ob ich mit nach Toowoomba komme, aber James` Bruder der die Pferde am nächsten Morgen füttern hätte sollen, hatte Nachtschicht und so konnte ich da auch nicht mit.

Um 6 abends stand Onkel Ted bei mir vor dem Container und fragte, ob ich mit zum Pub will. Das hatte ich sowieso geplant und fuhr mit ihm und Rosie dort hin. Es gab Buffet und Ted lud mich ein. Neben viel Fleisch gab es einige Salate und viele Kartoffelgerichte, sodass auch ich satt wurde. Einige Leute kamen zum Essen, aber danach leerte sich der Pub. Wir saßen draußen, aber wegen dem Regen vor einigen Tagen war es frisch. Ted und Rosie gingen bereits um 9, aber natürlich blieb ich da.

Es spielte ein sehr guter Countrysänger und er hatte auch moderne Songs im Repertoire. Eine Weile saß ich mit Matt und seinen Freunden aus dem Northern Territory an der Bar, bis sich alles wieder nach draußen verlagerte. Die Pub-Besitzerin Michelle sagte, dass es nur halb so viele Gäste wären wie die Jahre zuvor. Bis die ersten wenigen tanzten, war es schon nach 11. Irgendwann schwangen wir uns auch auf die Tanzfläche und Yvette die an diesem Abend im Pub arbeitete, durfte eine Pause machen, um mit uns Spaß zu haben. Ich lernte einige junge Leute kennen und wir hatten sehr viel Spaß. Die ganze Zeit tanzten wir und es gab junge Cowboys, die uns aufforderten.

Um Mitternacht gab es dann einen Countdown und alle fielen sich in die Arme um ein gutes neues Jahr zu wünschen. Leider ist es in Australien für Privatpersonen verboten, Feuerwerke zu zünden und so war das mein erstes Silvester (New Years Eve) ohne Raketen. Das war sehr schade.

Trotzdem war es ein sehr lustiger Abend mit netten Leuten und viel Spaß.

Was ich auch nicht wusste: der Pub machte bereits um 1 dicht. So suchten wir eine Mitfahrgelegenheit die uns zu Matt dem Cowboy fuhr.

Wir hatten dort weiterhin Spaß, tranken noch einige Getränke bis alle spät müde in die Betten fielen.

Es fühlte sich zwar nicht an wie Silvester, aber war trotzdem ein sehr gelungener Abend.

Ich wünsche euch allen ein tolles, erfolgreiches, spannendes, gesundes, aufregendes Jahr 2016. Vielen Dank für eure Treue und den Support von meinem Blog ! Ich freue mich auf das kommende Jahr und viele weitere Erlebnisse auf meiner Reise !

Das Jahr 2015 war auf jeden Fall eines der tollsten für mich bisher. So kann es weiter gehen.

Vorsätze habe ich keine, denn dazu brauche ich keinen Jahreswechsel (ich halte die Vorsätze sowieso nicht ein 😉 )

Neujahrsgrüße
Nadine

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Nadine – the new manager of a race-horse-stable

