Holy Night – but not in Australia

Donnerstag, 24.12.2015 (Heilig Abend – aber nur in Europa)

Mein Chef war sehr nett und ich musste nur das übliche machen. Die Pferde kamen alle in die Führanlage.
Ich war langsam mit Packen und Richten, aber kam trotzdem um 10 schon los.
Zu meiner Überraschung bekam ich Geschenke von meinem Chef und seiner Familie. Ich darf sie aber erst am 25. aufmachen 😉 das fand ich eine total tolle Geste !
James malte mir eine Karte mit dem schnellsten Weg nach Toowoomba auf. Dies war die schnellste Route. Es regnete wie aus Kübeln, mir kamen fast keine Autos entgegen und die Straße war schmal. Außerdem glich die Strecke einem Vogelfriedhof. So viele tote Vögel hab ich noch nie gesehen. Ohne dass ich was dafür konnte ist mir einer von oben aufs Auto geflogen, aber es hat ihn nicht wirklich erwischt. Die Strecke führte zwischen Feldern durch und alles war total schön grün.
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Nach 2 Stunden kam ich im wunderschönen Luxus-Wohngebiet in Toowoomba an. Das Haus ist riesig und der englische Rasen sehr gepflegt.
Letztes Jahr habe ich Silvester in Las Vegas gefeiert. Dort habe ich den Australier „Brett“ kennen gelernt. Ich kannte ihn noch nicht mal 5 Minuten da hat er mich eingeladen Weihnachten dieses Jahr mit seiner Familie zu feiern. Er meinte er will nicht, dass ich allein feiern muss. Ich bin zwar die Art von Mensch die Versprechen einhält und sagte gleich zu, aber man weiß ja nie was ein Jahr später ist. Brett ist 27 und arbeitet in San Francisco. Und siehe da: ein Jahr später sind wir immer noch im regelmäßigen Kontakt und ich bin dabei an seiner Türe zu klingeln. Da ist Australien größer als Europa und seine Familie wohnt ums Eck von meiner Farm. Total geschickt !
Brett und seine Mutter Lyn empfingen mich mit einer sehr herzlichen Umarmung. Bretts Schwester und ihr 6 Monate altes Baby waren auch da. Wir unterhielten uns sehr lange und alle sind unbeschreiblich herzlich. Lyn bedankte sich sogar, dass ich Weihnachten mit ihnen feiere. Eigentlich muss ich mich doch bedanken 😀 Ich sollte auf dem frisch gemähten, englischen Rasen parken und fragte 100 Mal, ob ich den schönen Rasen wirklich kaputt machen soll.
Bei strömendem Regen und nicht mal 20 Grad machten wir uns mit dem Auto auf zur Sightseeing-Tour. Ich sah den Picknick-Point (toller Aussichtspunkt)

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Bisschen weit nach Hause 😀

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, wir besuchten Bretts Bruder Jarrod im Pub beim Arbeiten und tranken ein Bier und sahen Bretts Schule, frühere Arbeit usw. Toowoomba ist echt schön.
Nachdem das Auto bis oben hin vollgepackt war, fuhren Lyn, Brett und ich zur Kirche. Ok, Kirche ist eigentlich das falsche Wort. Es sah vielmehr aus wie ein gigantischer Konzertsaal mit Discokugel und grandiosem Soundsystem. Es gab sogar Parkplatzeinweiser. Die 1500 Sitze der Hume Ridge Church of Christ waren alle belegt. Unbeschreiblich ! Es war alles andere als ein gewöhnlicher Gottesdienst.
Eine total gute Band spielte ein gutes Lied nach dem anderen und auf der überdimensionalen LED-Leinwand waren die Texte zum Mitsingen. Auch einige junge Talente waren dabei und spielten E-Gitarre und Bass. Ich kannte die Lieder nur in deutsch und „Stille Nacht“ hört sich auf englisch sehr lustig an.
Dann kam plötzlich Captain-Jack-Sparrow zur passenden Musik eingelaufen und außerdem einige bekannte Gesichter von Star-Wars. In dem Anspiel ging es darum, dass Gott der Anker ist, weil der Pirat seinen verloren hatte. Danach gab es die Weihnachtsgeschichte total schön verfilmt auf Leinwand. Das Highlight war definitiv die Befragung der Kinder. Diese (im Alter von 4-10) wurden typische Fragen gefragt, z.B. warum Jesus in einem Stall geboren wurde, was die Geschenke der Könige waren, usw. Die Antworten waren grandios und alle mussten laut lachen. Daraus komponierten zwei Männer der Kirche dann ein Lied und die Band sang es live. Der Song war total gut und ich hatte Tränen in den Augen vor Lachen. So bekam Jesus eine Star-Wars Figur als Geschenk, die drei Könige ritten auf Schafen, Jesus wurde im Stall geboren, weil alle 5-Sterne Hotels ausgebucht waren, Christmas steht für: Christ – Man A Saviour und vieles mehr. Der Pfarrer sendete seine Weihnachtsgrüße auf die Leinwand vor seinem Weihnachtsbaum zu Hause und sagte man solle nicht zu viel essen. Der war total lustig.
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Ein Mann las eine berührende Geschichte vor. Dort ging es um eine junge Frau die Krebs hatte und dem Tod nahe war. Ihr letzter Wunsch war, Weihnachten zu Hause zu verbringen, falls sie bis dahin noch leben sollte. Der Arzt stimmte zu, aber wusste, dass sie das nicht überleben würde. Trotzdem war sie an Weihnachten noch am Leben und durfte für diesen Tag nach Hause. Danach ging es ihr jeden Tag schlechter und alle Behandlungsmethoden blieben ohne Erfolg. Obwohl sie nichts aß, musste sie immer spucken. Der Arzt fand heraus, dass sie schwanger war. Plötzlich ging es ihr von Tag zu Tag besser. Was die Ärzte an ihre Grenzen gebracht hatte, hatte der Embryo geschafft: Die Frau zu heilen. Als das Baby geboren wurde war die Frau wieder komplett gesund. Diese Geschichte ist von Amerika und von dem behandelnden Arzt aufgeschrieben worden. Das ist ein wahres Wunder und echt unglaublich.
Ein anderer Mann beschrieb den typischen Weihnachtstag bei über 30 Grad, Cricket im Garten und Grillen.
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Nach dem Gottesdienst konnte man gegen eine freiwillige Spende Melonen mitnehmen. Diese Kirche war echt total außergewöhnlich und etwas das ich noch nie gesehen habe. Wenn es das in Deutschland geben würde, wäre ich bestimmt jede Woche in der Kirche. Lyn, die keinen Gottesdienst verpasst meinte, dass es immer so modern dort ist.
Im Regen fuhren wir zu Bretts Schwester Renae und ihrem Mann Chris die auch in Toowoomba wohnen. Die beiden haben zwei kleine Kinder die uns nett empfingen. Es gab selbst gemachte Pizza und Bier.
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In Australien wird Weihnachten erst am 25. gefeiert und so war es nur ein gemütliches Zusammensein. Chris` Papa aus England (David) war auch da. Auch Bretts Bruder und seine Freundin kamen. Nach dem Essen saßen wir alle vor dem TV und guckten ein total schönes Weihnachtskonzert. Das wurde live von Melbourne übertragen. Dort waren viele berühmte Stars und es war super gemacht.

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In Australien ist es Tradition, Futter für die Rentiere raus zu bringen. Die 6 Santa-Rentiere haben sogar offiziell Namen. So streuten wir Haferflocken mit Glitzer im Garten aus und legten Karotten auf den Gehweg. Das finde ich eine total süße Tradition. Das Essen für Santa-Claus wird im Haus hin gestellt.
Die ganze Familie ist super nett. So bot mir Renae gleich an, ihr WLAN zu benutzen. Das ist ein echter Luxus. So konnte ich nach Monaten mal wieder mit der Familie skypen. In Deutschland war es noch morgens. Das war schön und ich konnte sehen, dass es allen gut geht. Danach fragte mich Lyn, ob ich jetzt weine und arg Heimweh habe, aber durch Skype fühlte ich mich als wäre ich Zuhause und Bretts Familie war ein sehr guter Ausgleich. Ich lachte nur. Auch die ganze Familie von Brett wollte meiner Familie mal hallo sagen. Das war lustig, weil von meiner Familie fast keiner englisch kann. So musste ich alles übersetzen.
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Dann schlugen wir unser Matratzenlager auf und das ganze Haus wurde zum Schlafsaal. Ich schlief alleine im Ess-, und die anderen im Wohnzimmer. Als die anderen schon lange schliefen, stand ich im Garten und skypte im Dunkeln mit meiner Mama, Uli, meiner Schwester Jolina und meinem Bruder Luca bis tief in die Nacht. Das war sehr schön und die Kinder konnten kaum die Bescherung abwarten.
So hatte ich einen total schönen Heilig Abend und freute mich schon auf die kommenden Tage.

