Best day since I don’t know

Donnerstag, 17.12.2015

Der Tag fing schon richtig gut an. Es war zwar den ganzen Tag bewölkt, aber wenigstens war es ein bisschen kühler und so ließ es sich besser arbeiten. Der Morgen ging schnell rum. Eigentlich musste ich in Summe mehr machen, als wenn ich einen ganzen Tag am Stück frei gehabt hätte, aber ich fand es total fair, dass mein Chef mich jeweils einen halben Tag frei nehmen hat lassen und es war nicht schlimm.
Als James sagte es wären zwei Pakete für mich gekommen dachte ich, er verwechselt was. Pakete ? Für mich ? Ich erwarte doch gar nichts ! Meine Freude beim Öffnen war unbeschreiblich ! Das eine Paket war von Papa, Anja, Marcel, Ayla, Gudrun und Stefan(ie). Es waren total viele tolle Sachen wie Schokolade (ganz viel), ein rosa Kulturbeutel und Dinge die hier teuer sind, wie Zahnpasta, Deo, Parfüm, usw. Außerdem zwei richtig süße Karten, bei denen mir beim Lesen die Tränen in den Augen standen. Das andere Paket war von meiner Oma und meiner Tante Sandra. Jedes Geschenk war einzeln verpackt und ich hatte beim Aufpacken von jedem ein dickes Grinsen im Gesicht. Mein Chef sagte mir ich sei verwöhnt 😀 In diesem fanden sich neben vielen Leckereien ein Windlicht und ein total schöner Kalender mit Bilder von der Familie. So hab ich jeden Monat ein Bild von Zuhause. Das ist total schön und ich hab mich den ganzen Tag über die Pakete gefreut. Vielen vielen Dank euch allen !
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Schon früh hatte ich dann Feierabend und machte mich auf den Weg zur Farm von Matt. Dieser arbeitete gerade ein junges Pferd im Roundpen. Er reitet viele Pferde für Kunden ein und auf dieser Stute saß er noch nie drauf. Es war absolut faszinierend wie er mit ihr gearbeitet hat. Seinen Grundsatz hat er vom berühmten „Pferdeflüsterer“ Monti Roberts übernommen und es so verändert, dass es gut auf seine Pferde passt. Zum Loben hat er einen Stock mit einer Plastiktüte dran und immer wenn die Stute was richtig macht, wird ihr damit über den Kopf und den Körper gestrichen.

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Zuerst werden die jungen Tiere eine Weile im Kreis am langen Strick laufen gelassen. Dann bindet Matt ein Seil um den Pferdebauch und zieht es ein paar Mal während dem Laufen fest an. Sobald sie anfangen zu bocken, schickt er die Pferde vorwärts und wenn sie aufhören, lockert er das Seil. So sollen die Pferde lernen, dass sie belohnt werden, wenn sie nicht bocken und Ziel ist, dass kein Pferd bockt, wenn es das erste Mal geritten wird.

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Danach kommt der Sattel drauf und da die Pferde das nicht kennen, machen sie natürlich erst mal Rodeo, um das Ding los zu werden. Wenn sie sich daran gewöhnt haben, wird ein Seil am Steigbügel festgebunden, sodass Matt diesen während das Pferd läuft hochwerfen kann. Das soll die Pferde desensibilisieren, sodass sie beim Reiten nicht erschrecken, wenn der Steigbügel mal gegen ihren Bauch kommt.

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Das ist dann schon so viel Denkarbeit für die Vierbeiner, dass sie erst mal ausgelastet sind. Dann kommt das Interessanteste. Das sogenannte „Join up“. Das Pferd soll von sich aus her kommen. Matt schickt die Stute immer wieder weg und dreht sich mit dem Rücken zu ihr. Das macht er so lange, bis das Pferd von alleine her kommt. Dafür wird es wieder ausgiebig gelobt. Dass die Stute dieses Prinzip verstanden hat sieht man daran, dass sie kaut und den Kopf entspannt hängen lässt. Matts Methode weicht von Monti Roberts Methode in so fern ab, dass er nicht will, dass ihm die Pferde hinterher laufen. Er will viel mehr, dass die Pferde ihren Hintern nach außen drehen und lernen, ihn an der Bande zu lassen und nur mit den Kopf nach Innen kommen. Auf der linken Seite war das gut, aber auf der rechten Seite dauerte es eine Weile bis das junge Tier dieses Prinzip verstanden hatte. Man sah schon sehr deutlich, wie die Stute Matt vertraut und ihm immer „zuhört“.