Montag, 28.12 – Mittwoch, 30.12.2015

Die Arbeit fiel trotz der Pause leicht. James bereitet einige Dinge für den Urlaub vor und Kate wies mich in den Garten von James` Eltern ein. Diese sind ebenfalls im Urlaub und der Garten den ich gießen muss ist riesig. So groß, dass Peter mir sogar eine Karte malte, sodass ich keine Blume vergesse.
Am Montag und Dienstag sollte ich mit dem 8 jährigen Sidney die Zäune neu machen. Ständig büxt nämlich ein Pferd aus, weil die Zäune schlecht sind und die Elektrik nicht funktioniert. James kann die Pferde wieder einfangen, aber ich will nicht, dass das passiert wenn er nicht da ist. So waren wir eine Weile beschäftigt, aber dafür waren die Zäune danach perfekt. Auch James` Frau Kate half mit und sie ist ein richtiger Profi. Die Kinder badeten in der Zeit in den Trinkeimern der Pferde, was ich sehr lustig fand.
Am Dienstag gingen wir zum Abschluss zum Abendessen nochmal in den Pub. Ich fuhr mit meinem Auto und blieb länger. Mit einer netten bekannten Familie von meinem Chef saß ich lange da und unterhielt mich nett. An der Bar traf ich den 21 jährigen Josh der auch eine Farm hier hat. Wir spielten Billard bis tief in die Nacht und Michelle die Besitzerin vom Pub sagte uns, dass wir dann abschließen sollen. Bei dem Spiel waren wir beide schlecht.
Kurz vor dem Aufbruch erklärte mir James schnell, was ich machen muss, wenn er nicht da ist. Ich hatt eigentlich damit gerechnet eine ausführliche Einweisung zu bekommen oder eine Liste mit Aufgaben. Statt dessen schrieb er nur „Pferde“ und „Füttern“ auf. Auf die Frage hin, was denn mit den Hühnern, dem Kakadu, dem Wellensittich, der Katze, dem Hund und den Kühen sei, erklärte er mir nur schnell wo das Futter ist und dass ein Mal am Tag füttern reicht. Das ist wieder wie alles: No worries ! Sehr lustig, dass die fast 2 Wochen in den Urlaub gehen und einem „daher gelaufenen“ Backpacker den sie gerade mal ein paar Wochen kennen quasi blind vertrauen.
Mittwoch Morgen um 9 machte sich die Familie dann auf den Weg in den Urlaub. Somit war ich allein. Das ist ganz schön viel Verantwortung und nicht gerade ungefährlich. Wenn mich ein Pferd kickt, dann findet mich keiner und es gibt nicht mal Telefonempfang, sodass ich jemanden anrufen könnte. James sagte mir aber, dass ich jeden Tag um 6 abends anrufen solle, sodass er jemanden schicken kann, falls ich mich nicht melde. Das gibt uns beiden Sicherheit. Zum Glück habe ich keine Angst allein hier, obwohl es kein Tor, keine Kameras, keinen Wachhund und keinen Handyempfang gibt. Ich will deswegen nicht so oft weg gehen, weil jeder weiß, dass die Familie im Urlaub ist. So könnte leicht jemand kommen und einfach ein Pferd mit nehmen. Ich würde mir große Vorwürfe machen, wenn was passiert. Zwar war ich mit Sophia im Mai auch allein auf Tom`s Farm für fast vier Wochen, aber dieser hatte Kameras, ein Tor, einen Wachhund und wir waren wenigstens zu zweit.
Das erste was ich checkte war, ob sie das WLAN angelassen hatten. So hätte ich wenigstens mal mit der Familie skypen können. Zu meiner Enttäuschung war dieses aber aus. Weil die Farm so weit im Nirgendwo ist, ist das WLAN limitiert und abartig teuer. Einerseits verstehe ich also, warum sie es ausgeschaltet haben, andererseits finde ich hier fast kein Internetempfang und habe so große Mühe Kontakt mit Zuhause zu halten, Facebook zu checken, usw. Außerdem ist es unmöglich meine Blogeinträge hochzuladen.
Der Bruder von James der seine Farm hier in der Nähe hat, kommt jeden Tag nach der Nachtschicht um nach dem Rechten zu sehen. Mit ihm musste ich eine Stute decken lassen, die nicht trächtig ist. Diese ist ein absoluter Horror und will nie stehen bleiben. James` Bruder musste oft laut fluchen und ich hatte fast keine Chance das Pferd zu halten. Ich bin unglaublich froh, wenn die Decksaison bald vorbei ist. Das kostet mich Nerven !
Der erste Tag allein war aber ganz ok und früh ging ich ins Bett.

Grüße vom neuen Farmmanager
Nadine

 

Spinne

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Lori und sein Pferd

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Lori und das Heu

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Kakadu Patrick

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Breakfast at the Picknick-Point and Japanese Garden

Sonntag, 27.12.2015

Eigentlich hätte ich ausschlafen können, aber meine innere Uhr ist auf Farmarbeit eingestellt. So war ich um 5 schon wach. Um 7 standen auch Lyn und Brett auf und um 8 kamen Brett`s Schwester Alyce und die Kinder.

Lyn war total nett und lud mich zum Frühstück ein. Wir gingen zum Aussichtspunkt vom Donnerstag dem „Picknick-Point“. Es war wieder regnerisch und bewölkt, aber die Aussicht war super. Das Frühstück war richtig luxuriös und schmeckte super.

Wir fuhren anschließend durch die Luxusviertel von Toowoomba und Lyn konnte die Geschichte jedes Hauses erzählen. Da waren einige Millionenhäuser dabei, die sehr beeindruckend waren. Als Abschluss meiner Toowoomba-Zeit, gingen wir in den Japanese Garden, der neben der Uni ist. Dieser ist sehr groß und wunderschön angelegt. Als wir auf dem Rückweg zum Auto waren, fing es an aus Kübeln zu gießen. Das war timing.