Frohe Weihnachten nach Deutschland
Nadine

Christmas? When is that? What – tomorrow??

Freitag, 18.12. – Mittwoch, 23.12.2015

Eigentlich ist in diesen Tagen vor Weihnachten nicht viel passiert.

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Wir waren an einem Abend im Pub essen, aber diesmal bin ich danach mit der Familie wieder heim und nicht da geblieben.
Der älteste Sohn von meinem Chef wurde 10 und ich hab es erst einen Tag vorher mit bekommen. Ich hatte keine Chance noch was zu kaufen. So fuhr ich zur Tankstelle hier, aber die hatten nicht mal Geburtstagskarten. Also schrieb ich meine Glückwünsche auf eine Weihnachtskarte und schrieb, dass ich hoffe, dass es trotzdem zählt. Dazu machte ich einen Gutschein für einen Ausflug mit allen drei Kindern. Das gefiel Percy und er war glücklich. Abends gab es Dominos-Pizza und australischen Nachtisch und ein paar Verwandte waren da. Am Tag davor und danach war Kindergeburtstag, wobei alle Kinder im Garten spielten. So feierte Percy drei Tage lang Geburtstag 😀
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Am Sonntag gab es ein Grillen von der Kirche aus. Der lustige Onkel der Kinder „Ted“ stand plötzlich mit seinem Auto vor meinem Container um mich abzuholen, weil die Familie schon davor los ist. Auf dem Weg bekam Ted einen Steinschlag in die Scheibe, das war sehr ärgerlich.
Vor der Kirche halfen die Kinder und ich beim herrichten der Stühle usw.
Der Gottesdienst war sehr schön. Zu Beginn spielte eine ältere Frau auf einem Klavier. Es war kurzweilig und gab keine lange Predigt. In der katholischen Kirche ist alles lila und es ist sehr einfach gehalten. Außerdem hatte es einige Ventilatoren an der Decke. Der afrikanische Pfarrer war sehr lustig. Er erzählte von einem Gewinnspiel bei dem er eine 300$ teure Flasche Champagner bekommen hatte. Diese hatte er zurück gegeben, weil das zu schade zum Trinken ist. Die drei anderen Leute die den selben Champagner danach gewonnen hatten, hatten ihn ebenfalls zurück gegeben. Der fünften Person sagte der Pfarrer dann, sie müsse den Champagner behalten. Die Frau tat das dann endlich. Warum er die Geschichte erzählt hatte, war mir nicht ersichtlich, aber sie sorgte für Gelächter und Applaus.
In der Kirche bekamen alle Kinder jeweils einzeln schöne Bücher geschenkt, die der Pfarrer überreichte. Es gab es ein Abendmahl mit Saft und Oblaten. Alle gingen vor, aber ich blieb an meinem Platz. Einige Kinder zündeten Kerzen an. Die Kirche hatte vor einigen Wochen ein neues Soundsystem bekommen und über das Mikrofon ließen James` Eltern einige Psalmen vor. Die kleine Kirche war komplett voll und es hatte viele Kinder. Auch einige Lieder wurden gesungen die ich aber nicht kannte.
Nach dem eineinhalb stündigen Gottesdienst beim Grillen redete der lustige Pfarrer eine Weile mit mir. Er fragte, ob ich Glühwein vermisse und sagte er liebt es. Der „Father“ war schon einige Male in Deutschland und mag die Weihnachtsmärkte total gerne.
Das Grillen war sehr schön. Die ganze Gemeinde saß zusammen und ich hatte nette Gespräche. Es gab Würstchen, aber ich hatte eine große Auswahl an Salaten. Außerdem war viel Nachtisch da.

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Bis spät Abends waren wir da und danach war ich noch eine Weile im Pub. Mit Yvette und Chris spielten wir noch einige Runden Billard bei Matt. Wieder kam ich erst spät ins Bett.
An einem Tag war der Tierarzt da. Er machte Ultraschall bei drei Stuten und zum Glück waren alle trächtig. Der Tierarzt bezog mich wieder mit ein und sagte ich kann gerne Bilder vom Ultraschall machen. Eine Stute hatte einen großen Abszess an der Brust und er musste es richtig ausdrücken. Außerdem hing ein riesiger Hautlappen von ihrem Bein weg, welchen er mit der Schere abschnitt. Vor einem halben Jahr, wäre ich da noch umgekippt, aber mittlerweile bin ich abgehärtet. Das Blut spritze nur so durch die Gegend. Sorry an alle die gerade am Essen sind 😉 Es war sehr interessant das alles zu sehen, aber schön war der Anblick nicht.

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Ich musste wieder einiges Unkraut sprühen, aber das macht Spaß. Vor allem, wenn es 2 Wochen später verschwindet.
An einem Abend guckte ich eine sehr komische TV-Sendung. In „Married to the moonies“ werden in einem großen Raum gleichzeitig 5.000 Leute verheiratet. Diese kennen ihre Partner vorher nicht. Das war sehr verrückt.

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Sehr peinlich, aber typisch für mich: Vor lauter Arbeit habe ich fast Weihnachten vergessen. Am 23. fragte mich mein Chef, wann ich denn gehen will und ich guckte ihn verwundert an. So musste ich ein Tag bevor ich ging noch nach Kingaroy fahren und die restlichen Geschenke kaufen. Die für meinen Chef, seine Frau und die Kinder hatte ich schon. Gut, dass der Weihnachtsstress in den Läden schon vorbei war und ich fast die Einzige dort war. So tigerte ich ewig durch den Laden und überlegte fieberhaft was ich kaufen sollte. Hat von euch schon mal jemand Geschenke für Leute gekauft die er nicht kennt ? Das ist gar nicht so einfach ! Jedenfalls war ich glücklich als ich alles hatte. Irgendwie dachte ich ja, ich kann dieses Jahr mal dem Weihnachtsstress „entfliehen“, aber damit war’s wohl nix. Weihnachtsstimmung kommt aber noch überhaupt keine auf. Es kommt keine Weihnachtsmusik im Radio, es ist nicht kalt und Weihnachtsmärkte gibt’s hier auch nicht. Letztes Jahr war ich über Weihnachten in Amerika, aber dort merkt man deutlich, wenn Weihnachten ist.

Nicht-weihnachtliche Grüße
Nadine

Best day since I don’t know

Donnerstag, 17.12.2015

Der Tag fing schon richtig gut an. Es war zwar den ganzen Tag bewölkt, aber wenigstens war es ein bisschen kühler und so ließ es sich besser arbeiten. Der Morgen ging schnell rum. Eigentlich musste ich in Summe mehr machen, als wenn ich einen ganzen Tag am Stück frei gehabt hätte, aber ich fand es total fair, dass mein Chef mich jeweils einen halben Tag frei nehmen hat lassen und es war nicht schlimm.
Als James sagte es wären zwei Pakete für mich gekommen dachte ich, er verwechselt was. Pakete ? Für mich ? Ich erwarte doch gar nichts ! Meine Freude beim Öffnen war unbeschreiblich ! Das eine Paket war von Papa, Anja, Marcel, Ayla, Gudrun und Stefan(ie). Es waren total viele tolle Sachen wie Schokolade (ganz viel), ein rosa Kulturbeutel und Dinge die hier teuer sind, wie Zahnpasta, Deo, Parfüm, usw. Außerdem zwei richtig süße Karten, bei denen mir beim Lesen die Tränen in den Augen standen. Das andere Paket war von meiner Oma und meiner Tante Sandra. Jedes Geschenk war einzeln verpackt und ich hatte beim Aufpacken von jedem ein dickes Grinsen im Gesicht. Mein Chef sagte mir ich sei verwöhnt 😀 In diesem fanden sich neben vielen Leckereien ein Windlicht und ein total schöner Kalender mit Bilder von der Familie. So hab ich jeden Monat ein Bild von Zuhause. Das ist total schön und ich hab mich den ganzen Tag über die Pakete gefreut. Vielen vielen Dank euch allen !
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Schon früh hatte ich dann Feierabend und machte mich auf den Weg zur Farm von Matt. Dieser arbeitete gerade ein junges Pferd im Roundpen. Er reitet viele Pferde für Kunden ein und auf dieser Stute saß er noch nie drauf. Es war absolut faszinierend wie er mit ihr gearbeitet hat. Seinen Grundsatz hat er vom berühmten „Pferdeflüsterer“ Monti Roberts übernommen und es so verändert, dass es gut auf seine Pferde passt. Zum Loben hat er einen Stock mit einer Plastiktüte dran und immer wenn die Stute was richtig macht, wird ihr damit über den Kopf und den Körper gestrichen.