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Matt schüttelte ein paar Mal die Steigbügel von beiden Seiten aus, schwang ein Seil um das Pferd und über den Sattel und stieg dann auf. Erst nur mit einem Fuß in den Bügel, dann gleich wieder raus, dann über das Pferd legen, dann drauf sitzen und gleich wieder runter und dann drauf bleiben. Obwohl die Stute das erste Mal einen Reiter auf ihrem Rücken hatte, stand sie total gelassen da. Und das nur mit einem Knotenhalfter und ohne, dass sie jemand fest hielt.
Diese ganze Methode dauert zwar etwas länger, aber man kann fast sicher sagen, dass die Pferde dem Reiter vertrauen und deswegen auch nicht bocken, weil sie bereits an vieles gewöhnt werden. Die einfachere Methode die in Deutschland viel verbreitet ist, ist zwar schneller, aber schafft weniger Vertrauen. Die Pferde werden oft so lange longiert bis sie ausgelastet sind, und dann steigt der Reiter langsam auf. Die Pferde bleiben erst mal eine Weile an der Longe, sodass sie nicht durchgehen können und wenn sie bocken, werden sie mit der Peitsche weiter getrieben.
Matt kann gleich auf seine Pferde drauf sitzen, wenn das „Join up“ funktioniert, braucht keine Hilfe und hat nie eine Peitsche. Er reitet sogar alle Jungen nur mit einem Knotenhalfter. Ich fand das total faszinierend und hatte teilweise echt Gänsehaut. Die Sprache der Pferde zu verstehen ist echt eine Kunst und es braucht viele Jahre dies zu lernen. Leider nimmt Matt keine Arbeiter, sonst wäre es für mich sehr gut gewesen eine Weile auf der Farm zu bleiben und die Grundlagen zu lernen.
Die jungen Pferde sind hier jeden Tag eine Weile an Bäumen angebunden, dass sie lernen, nicht zurück zu rennen, wenn sie angebunden sind.
Matt und ich holten dann 5 Pferde von der Koppel. Diese ist gigantisch groß und die Pferde waren sehr weit weg. So war es eine gute Wanderung um sie zu holen. Außerdem würde ich das Zuhause nicht machen, aber ich hatte zwei junge Pferde in der Hand und wir mussten durch einen kleinen Fluss. Es war rutschig und matschig und das ist sehr gefährlich. Als ich sprang, erschraken die Pferde und rannten beide zurück. Zum Glück waren die Stricke lang genug. Matt lachte mich nur aus. Hier ist das normal, dass man 3 junge Pferde gleichzeitig führt und so abenteuerliche Sachen macht.
Das Highlight des Tages war definitiv die Arbeit mit den Kühen. Zuerst ritt Matt ein Pferd und Ashley die ihre Pferde auch auf der Farm hat, zeigte mir wie „Cutting“ (schneiden) geht. Bei dieser Sparte des Westernreitens stehen einige Kühe in der Mitte des Reitplatzes. Man muss eine Kuh von der Herde „abschneiden“ (cutten) und diese möglichst lange mit Hilfe des Pferdes von der Herde weg halten. Die Pferde sind darauf trainiert die Kühe zu „lesen“ und wissen genau, wo sie hin müssen.
Damit hätte ich nicht gerechnet, aber ich durfte die hübsche Stute „Georgy“ reiten und das selbst ausprobieren. Ausgerechnet da kamen einige Kunden von Matt mit ihren Pferden die Unterricht bei ihm nehmen. So hatte ich total viele Zaungäste. Ich hatte gerade Mal ein paar Minuten zugeschaut und wusste nicht mal richtig, was ich machen sollte. Das war mir ein bisschen unangenehm das vor so vielen Profis das erste Mal zu machen, zumal Matt einer der besten im Umkreis ist.
Das Quarter-Horse ist aber sehr erfahren und wusste genau was zu tun war. Mit einer Hand sollte ich die Zügel und mit der anderen das Horn am Sattel halten. Georgy spielte richtig mit der Kuh und sprang sehr schnell hin und her. Da muss man als Reiter ein sehr gutes Gleichgewicht haben um nicht neben dem Pferd zu sitzen, wenn es plötzlich eine 180-Grad-Drehung macht. Wenn die Kuh rennt, geht’s im Renngalopp nebenher. Matt gab mir einige Anweisungen. Das Pferd muss immer parallel zur Kuh sein, als ob sie das Spiegelbild wäre. Da man nie weiß, wohin die Kuh rennt, ist das sehr tricky. Aus dem Renngalopp dreht das Pferd dann teilweise sehr schnell um der Kuh zu folgen. Das hat so viel Spaß gemacht und ist ein genialer Sport. Auf den Turnieren müssen die Reiter lange Zügel haben und das Pferd alles allein machen lassen. Das ist jahrelange Arbeit, bis man die Pferde soweit hat. Cutting wäre definitiv ein Sport für mich und ist total cool.

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Dann gab mir Ashley einen Cider (alkoholisches Getränk) in die Hand, als ich noch am trocken reiten war. Das gibt’s auch nur in Australien, dass man auf dem Pferd trinkt. Auch die anderen saßen alle mit Bier in der Hand auf dem Pferd. Typisch Aussies halt 😀
Matt und seine Kunden ritten noch einige Pferde und so konnte ich sehen, wie die Profis das machen. Das war sehr interessant und sah fast so gut aus wie bei Georgy und mir (*räusper*). Ich sollte alle Pferde der Kunden abduschen und ihnen Wasser geben.

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Es wurde schon dunkel als wir Heu fütterten. Nach dem Duschen ging ich mit Ashley, Matt und zwei Kunden von ihm in den Pub. Wie immer dort hatten wir einen total coolen Abend mit Dart und einigen interessanten Getränkemischungen von der Wirtin Michelle. Nach ein paar Runden Billard bei Matt, ging ich viel zu spät ins Bett.

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Das war ein gigantischer, erlebnisreicher Tag den ich so schnell nicht vergessen werde.

Cuttinggrüße
Nadine

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