Leider musste ich mich dann von Lyn verabschieden. Sie war so fürsorglich und liebenswert zu mir und ich werde sie total vermissen. Sie lud mich ein, jederzeit vorbei zu kommen, wenn ich in der Nähe bin und sagte mir ich wäre ein toller Gast.

Brett und ich fuhren zum Pub. Dort warteten zwei Freundinnen von ihm auf uns. Diese waren zwei Jahre in Kanada zum Arbeiten und hatten viel zu erzählen. Auch Brett`s Bruder Jarrod kam und zwei weitere Freunde. Die anderen tranken gemütlich ein paar Bier und ich hielt mich ans Wasser. Die Freunde waren alle total nett und wir hatten einen tollen Nachmittag.

Dann hieß es für mich aber: Zeit zu gehen! Ich fahre nicht gerne, wenn es dunkel ist und außerdem regnete es immer noch. So verabschiedete ich mich von allen. Brett versprach, mich auf meiner Farm zu besuchen. Ich war ihm so dankbar, dass ich Weihnachten mit seiner Familie feiern durfte. Dieses Weihnachten werde ich so schnell nicht mehr vergessen.

Beim Rückweg waren auf den Straßen teilweise ordentliche Pfützen und ich musste echt aufpassen. Der Weg zog sich wie Kaugummi und es kamen mir auf der 2 stündigen Fahrt ganze drei Autos entgegen. Ich hatte Zeit die letzten vier Tage nochmal Revue passieren zu lassen. Dabei hatte ich ein Grinsen im Gesicht. Mein Santa-Socken, das Futter für die Rentiere, die Freundlichkeit der Familie, die Wasserrutsche in den Damm, die Wasserschlacht im Garten, die Traditionen, die Motorradfahrt, das Cricket-Spielen, die Kirche, das Lagerfeuer, das Schießen und vieles mehr. Komplett anders als Weihnachten bei Kälte zu Hause (ok, dieses Jahr war es warm, ich weiß).

Auf der Farm angekommen, empfing mich mein Chef James freundlich. Er wollte gerade die Pferde füttern. Ich sagte ihm, dass ich das übernehme und er war dankbar.

Zum Abendessen waren Onkel Ted und Tante Rosie gekommen. Rosie war bereits zwei Mal in Deutschland und erzählte viele Geschichten. Ihre Mama hatte sich in Münster die Hüfte gebrochen und war lange in Deutschland im Krankenhaus gewesen. Viele Jahre später kam Rosie zurück zu diesem Krankenhaus und schenkte der Krankenschwester, die sich gut an die Australierin erinnern konnte, Schokolade.

Von den Kindern bekam ich noch ein Weihnachtsgeschenk: Eine Kappi vom Kumbia-Pub. So trage ich zukünftig immer eine Erinnerung an meine schöne Zeit hier auf dem Kopf. Die anderen Geschenke die ich bereits am 25. aufgemacht hatte, waren eine Tasse mit dem Logo vom Stall und Apfel-Cider (alkoholisches Getränk). Über dieses war ich ein wenig besorgt. Ich glaube man muss sich Gedanken machen, wenn man von seinem Chef Alkohol zu Weihnachten bekommt. Alle sagten mir, dass das in Australien Gang und Gäbe sei und eines der beliebtesten Geschenke. Sehr lustig die Aussis !

Wir hatten einen gemütlichen Abend mit Wein und früh ging ich ins Bett.

Das war also mein Aussie-Weihnachtserlebnis wie ich es mir schöner nicht vorstellen könnte.

Selige Grüße

Nadine

 