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Zuerst werden die jungen Tiere eine Weile im Kreis am langen Strick laufen gelassen. Dann bindet Matt ein Seil um den Pferdebauch und zieht es ein paar Mal während dem Laufen fest an. Sobald sie anfangen zu bocken, schickt er die Pferde vorwärts und wenn sie aufhören, lockert er das Seil. So sollen die Pferde lernen, dass sie belohnt werden, wenn sie nicht bocken und Ziel ist, dass kein Pferd bockt, wenn es das erste Mal geritten wird.

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Danach kommt der Sattel drauf und da die Pferde das nicht kennen, machen sie natürlich erst mal Rodeo, um das Ding los zu werden. Wenn sie sich daran gewöhnt haben, wird ein Seil am Steigbügel festgebunden, sodass Matt diesen während das Pferd läuft hochwerfen kann. Das soll die Pferde desensibilisieren, sodass sie beim Reiten nicht erschrecken, wenn der Steigbügel mal gegen ihren Bauch kommt.

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Das ist dann schon so viel Denkarbeit für die Vierbeiner, dass sie erst mal ausgelastet sind. Dann kommt das Interessanteste. Das sogenannte „Join up“. Das Pferd soll von sich aus her kommen. Matt schickt die Stute immer wieder weg und dreht sich mit dem Rücken zu ihr. Das macht er so lange, bis das Pferd von alleine her kommt. Dafür wird es wieder ausgiebig gelobt. Dass die Stute dieses Prinzip verstanden hat sieht man daran, dass sie kaut und den Kopf entspannt hängen lässt. Matts Methode weicht von Monti Roberts Methode in so fern ab, dass er nicht will, dass ihm die Pferde hinterher laufen. Er will viel mehr, dass die Pferde ihren Hintern nach außen drehen und lernen, ihn an der Bande zu lassen und nur mit den Kopf nach Innen kommen. Auf der linken Seite war das gut, aber auf der rechten Seite dauerte es eine Weile bis das junge Tier dieses Prinzip verstanden hatte. Man sah schon sehr deutlich, wie die Stute Matt vertraut und ihm immer „zuhört“.

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Matt schüttelte ein paar Mal die Steigbügel von beiden Seiten aus, schwang ein Seil um das Pferd und über den Sattel und stieg dann auf. Erst nur mit einem Fuß in den Bügel, dann gleich wieder raus, dann über das Pferd legen, dann drauf sitzen und gleich wieder runter und dann drauf bleiben. Obwohl die Stute das erste Mal einen Reiter auf ihrem Rücken hatte, stand sie total gelassen da. Und das nur mit einem Knotenhalfter und ohne, dass sie jemand fest hielt.
Diese ganze Methode dauert zwar etwas länger, aber man kann fast sicher sagen, dass die Pferde dem Reiter vertrauen und deswegen auch nicht bocken, weil sie bereits an vieles gewöhnt werden. Die einfachere Methode die in Deutschland viel verbreitet ist, ist zwar schneller, aber schafft weniger Vertrauen. Die Pferde werden oft so lange longiert bis sie ausgelastet sind, und dann steigt der Reiter langsam auf. Die Pferde bleiben erst mal eine Weile an der Longe, sodass sie nicht durchgehen können und wenn sie bocken, werden sie mit der Peitsche weiter getrieben.
Matt kann gleich auf seine Pferde drauf sitzen, wenn das „Join up“ funktioniert, braucht keine Hilfe und hat nie eine Peitsche. Er reitet sogar alle Jungen nur mit einem Knotenhalfter. Ich fand das total faszinierend und hatte teilweise echt Gänsehaut. Die Sprache der Pferde zu verstehen ist echt eine Kunst und es braucht viele Jahre dies zu lernen. Leider nimmt Matt keine Arbeiter, sonst wäre es für mich sehr gut gewesen eine Weile auf der Farm zu bleiben und die Grundlagen zu lernen.
Die jungen Pferde sind hier jeden Tag eine Weile an Bäumen angebunden, dass sie lernen, nicht zurück zu rennen, wenn sie angebunden sind.
Matt und ich holten dann 5 Pferde von der Koppel. Diese ist gigantisch groß und die Pferde waren sehr weit weg. So war es eine gute Wanderung um sie zu holen. Außerdem würde ich das Zuhause nicht machen, aber ich hatte zwei junge Pferde in der Hand und wir mussten durch einen kleinen Fluss. Es war rutschig und matschig und das ist sehr gefährlich. Als ich sprang, erschraken die Pferde und rannten beide zurück. Zum Glück waren die Stricke lang genug. Matt lachte mich nur aus. Hier ist das normal, dass man 3 junge Pferde gleichzeitig führt und so abenteuerliche Sachen macht.
Das Highlight des Tages war definitiv die Arbeit mit den Kühen. Zuerst ritt Matt ein Pferd und Ashley die ihre Pferde auch auf der Farm hat, zeigte mir wie „Cutting“ (schneiden) geht. Bei dieser Sparte des Westernreitens stehen einige Kühe in der Mitte des Reitplatzes. Man muss eine Kuh von der Herde „abschneiden“ (cutten) und diese möglichst lange mit Hilfe des Pferdes von der Herde weg halten. Die Pferde sind darauf trainiert die Kühe zu „lesen“ und wissen genau, wo sie hin müssen.
Damit hätte ich nicht gerechnet, aber ich durfte die hübsche Stute „Georgy“ reiten und das selbst ausprobieren. Ausgerechnet da kamen einige Kunden von Matt mit ihren Pferden die Unterricht bei ihm nehmen. So hatte ich total viele Zaungäste. Ich hatte gerade Mal ein paar Minuten zugeschaut und wusste nicht mal richtig, was ich machen sollte. Das war mir ein bisschen unangenehm das vor so vielen Profis das erste Mal zu machen, zumal Matt einer der besten im Umkreis ist.
Das Quarter-Horse ist aber sehr erfahren und wusste genau was zu tun war. Mit einer Hand sollte ich die Zügel und mit der anderen das Horn am Sattel halten. Georgy spielte richtig mit der Kuh und sprang sehr schnell hin und her. Da muss man als Reiter ein sehr gutes Gleichgewicht haben um nicht neben dem Pferd zu sitzen, wenn es plötzlich eine 180-Grad-Drehung macht. Wenn die Kuh rennt, geht’s im Renngalopp nebenher. Matt gab mir einige Anweisungen. Das Pferd muss immer parallel zur Kuh sein, als ob sie das Spiegelbild wäre. Da man nie weiß, wohin die Kuh rennt, ist das sehr tricky. Aus dem Renngalopp dreht das Pferd dann teilweise sehr schnell um der Kuh zu folgen. Das hat so viel Spaß gemacht und ist ein genialer Sport. Auf den Turnieren müssen die Reiter lange Zügel haben und das Pferd alles allein machen lassen. Das ist jahrelange Arbeit, bis man die Pferde soweit hat. Cutting wäre definitiv ein Sport für mich und ist total cool.

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Dann gab mir Ashley einen Cider (alkoholisches Getränk) in die Hand, als ich noch am trocken reiten war. Das gibt’s auch nur in Australien, dass man auf dem Pferd trinkt. Auch die anderen saßen alle mit Bier in der Hand auf dem Pferd. Typisch Aussies halt 😀
Matt und seine Kunden ritten noch einige Pferde und so konnte ich sehen, wie die Profis das machen. Das war sehr interessant und sah fast so gut aus wie bei Georgy und mir (*räusper*). Ich sollte alle Pferde der Kunden abduschen und ihnen Wasser geben.

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Es wurde schon dunkel als wir Heu fütterten. Nach dem Duschen ging ich mit Ashley, Matt und zwei Kunden von ihm in den Pub. Wie immer dort hatten wir einen total coolen Abend mit Dart und einigen interessanten Getränkemischungen von der Wirtin Michelle. Nach ein paar Runden Billard bei Matt, ging ich viel zu spät ins Bett.

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Das war ein gigantischer, erlebnisreicher Tag den ich so schnell nicht vergessen werde.

Cuttinggrüße
Nadine

Dead Kangaroo, rain, pub-evenings, blackout and missing horse

Freitag, 11.12. – Mittwoch, 16.12.2015

James fuhr seine Frau zum Flughafen, die für eine Woche weg fliegt und seine Kinder für diese Zeit zur Tante. Diese haben gerade Ferien. So war die Woche ruhig. Mir fehlte das Kinderlachen auf der Farm.
Meinem Chef seinem Bruder Lori half ich eine Stute zu decken und außerdem beim Beschlagen eines kleinen Hengstes. Der kannte das nicht und kickte ständig und machte gefährliche Sachen. Als alle vier Eisen drauf waren, war ich froh. An diesem Tag ließen wir 3 Stuten decken und das ist total anstrengend. Ich muss gleichzeitig die Nasenbremse und die Stuten halten und wenn die weg laufen wollen, muss ich mich mit meinem ganzen Gewicht gegen die Pferde stemmen. Bei über 30 Grad kein Spaß und ich bekomme immer mehr Muskeln.
Am Samstag regnete es wie aus Kübeln. Ich hatte zwar meine Regenjacke und Gummistiefel an, aber als ich Heu fütterte, wurde es so heftig, dass ich aufhören musste. Davor fragte ich, ob ich die Pferde trotzdem auf die Paddocks bringen soll. Ich sollte Decken drauf machen und sie dann raus stellen. Das bringt meiner Meinung nach zwar nicht viel, weil es nur dünne Wolldecken sind und es darunter bestimmt kalt ist, wenn diese nass werden, aber na gut.
James hatte auch Mitleid mit mir weil ich begossen war. Wenigstens war es alles andere als kalt. Er sagte dann, dass ich nur noch Heu in die Boxen schmeißen soll, ausmisten, die Pferde rein bringen und einen ruhigen Tag haben kann. Irgendwie lustig, dass er erst sagt die Pferde können draußen bleiben, aber sie dann doch wieder rein müssen. Natürlich fand ich es super lieb, dass er mich vor dem Regen erlöst hat, aber bei dem Matsch hätte man die Pferde auch nicht mal in die Führanlage stellen können. Er meinte wir machen dafür am Nachmittag mehr. So fuhr ich dann schon um 10 Uhr morgens nach Kingaroy, verbrachte den ganzen Tag im Mc Donalds und erledigte einige Sachen. Dort ist es richtig kalt und die Klimaanlage ist grundsätzlich auf Stufe 10 eingestellt. Ich muss immer eine dicke Jacke anziehen, oder mich raus setzen.
Eigentlich müsste man ja meinen, dass man was lernt wenn man ein Mal eine leere Auto-Batterie hat. Nicht so ich. Mein Radio summte kurz auf und dann verstummte mein Auto. Ich hatte vergessen das Licht aus zu schalten. Zum Glück gibt’s in meinem Auto ein Starterkabel. Im Regen bat ich einen sehr netten, jungen Mann um Hilfe. Dieser war durchaus hilfsbereit und nach wenigen Minuten erwachte meine Batterie wieder zum Leben.
Als ich dann um 4 wieder da war und fragte, was ich machen soll, meinte mein Chef, dass ich füttern soll und dann fertig bin. Ich dachte der hat jetzt was weiß ich geplant, aber füttern muss ich ja sowieso jeden Tag. Das war also ein sehr entspannter Tag. Es könnte ruhig öfter regnen 😉 Pünktlich als ich mit dem Quad los fuhr, wurde der Regen heftiger und peitschte mir bei der Fahrt ordentlich ins Gesicht. Ich bekam seit langem sehr schlechte Laune, war total genervt, dann nervten noch die Pferde und schoben außerdem ihre Futtertröge so weit weg, dass ich im Matsch mit den schweren Futtereimern über die ganzen Paddocks laufen musste. Gut, dass ich nach 45 min. fertig war.
Dann gab es ein sehr heftiges Gewitter. Hier donnert es fast nie, sondern blitzt nur, aber an diesem Tag gab es alles auf einmal. Gerade als das Gewitter und der Sturm vorbei waren, fiel der Strom aus. Ich hatte nicht mal eine Kerze und mein Handyakku war leer, sodass es sogar ohne Taschenlampe gehen musste. James war zum Glück gerade fertig mit Kochen. So saßen wir im dunkeln auf der Terrasse und aßen. Mir war es danach richtig langweilig. Ich konnte weder TV schauen, noch lesen und nicht mal duschen, weil die Wasserpumpe elektrisch funktioniert. Zu trinken hatten wir also auch nichts, weil wir sonst das Regenwasser aus dem Hahn trinken. Matt den ich aus dem Pub kenne fragte mich, ob ich da hin komme, aber ungeduscht wollte ich das auch nicht. So ging ich sehr früh schlafen und der Strom kam erst nachts zurück.
Dummerweise hatte ich (wie immer) meine Klamotten auf der Wäscheleine vergessen und musste mühsam was zu Anziehen suchen, weil die Wäsche seit dem Regen nicht getrocknet war.
An einem Abend ging ich zu James` Eltern rüber und fragte diese, ob ich ihr WLAN benutzen kann. Ich hatte einen sehr guten Flug gefunden, aber konnte diesen nicht buchen, weil das Internet zu langsam war. Die beiden sind so nett und hatten natürlich nichts dagegen.
James und ich wurden von seinen Eltern zum Abendessen eingeladen. Es gab Wein und wir unterhielten uns bei Spagetti super. Peter ist sehr gebildet und weiß einiges über Vögel. So beobachteten wir Einige von diesen vom Wintergarten aus und guckten im Buch nach, ob es stimmte, was Peter sagte. Alles war richtig und er konnte uns einige Geschichten erzählen.
Normalerweise meckern die Kinder immer, wenn es mal kein Fleisch gibt, aber weil diese ja nicht da waren, kochte James jeden Tag was vegetarisches. So gab es Bohneneintopf, Quiche, Salat, Fried Rice und vieles leckeres mehr.
Unter der Woche hatte James ein Weihnachtsessen im Pub und ich durfte auch mit. Ich fuhr mit meinem Auto und blieb länger. Mit Yvette, der englischen Backpackerin die im Pub arbeitet, Matt dem Cowboy und einigen anderen hatte ich einen sehr genialen Abend. Wir spielten Dart und ich war sehr schlecht, aber es machte Spaß. Wir blieben sehr lange und ich war Taxi, weil die anderen einiges getrunken hatten. In Deutschland gehe ich sonst nicht unter der Woche feiern, aber hier stehe ich dann halt nach 4 Stunden Schlaf wieder im Stall. Den ganzen Tag war ich müde, aber der gute Abend war es Wert.
Am Dienstag ging es dann schon um halb 5 los zum Track. Diesmal ging es nach Nanango und dort ist es viel schöner als da wo wir sonst immer waren. Bei der einstündigen Fahrt ging es über Holperpisten und Waldwege, aber die Landschaft war wunderschön. Wir hatten nur 4 Pferde dabei und waren sehr schnell fertig. Die beiden Jockeys die beide Hannah heißen, waren zufrieden mit den Pferden. Das Wetter war perfekt. Als ich gerade das letzte Pferd abduschte, rannte dieses rückwärts und riss den Schlauch ab. Ich hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen und sagte James, dass ich das zahle. Der sagte ich soll nicht spinnen und dass er das richtet. Nun hatte aber leider niemand mehr auf dieser Rennbahn einen Schlauch um sein Pferd zu duschen und mein Chef muss das Teil erst kaufen. Aber ich war definitiv die Einzige die da ein Drama draus gemacht hat – no worries mate !
Beim Rückweg redeten James und ich gerade, als er sagte er müsse umdrehen. Er hatte ein verletztes Känguru gesehen und sich erst überlegt weiter zu fahren, dann aber nach 3 km wieder umgedreht. Es hatte sich das Bein gebrochen und blutete. Ich konnte nicht hin gucken und fragte gefühlte 100 Mal, ob man das nicht verarzten konnte. James meinte das Bein sei komplett durchtrennt und es würde nie heilen. Da muss man dann auch genug Tierfreund sein um einzusehen, dass es besser ist das arme, kleine Tier nicht in der Hitze vor sich hin leiden zu lassen. Mein Chef suchte einen großen Stock im Wald und sagte ich soll im Truck warten. Ich schloss meine Augen, hob meine Ohren zu und James erschlug das Känguru. Ich fand es sehr gut von James, dass er das Kleine von seinem Leiden erlöst hat. Obwohl es besser für das Tier war – ich hätte es bestimmt nicht gekonnt. Den ganzen Tag musste ich an das arme Känguru denken und wurde ganz traurig.
Diese Woche bekam ich außerdem ein „Upgrade“ und durfte neben meinem Faultier noch zwei andere Pferde reiten. Der eine ist sehr flott und richtig toll zu reiten. Aus dem könnte man glatt ein Dressurpferd machen. Er wird noch nicht lang wieder geritten, weil er eine Operation hatte und lange in der Klinik war. Der andere hatte eine 4 monatige Pause und ich sollte die erste sein, die ihn wieder reitet. Beim laufen lassen im Roundpen, um zu gucken, ob alles ok ist, drehte er ordentlich ab und bockte. James sagte ich soll gleich drauf sitzen. Der schwarze Wallach war ganz gelassen und lief schön seine Runden. Auch er machte Spaß zu Reiten. Beim raus Reiten aus dem Reitplatz müssen wir vom Pferd aus das Tor auf machen. Da bin ich immer noch nicht geschickt drin. So verfing sich die Trense meines Pferdes am Tor, dieses geriet in Panik und rannte rückwärts. Zum Glück löste sich die Trense schnell wieder und nichts passierte. Das hätte anders ausgehen können.
An einem Morgen fragte mich James wo das eine Pferd sei. Ich wusste es nicht, aber das Paddock war leer. Als wir es suchten, sahen wir es mit ausgestreckten Vieren auf einer Wiese liegen. Mein Herz blieb stehen und wir dachten beide es sei tot. Ich sagte nur: „Oh my god!“. Zum Glück bekam James das Pferd zum Aufstehen. Es hatte nur ein Schläfchen gehalten und war top munter. Mein Chef sagte zu mir, dass ich nie wieder „Oh my god“ sagen soll, weil er dachte das Pferd hätte sich das Bein gebrochen oder sowas. Ich war sehr froh, dass alles gut war. Das war ein schrecklicher Anblick. Und warum schläft der dumme Esel nicht einfach in seinem Paddock?
Yvette überredete mich ein zweites Mal in den Pub zu kommen und der Abend war wieder sehr lustig. Wir tranken Weihnachtsschnaps und spielten nochmal Dart. Es waren einige Leute da und es gab viel zu lachen. Der Abend war also wieder total genial und ich fühle mich hier echt total wohl. Zumal ich nun echt sehr viele Leute im 250 Personen Dorf Kumbia kenne.
Yvette wollte mit mir Weihnachtsgeschenke kaufen und fragte mich, ob ich einen Tag frei bekomme. Eigentlich hatte ich aber ausgemacht, Matt am Donnerstag bei der Arbeit mit den Kühen und Pferden zu zugucken und bekam aber keine zwei Tage frei. So fragte ich meinen Chef ob es ok sei, einen halben Tag am Mittwoch und einen Halben am Donnerstag frei zu nehmen. So lieb wie er ist, stimmte er zu.
Am Mittwoch Morgen fuhr ich dann also mit Yvette nach Kingaroy und sie kaufte einige Weihnachtsgeschenke. Im Mc Donalds genossen wir unser Frühstück und waren den ganzen Morgen unterwegs. Wir hatten viel Spaß und einiges zu Lachen.
Als ich um 12 zurück auf der Farm war, musste ich nur die Boxen misten, die Pferde rein bringen und Abends alle füttern. Es schüttete wieder den ganzen Tag aus Kübeln und natürlich war ich patsch nass, als ich fertig war.
Das war eine neue, sehr schöne Woche auf der Farm.