Frühstück und Japanese Garden

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Aussie Boxing-day

Samstag, 26.12.2015

Schon um 7 geisterten Leute durchs Haus. Somit war ich mal wieder früh wach. Am sogenannten „Boxing-day“ ist es Tradition in Australien, Cricket im TV anzuschauen. So saß die ganze Meute im Wohnzimmer und verfolgte das Geschehen. Zugegebener Maßen, ist es aber nicht gerade spannend, diese Sportart im TV zu sehen. Die Leute stehen meistens nur rum, es gibt drei Kommentatoren und diese müssen über alltägliche Themen sprechen, weil es im Spiel einfach nicht vorwärts geht. Nach 10 min. verließ somit schon die Hälfte ihre Plätze. Alle fragten mich, ob ich es denn interessant finden würde. Nach ca. einer Stunde gab ich mich dann auch „geschlagen“ und wechselte nach draußen. Dort gab es bereits Frühstück. Es wurden Würstchen und Speck gegrillt und ich aß Toast und Cornflakes.
Wir verbrachten wieder einen tollen Morgen im Garten, spielten alles Mögliche, wie Frisbee und hatten super viel Spaß.
Gefühlte 10 min. nach dem Frühstück gab es schon wieder Mittagessen. Die Reste vom Vortag mussten weg. So aß ich das dritte Mal hintereinander Salat, aber der schmeckte immer noch gut. Danach kam Brett`s Schwester Alyce mit ihren drei Kindern und es gab für alle Kleinen schon das dritte Mal Bescherung. Ganz traditionell hatte es einen Weihnachtskuchen den die 83 jährige Oma und Uroma Esme anschnitt. Als diese eine Rede hielt und erzählte wie glücklich sie mit dieser Familie ist und wie sehr sie alle liebt und sich nichts schöneres vorstellen könnte, flossen bei ihr die Tränen und es blieb kein Auge im Raum trocken. Das war ein sehr berührender Moment. In der Tat ist die Familie sehr toll. Obwohl seit 2 Tagen alle auf engem Raum sind, gibt es nie Zickereien oder sonstiges. Alle gehen so toll miteinander um, jeder ist Willkommen, alle helfen und auch ich werde behandelt, als gehöre ich schon immer dazu. Das ist was sehr tolles und für mich eine große Ehre Weihnachten in dieser Familie feiern zu dürfen. Besser hätte es mir nicht passieren können.
Der 24 Jahre alte, somit älteste Sohn von Judy zeigte uns seine Farm. Mit dem Auto waren wir in 20 min. da. Diese ist auch eine Cotton-Farm und ebenfalls riesig. Es gibt ein großes Haus, eine große Werkstatt und sogar einen Tennisplatz. Wir fuhren mit dem Ute über die Matschfelder und blieben ein paar Mal fast stecken. Die Kulisse sah bei perfektem Wetter traumhaft aus. Es ist richtig faszinierend wie viele Leute Land in Australien haben. Erstens ist das hier billiger als Zuhause und viele Kinder werden bereits in Farmerfamilien geboren. Da es keine Müllabfuhr gibt, fuhren wir zur Müllhalde um den Abfall abzuladen. Dort stank es bestialisch, hatte viele Wildkatzen und einige interessante Sachen. So fand sich auch ein Auto im Müllberg. Danach fuhren wir zum Friedhof. Der Opa der Kinder ist vor einigen Jahren mit nur 65 gestorben und seither war keines der Kinder mehr am Grab. Brett erzählte mir, dass der Opa ein Workaholic war und bei einem tragischen Farmunfall gestorben ist. Die Geschichte war sehr traurig und er war ein hoch angesehener Mann. Auf dem Friedhof gab es nur sehr kleine Gräber, keinen Zaun und überall nur Kunstblumen.
Als wir zurück waren, fragten die Jungs mich, ob ich mit ihnen zum Fluss will. Hört sich gut an, dachte ich! Als wir mit dem Ute unterwegs waren wusste ich aber nicht, warum die Jungs diesen Ausflug machen wollten. Diese wussten nicht, dass ich Vegetarierin bin und ich wusste nicht, dass Chris und Lachlan jagen gehen wollen. So hielten wir ständig an, wenn wir Kängurus sahen und Lachlan schoss. Ich schloss die Augen und hob die Ohren zu und freute mich jedes Mal wenn er sagte, er habe nicht getroffen. Die müssen die armen Tiere schießen, weil es zu viele sind, sie die Felder zerstören und viele Autounfälle verursachen. Die toten Tiere werden dann an Ort und Stelle liegen gelassen und sind Futter für die Dingos (Wildhunde). Auch Wildschweine wollten sie schießen, aber fanden (zum Glück) keine. Ich saß auf der Ladefläche vom Ute und sollte jedes Känguru melden. Natürlich machte ich das nicht. So blieb die Jagt an diesem Tag komplett erfolglos – puuuh!