Regnerische Grüße
Nadine

Regen

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Ponyexpress

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Hahn

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Katze Smoky

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So wird eine Stute fürs Decken vorbereitet

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Selfie

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Roxy und ich (Foxi)

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Tiger, Yvette, Matt und ich im Pub

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Cowgirl

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Dart

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Welpe vom Pub

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nervige Vögel

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Regen

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Hahn und Pferd

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viele Papageien

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Milchreis mit Obstsalat zum Frühstück

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MC Donalds (zweites Zuhause)

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Matt, Yvette und ich im Pub

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Yvette und ich

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mehr Regen

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verletztes Känguru (hin geschaut hab ich nicht – aber ein Bild gemacht)

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schöner Track

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schnelle Pferde

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Heimweg vom Track

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Roxy und Tiger beim Spielen

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Welpe schläft im Pub

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vor dem Putzen und danach

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Boxen

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nasse Wäsche nach dem Regen

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Christmas Concert, BBQ and work again

Donnerstag, 03.12. – Donnerstag, 10.12.2015

Ich machte drei Kreuze im Kalender als ich am Donnerstag endlich wieder arbeiten konnte. Zwar ganz langsam und immer noch lahm, aber immerhin. Einen Tag länger eingesperrt und ich wäre verrückt geworden. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass ich nicht viel machen müsse, aber diese hielt nicht lange. Das Gefühl, dass mein Chef ein bisschen angepisst war, wurde ich auch nicht los. Vielleicht bildete ich mir das ein, aber ich musste an diesem Tag besonders viel laufen. Zumal wir noch eine Stute decken lassen mussten die nicht still stand. Mit meinem schmerzenden Fuß war es sehr schwer sie zu halten. Die anderen Pferde kamen eine Salzdrainage und davon wollte auch keins hin stehen. Außerdem traf mich der Schlag als ich die Futterkammer sah: Ich passe immer auf, dass ich nichts verschütte und immer fege. An diesem Tag sah es aber aus, als wäre der Inhalt mehrerer Säcke auf dem Boden. James fragte mich, ob ich die Kammer fege. Das sah ich nicht ein und verschob es auf den nächsten Tag. Es ist ja nun mal in jeder Hinsicht doof, dass es so aussieht. Das Futter kostet einen Haufen Geld. Die ganze Farm war unordentlich und es wurde eindeutig Zeit, dass ich wieder arbeitete. Als der Tag vorbei war, atmete ich auf.
Dafür war der Freitag ruhiger und ich konnte wieder normal laufen. Das Loch in der Führmaschine sollte ich weiter zu schaufeln, aber das war mit meinem Fuß noch nicht drin. Das kann warten.
Die Kinder hatten Abends ein Christmas-Concert von der Schule aus in der Stadthalle vom Dorf. Ich ließ mir nicht nehmen da zu zu gucken. Es war anders als in Deutschland. Kleine Kinder rennen überall rum, es ist nicht ruhig in der Halle wenn jemand eine Moderation macht, aber die Kinder sind selbstständiger. Selbst die Kindergartenkinder standen ganz selbstständig da und performten ihre Songs. Die Grundschulkinder brachten ohne Lehrer auf der Bühne tolle Gesänge und Tänze zu Stande und die drei Kinder von meinem Chef haben es richtig toll gemacht. Anstatt der klassik-Version von „Jingle Bells“, sangen die Grundschulkinder von einem rostigen Ute, grillen am Pool bei über 30 Grad und T-Shirts und Shorts an Weihnachten. Tja, Australien halt. Der Saal lachte, als der Santa-Claus auf dem Steckenpferd kam. Jedes Kind bekam eine ganze Tüte voller Süßigkeiten (bei uns ist der Nikolaus da knausiger). In dieser fanden sich Chips, Tim-Tams und mehr.
Beim anschließenden Pub-Besuch war es wieder total familiär. Ich wurde allen Leuten die ich noch nicht kannte nett vorgestellt. Viele Kinder rannten rum und spielten. Was auch total lustig war: Der Schuldirektor, der Dorfpolizist und der Rennpferde-Trainer saßen zusammen am Tisch, tranken Bier und hatten Spaß. Der Rektor und der Polizist haben sich Anteile an einem Rennpferd von James gekauft und sind total aufgeregt und stolz drauf. Total witzig die Australier. Lange saßen wir im Pub, tranken Bier und redeten.
Leider durfte ich nicht mit zum Rennen am Samstag aber das Pferd von James Bruder gewann wieder und das andere wurde 4. das ist sehr gut. Zur Feier kam Lori, James Bruder dann und brachte Bier mit. Wir grillten alle zusammen und hatten einen total tollen Abend.
Am Montag mussten wir wieder eine Stute decken lassen und die ist total doof. Genau so wie ihr Fohlen. Wir bekamen das Fohlen schon gar nicht vom Paddock zum LKW geführt, geschweige denn verladen um zu James` Bruder zu fahren wo der Hengst steht. Ich sollte an der Seite der Laderampe stehen. Genau gleich wie letzte Woche mit der anderen Stute stieg der kleine Hengst dann, fiel rückwärts über und verfehlte mich nur knapp. Zum Glück ist er kleiner als die Stute von letzter Woche. Als wir endlich Beide auf dem LKW hatten, auf der anderen Farm dann das nächste Problem: Trotz Beruhigungsmittel und Nasenbremse kickte die Stute James zwei Mal als er den Schweifschoner drauf machen wollte. Dann rannte sie noch rückwärts und zog mir den Strick durch die Hand, sodass es brannte. Bis wir die zweite Beruhigungsspritze drin hatten, dauerte es ewig. Selbst im schlafenden Zustand kickte sie noch. Es ging fast eine halbe Stunde rum, bis wir endlich den Hengst holen konnten. Die Stute stand dann da mit den Medikamenten intus, Fußfesseln (Hobbels) an beiden Hinterbeinen, Gebiss (Bit) im Maul und Nasenbremse (Twitch). Es war sehr gefährlich für alle, weil das Tier dann wie sein Fohlen stieg und uns fast traf. Das wäre Dauerhaft nichts für mich. Das Decken würde ich nicht selbst machen, wenn ich einen Hof hätte – viel zu gefährlich ! James meinte er ist froh, dass nichts passiert ist und wir wussten wir müssen dies in zwei Tagen wiederholen. Na toll ! James sagt auch immer: „Die hätte uns umbringen können.“ Ich verstehe sowieso nicht, warum die Besitzer mit so gestörten Pferden züchten müssen. Wenn die Mutter schon so ist, ist ja klar woher das Fohlen das hat. Aber wenn die Besitzer das unbedingt wollen, kann James es ja nicht verweigern…