Unterwegs holte uns Cameron mit seinem Dirt-Bike ein. Als Motorradfahrerin ließ ich es mir selbstverständlich nicht entgehen, auf eine Fahrt mit zu kommen. Leider durfte ich nicht selbst fahren, aber mit gefühlten 200 rasten wir über Stock und Stein. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass der 21 Jahre alte Cameron länger Motorrad fährt als er läuft, hätte ich mir vermutlich in die Hose gemacht, aber so genoss ich den Fahrtwind. Wir fuhren komplett einmal um die Baumwollfarm und diese ist gigantisch groß. An dieser Stelle sollte ich vielleicht verschweigen, dass wir nicht mal Helme auf hatten. Ich wusste bis dahin nicht, dass Baumwolle eine Blume ist. Cameron erklärte und zeigte mir viel und ich lernte einiges. Auch die Bewässerungsmaschine ist total genial. Diese wird automatisch per Satellit gesteuert und fährt selbstständig über die Felder. Dieser Spaß kostet 30.000$. Es gibt überall Graben und dort laufen Gummischläuche raus. Wenn es trocken ist, fließt das Wasser in die Baumwollfelder und wenn genug Wasser da ist, fließt es einfach wieder zurück. Vor 3 Tagen gab es einen sehr schlimmen Sturm mit Gewitter. Dieses zerstörte große Teile der Ernte und außerdem haben die meisten Farmen seit Wochen keinen Strom. Es sieht teilweise sehr verwüstet aus. Gut, dass Judys Farm Strom hat.
Cameron fuhr sogar mit mir den Damm hoch und dieser ist total steil. Da rutsche mir das Herz in die Hose, aber ich strahlte. Als wir gerade auf dem Rückweg waren dachte er, ich hätte in angespuckt. Dabei fing es an zu regnen. Noch schneller ging es nach einer halben Stunde zurück zum Haus.
Wir waren nicht darauf vorbereitet, aber als wir noch nicht mal zum Gartentor drin waren, bekamen wir einige Kübel Wasser über uns geschüttet. Bis auf die Schuhe war ich nass. Der Garten hatte sich in eine Wasserschlacht verwandelt und jeder war pudelnass. Das Genialste: Auch die 83 jährige Oma Esme war mittendrin und machte alle nass. Die ganze Familie hatte Spaß sich gegenseitig zu tränken und es wurden alle möglichen Dinge benutzt. Ich hatte einen Hundenapf, es gab Wasserpistolen, große Eimer und Wasserschläuche. Wir hatten so mega viel Spaß und es gab (mal wieder) total viel zu lachen. Ich hatte zwar kein paar trockene Schuhe, aber barfuß gings auch.
Leider mussten wir uns dann verabschieden. Die Verabschiedung war genau so herzlich wie die Zeit hier. Alle wünschten mir eine gute Zeit und bedankten sich, dass ich da war.
Wieder bei Lyn Zuhause angekommen, duschten wir kurz und dann gings zu Bretts Dad. Dieser wohnt auch in Toowomba. Dort waren Bretts Schwestern Renae, Alyce, die Männer und die Kinder.
Da die Kinder jetzt ja noch nicht genug Bescherung hatten, gab es diese nun zum vierten Mal. Es gab einige Tränen, weil Santa nicht das richtige brachte und somit vorwurfsvolle Blicke der Eltern.
Brett`s Papa Geoff pflanzt in seinem Garten unendlich viel Obst und Gemüse an und zeigte uns alles. Ich fand ein paar Maiskolben und legte diese auf den Grill. Zu Essen gab es – wer errät`s Fleisch und Salat. Die Maiskolben waren sehr gut.
Eine Weile saßen wir bei Bier gemütlich zusammen, redeten, guckten Cricket und machten uns dann auf den Rückweg zu Brett`s Mama Lyn. Diese begrüßte uns freundlich und hatte in der Zwischenzeit meine nassen Klamotten gewaschen. Wir guckten noch Herr der Ringe im TV an und dann ging ich müde und zufrieden ins Bett.
Somit ging ein weiterer, toller, erlebnisreicher zweiter Weihnachtsfeiertag, Boxing-Day zu Ende. Ich bin jetzt schon traurig die Familie morgen verlassen zu müssen.

Wasserschlachtige Grüße
Nadine

 

Garten

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Farm von Judys ältestem Sohn

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Müllhalde

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Garten

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Welpe Honey

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Schießen

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Man beachte die Plätzchen

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Raubtierfütterung

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Weihnachtskuchen

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Oma Esme und alle Enkel und Urenkel

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Wasserschlacht und Baby Charlie

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Abends bei Brett`s Dad

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In Australien gibt es immer BierIMG_4307 (FILEminimizer)