Die Mutter von „meinem“ Fohlen zum Beispiel ist super lieb, kommt immer her und schmust und deswegen ist die Kleine genau so. Jeden Tag übe ich mit ihr, weil um so früher man anfängt die Pferde an Menschen zu gewöhnen, desto einfacher ist es später. Sie macht immer lieb mit und kommt schon auf mich zu getrabt, wenn ich auf die Koppel komme.
Als ich mal wieder viel zu früh mit allem fertig war fragte mein Chef mich, ob ich schon mal Rasen gemäht hätte. Es war mir leicht peinlich, dass ich diese Frage verneinen musste. Da reise ich um die Welt und mache alle möglichen Sachen, aber habe noch nie so ein Ding bedient – und das mit 23 ! Er gab mir eine Einweisung, sagte ich solle auf Steine und den Wasserschlauch aufpassen und dann durfte ich ran. Ich blieb öfter mal im Matsch stecken, aber sonst ist das ja ganz easy. Ich musste den Mäher nur immer aus machen, um den Grasbeutel auszuleeren. Leider ging er nicht wieder an, aber James war zur Stelle und half. Beim zweiten Mal bekam ich ihn mit der Ziehleine dann selbst an und beim dritten Mal passierte es: Die Schnur riss ! Das mähe ich doch ernsthaft das erste Mal den Rasen und dann zerstöre ich den Rasenmäher. Gut, dass James meinte das Ding sei eh alt und ich könne nichts dafür. Der Chef auf der alten Farm wäre aus der Haut gefahren. Ich bin so froh, einen so immer gelassenen, tollen, fairen Boss zu haben. Nach 3 Idioten davor wurde das auch mal Zeit 😉 Er fragt mich sogar immer, ob ich eine Pause brauche, oder noch weiter arbeiten will.
Abends waren die Eltern von James da und es gab Dominos-Pizza und Wein. Wir hatten wieder einen sehr lustigen Abend und unterhielten uns alle sehr nett.
An einem Morgen fragte mich James, ob ich ausgeschlafen hätte. Ich wunderte mich über die Frage, aber sagte ja. Dann meinte er, er wäre schon eine Stunde hier und was wir denn für eine Uhrzeit ausgemacht hätten. Ich dachte halb 8 und er dachte halb 7. Uuuups. Ich bin mir aber fast sicher, dass ich es richtig verstanden hab. Naja, er hat nur gelacht.
Ich freute mich als James sagte, ich darf mal wieder aufs Pferd. Dieses mal war es der liebe Wallach, von den beiden die wir kastriert hatten. James wollte eigentlich zuerst drauf, aber vergaß es dann wieder. Das Tier war sehr sehr faul und ich hatte Mühe es überhaupt zum laufen zu bringen. Erst sollte ich im Roundpen ein paar Runden reiten und dann in die große, runde Arena. James sagte ich soll mich drauf gefasst machen, dass er sich oft erschrickt und mich gut festhalten. Leider tat das Pferd das nicht und ich musste alle Kraft aufwenden, ihn überhaupt zu motivieren. Ein paar Runden trabte ich in der Arena. Der Wallach war sehr stur. Mit einem kleinen Trick wurde es besser. Mein Chef trainiert die Pferde auf Stimme. Wenn man schnalzt, traben sie und wenn man „Küsschen“ gibt, galoppieren sie. Nachdem er auf das Schnalzen nicht reagierte, gab ich ein paar Mal Küsschen. Er wollte zwar angaloppieren, aber war dafür im Trab flotter. Die Rennpferde sind ja nicht darauf trainiert, auf Schenkeldruck zu reagieren, deswegen fiel dieses Kommando aus. Gut, dass James das nicht gesehen hat, weil so hab ich das Pferd bestimmt verwirrt. Es war warm und wir haben beide viel geschwitzt und nach 20 min. hab ich aufgehört.
Mittwochs Abends waren wir wieder zum Essen im Pub. Ich habe Ivette kennen gelernt. Sie ist auch Backpackerin, von England und arbeitet seit ein paar Tagen im Pub. Wir haben Nummern ausgetauscht und so können wir an unseren freien Tagen was gemeinsam unternehmen. Lange habe ich mich mit der total herzlichen Besitzerin vom Pub (Michelle) und mit Ivette unterhalten. James lobt mich immer bei allen Leuten im Pub. Das ist mir manchmal ganz schön peinlich. Er sagt, dass ich so gut arbeite und so verlässlich bin und so.
Am nächsten Tag wollte mein Chef eigentlich, dass wir zwei Pferde im Roundpen arbeiten, aber dann sollte ich den Wallach von gestern satteln. Er saß auf der anderen sehr jungen Stute als er bemerkte, dass sein Steigbügel kaputt war. So sollte ich das Training mit beiden Pferden übernehmen. Da schwierige Pferde beim Rennen von einem Reiter mit Pferd geführt werden, mussten wir das üben. James gab mir den Strick um das andere Pferd zu führen, während ich auf dem Wallach saß. Das ist gar nicht so einfach wie es sich anhört und man muss das Pferd mit dem Gewicht lenken (soll man eigentlich sowieso immer machen), weil man ja die Hand zum Führen braucht. James meinte wenn ich es nicht hin, bekomme, solle ich den Strick einfach los lassen. Natürlich wollte ich beweisen, dass ich das kann. Die ersten paar Meter klappte es auch, aber dann erschrak sich mein Wallach und galoppierte los. Eisern hielt ich den Strick fest und bevor ich beide Pferde wieder unter Kontrolle hatte, rief mir mein Chef zu, dass ich los lassen solle. Ein paar Mal versuchten wir es noch, aber mein Pferd hatte zu viel Angst. Er hat das vorher auch noch nie gemacht. Dann sollte ich ohne Strick versuchen, das andere Pferd neben mir her laufen zu lassen. Das war gut und so trabten wir eine Weile. Die Stute folgte einfach brav neben mir. Danach trabte ich den Wallach eine Weile allein in der Arena und er war leider nicht motivierter als am Vortag.
Diese Woche sollte ich Unkraut sprühen. Davon gibt’s auf der Farm so viel und mit einer Flasche laufe ich rum und sprühe alles mit Gift an, in der Hoffnung es stirbt ca. 2 Wochen.
An einem Morgen traf mich der Schock: 2 Pferde waren in die Futterkammer eingedrungen und hatten alles verwüstet. Futtersäcke lagen überall rum, Futter lag quer über dem Boden verstreut, die Pferdeäpfel waren überall, das Futter das ich vorbereitet hatte war aufgefressen und einige Futtersäcke aufgebissen. Ich bekam fast die Krise und brauchte lange um alles wieder aufzuräumen.
Ein Pferd das ich nicht mag, sollte ich auf die große Stutenkoppel bringen. Sie bekommt eine Pause und darüber bin ich total froh. Das Pferd kann man nicht mal führen, weil es immer auf der linken Seite laufen will, mir von hinten auf die Beine tritt und mich ständig rum schubst. Sie ist nicht böse, aber einfach nur total tollpatschig und stur.
Nachdem es letzte Woche ein paar Mal geregnet hat und endlich mal abkühlte, wurde es zum Ende der Woche wieder heißer. Mir ist es eindeutig lieber es regnet, dann ist es nicht so drückend.
Alles in Allem hatte ich eine entspannte Woche und musste nicht viel machen.

Gesunde Grüße
Nadine

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Country-Music, my first race, Flachswickel and journey to the hospital

Mittwoch, 25.11. – Mittwoch, 02.12.2015

Mit der Familie guckte ich an einem Abend eine TV-Dokumentation an. In dieser ging es um Tom, einen der fünf Brüder meines Chefs. Der reitet Pferde ein, kümmert sich um Problempferde und ist damit sehr erfolgreich. Er hatte seine Farm immer neben James` Farm, aber ist dann nach Westernaustralien gezogen. Die Reportage war total gut und es war absolut faszinierend, wie er mit den Problempferden arbeitet und diese nach kurzer Zeit wieder in den Griff bekommt. James erzählte mir, dass das auch tatsächlich so ist und nicht vom TV-Sender beschönigt wird. Die ganze Zeit über hatte ich Gänsehaut. James sagte ich kann seinen Bruder gerne fragen, ob ich irgendwann für ihn arbeiten darf. Er hat wohl immer viele Backpacker bei sich auf der Farm.
An einem anderen Abend guckten wir youtube-Videos von dem gleichen Bruder. Er ist auch Country-Sänger und hat eigene Musikvideos. Die Musik ist richtig gut und mittlerweile bin ich ein kleiner Countryfan geworden (aber psst 😉 ). Die Kinder können alle Texte in- und auswendig mit trällern. Hier ein paar Videos:

Da sitzt er auf nem Pferd

Das Video ist auf der Farm vor 8 Jahren entstanden:

 

Meinen Chef hab ich das erste Mal ein wenig arg angenervt kennen gelernt. Als ich eine Stute aus der Box holte, blieb diese mit ihrem Bein am Schlauch hängen, geriet in Panik und riss fast den Wasserhahn mit ab. Mich stört es sowieso, dass der Schlauch immer vor den Boxen rum liegt und obwohl ich ja nix dafür konnte, dass der da im Weg ist, machte er mich ein wenig dumm an. Gut nur, dass er nie laut wird und auch nicht gemein. So war das schnell wieder vergessen.
Ich schob es schon lange vor mir, aber diese Woche hatte ich endlich Zeit zu backen. Dazu hatte ich in der Woche davor schon einen Versuch gestartet, aber kein Rührgerät gefunden und laut Rezept sollte ich die Butter schaumig schlagen. Diesmal wusste ich, wo dieses ist, aber es hatte nur einen Rührstab. So wurde das nix mit der Butter. Niedergeschlagen gab ich auf. Als ich nach ein paar Stunden wieder ins Haus kam, hatte sich mein Problem von selbst erledigt. Es war so warm, dass die Butter schwamm. Da die Aussis keinen Hagelzucker haben, musste es mit normalem Zucker gehen. Mein Teig war irgendwie doof und beim Rollen fielen die Dinger immer auseinander. Aus ein paar Rollen machte ich richtige Zöpfe und die anderen wurden einfach nur längliche Teile, weil ich keine Lust und Zeit mehr hatte es wie richtige Flachswickel aussehen zu lassen. Der Familie haben sie trotzdem sehr gut geschmeckt.
An einem Tag musste ich sehr früh aufstehen, weil wir früher als sonst zum Track sind. Da die weibliche Jockey nicht da war, ist James selbst ein paar Pferde geritten. Das war sehr interessant zu sehen. Da James Frau nicht da war, mussten die Kinder mit. Die drei verhielten sich sehr vorbildlich und spielten die ganze Zeit lieb miteinander. Danach brachten wir sie noch mit dem Pferde-LKW in die Schule und alle Kinder kamen um den Truck zu sehen. Auch der Direktor ließ es sich nicht nehmen zu kommen und mit uns zu reden.
Am Mittwoch fuhr James mit seinem besten Pferd zum Rennen. Ich wollte wetten und meldete mich im Internet an. Leider ist das nicht so einfach. Bei Begriffen wie: „Trifecta“ „Quinella“ „Exacta“ usw. blickte ich nicht durch. Das Einzige was ich wollte, ist zu wetten, dass unser Apfel gewinnt. Ein paar Leute fragte ich und benutzte google, aber stieg trotzdem nicht durch. Zum Glück. Ich saß ganz aufgeregt vor dem Fernseher als das Rennen begann. Leider war Apfel irgendwie nicht in Topform und wurde nur Drittletzter.
Ein paar Tage vor den Rennen muss James den Pferden immer eine Salzlösung einflößen. Dazu schiebt er einen langen Schlauch durch die Nase und füllt mit einem Trichter die Flüssigkeit in den Magen. Das sieht sehr ekelig aus und ist bestimmt nicht angenehm. Die Pferde lassen es sich aber immer normalerweise lieb machen. Der Sinn ist, dass die Sportler viel trinken und genug Wasser im Körper haben. Außerdem bekommen sie ein paar Tage vor dem Rennen kein Heu, sodass sie leichter sind und bleiben in den Boxen um genug Ruhe zu haben. Beim Rennen kommt es also auf das kleinste Detail an.
Der spannendste Tag war für mich definitiv der Samstag. Mein Chef fragte mich, ob ich mit seinem Bruder aufs Rennen will. Er ist mit einem Pferd auf ein anderes Rennen gefahren und sein Bruder Lori sollte mit seinem Pferd und mit einem von James nach Gympie fahren. Natürlich fand ich die Idee perfekt und war sofort dabei. Meine Rennlizenz kam gerade noch pünktlich am Freitag.
Ich hatte einen total lustigen und spannenden Tag und Lori ist super cool drauf. Er versuchte während der insgesamt 4 stündigen Fahrt Deutsch zu lernen, kaufte mir was zu Essen und zu Trinken auf dem Rennen und wir verstanden uns super. Weil mich einige Leute darum gebeten haben, habe ich exklusiv für euch ein Video von dem Tag gemacht. Sobald es fertig ist, stelle ich hier den Link ein. Abends machte ich mir noch Pfannkuchen.
Dann hatte ich viel Pech. Als wir vom Rennen kamen war noch alles ok, aber im Laufe des Sonntags wo James nicht da war, fing es an: Mein linker Fuß tat weh. Eigentlich habe ich nichts gemacht, ihn nicht überbelastet oder sonstiges. Als ich am Montag aufwachte, dachte ich er fällt ab. Die linke Außenseite war angeschwollen und hämmerte wie verrückt. Ans Laufen war nicht zu denken. Dumm auch: Mein Chef musste den ganzen Tag in der Schulkantine helfen und hatte eigentlich keine Zeit auf der Farm alles allein zu machen. Hilft ja nix. So schickte er mich ins Krankenhaus.
Was tut man nicht alles für seine Leser: Erst habe ich ein Krankenhaus in Thailand, dann eins in Malaysia, danach eins auf Bali und jetzt eins in Australien für euch getestet. Mein Körper hat sich nun auch seit Juli nichts mehr einfallen lassen und nun wurde es halt mal wieder Zeit. Langweilig kann jeder, aber mein Körper braucht Abwechslung.
Als ich im Krankenhaus von Kingaroy um halb 6 morgens ankam, fand ich es leer vor. Die Dame an der Rezeption gab mir einen Wisch zum Ausfüllen und ich war noch nicht mal fertig als sie mich fragte, ob ich eine „Medical-Card“ hätte. Nein, ich bin von Deutschland, meine Antwort. Sie hätte schlechte Nachrichten. Ich müsse 560$ im Voraus zahlen, bevor ich überhaupt den Doc sehen kann. Nein, das wollte (und konnte) ich definitiv nicht aufwenden. Zumal ich mir ja nicht mal sicher war, ob ich das von meiner Versicherung wieder bekommen würde.
Nächster Versuch dann in einer Arztpraxis. Die 2 und halb Stunden bis diese aufmachte, verbrachte ich im MC. Leider würden diese keine Patienten annehmen, so die Aussage. Eine weitere halbe Stunde später machte die andere Praxis auf, wo ich direkt vorbei fuhr. Ich saß 15 Min. vor dem Ärztehaus, aber niemand war anzutreffen. Als ein Mann kam, fragte ich nach einem Termin. Dieser fragte was ich denn hätte und meinte dann, dass ich bei ihm mit meinem Problem falsch wäre. Die Arztpraxis sei umgezogen. Ich wollte gar nicht wissen, für was ich dort einen Termin bekommen hätte. An der Türe hingen jedenfalls haufenweise Poster mit Hilfe zu Drogenproblemen. Netterweise leitete der Mann mich mit seinem Auto voran zur richtigen Adresse. Trotz Schmerzmitteln hatte ich krasse Schmerzen und humpelte zum dritten Versuch. Die nette Empfangsdame die Dressursiegerin in Queensland ist, arbeitet nebenher auch auf einer Pferdefarm und erzählte mir von der deutschen Backpackerin dort. Glücklicherweise gab sie mir für 11 Uhr einen Termin. Endlich. Die 2 Stunden verbrachte ich im Einkaufszentrum und ging (humpelte) einkaufen, wobei ich viele mitleidige Blicke erntete.
Um 15 nach 11 kam ich schon dran und durfte zu einer indischen Ärztin ins Zimmer. Sie guckte nur kurz drauf, tastete meinen Fuß nicht mal ab und meinte es sei eine große Entzündung und mein Fuß ist geschwollen. Aha, das bringt mich zwar nicht weiter, aber sie verschrieb mir Entzündungshemmer. Für 12$ entstand ich diese in der Apotheke. Die Ärztin gab mir eine Krankmeldung für 2 Tage und ich musste 88$ in Bar zahlen. Außerdem solle ich die nächsten Tage auf Krücken laufen, viel kühlen und den Fuß hoch lagern.
Mit Schmerzen fuhr ich zurück zur Farm (zum Glück ist es der linke Fuß und mein Auto ist Automatik). Mein Chef war froh, dass ich noch einen Termin bekommen habe. Den ganzen Tag lag ich im Bett mit hoch gelagertem Fuß und hoffte auf die Wirkung der Schmerzmittel.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte war klar: Arbeiten ist nicht ! Die Schmerzen waren selbst im Liegen fast nicht auszuhalten, der Fuß pochte wie verrückt und dazu fühlte es sich an als brenne ein Feuer in meinem Magen, weil ich vergessen hatte die Tablette am Vortrag mit Essen einzunehmen. So litt ich den ganzen Tag vor mich hin. Außerdem habe ich nicht mal Empfang oder Internet im Container und es war langweilig. Als ich abends zum Essen ins Haus der Familie kam, eröffneten diese mir, dass sie in den Pub gehen wollen. Na super, dachte ich: Jetzt muss ich auch noch mit diesen Schmerzen was kochen. Schlechtes Timing. Ich fühlte mich hilflos. Da mir sowieso nicht nach Essen war, ließ ich dieses aus. Mit dem Auto fuhr ich wieder zurück zum Container. Eigentlich laufe ich, weil es nur ein paar Meter sind, aber auf einem Bein hüpfend, würde es mir endlos vorkommen. Es hatte die letzten beiden Tage unaufhörlich geregnet und alles war matschig. Mein Auto und ich drifteten ungewollt auf der Koppel rum. Ich hatte nur einen Flip-Flop an und wollte auf einem Bein die eine Stufe vor meinen Container hoch hüpfen. Dummerweise steckte ich mit dem Flip Flop im Matsch und als ich hoch sprang, blieb dieser stecken. Schade (oder zum Glück), dass die Szene niemand gefilmt hat. So landete ich nämlich im Matsch und sah aus wie ein Schwein. Noch nie hab ich mich so hilflos gefühlt. Wie ein Marienkäfer auf dem Rücken saß ich so im Matsch und fluchte. Das Aufstehen war eine Kunst, weil ich den einen Fuß vor Schmerzen nicht mal abstellen konnte. Einbeinig stand ich nach dem Dilemma in der Dusche und versuchte die Sauerei weg zu waschen. Ohne Duschkopf brauchte ich eine Weile um den resistenten Matsch weg zu bekommen. Alles war voll: Das Bad, mein Schuh, der Boden und meine Hose.
Am nächsten Morgen war zumindest mein Magen wieder gut und die Frau von James war so nett und hatte mir Krücken organisiert. Eine Mama vom Dorf gab diese ihrem Kind in den Bus mit und das schmiss diese einfach an unserem Haus raus. Sehr praktisch und sowas geht auch nur auf dem Dorf. Zummindest brauchte ich dann mein Auto nicht mehr um zum Abendessen im Haus zu fahren. Obwohl die Krücken zu groß waren und ich im Matsch Probleme hatte.
Ja, jeder hat mal ne schlechte Woche und diese war meine.

Schmerzliche Grüße
Nadine

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Das verschenken die Kinder in der Schule

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Auf dem Rennen

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Pfannkuchen

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mein Fohlen

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Flachswickel

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Früh aufstehen

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Pferdewetten im Internet

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So siehts im TV aus

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Salzlösung einflößen

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Paddocks

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Meine Rennlizenz

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Das Pferd das in die Box eingebrochen ist

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Wombat und der Hahn

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Skypen mit meinem Hund Lucky

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Kater Smoky in der Wäsche

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Der Himmel sieht nicht real aus

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dicker Fuß

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Kingaroy Krankenhaus

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Arzt alias Suchtstelle

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Arztpraxis

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MC Donalds Frühstück

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Human Horse, gay Parrot, confused Rooster and caught horses

Dienstag, 17.11. – Dienstag 24.11.2015

Die Woche fing gut an. James musste ein Pferd zum Besitzer zurück bringen. Mein Chef hatte mir gesagt ich solle nicht zu viel machen und nicht zu lange arbeiten. Fleißig wie ich bin räumte ich dann aber die Farm ein bisschen auf, reparierte Zäune und machte was mir sonst noch einfiel.
Es ist einfach so schön hier und wenn ich mit meinem Chef, seiner Frau und den drei Kindern Tea (Abendessen) esse, fühle ich mich als würde ich mit meiner Familie zusammen sein. Die Kinder zeigen mir auch immer wenn sie was in der Schule gemacht haben oder fragen mich wie mein Tag war. Ich mag die Familie einfach total gerne.
Wombat hat sich zu hundert Prozent zu meinem persönlichen Bodyguard erklärt. Sie wacht über mich mit Adleraugen und ist immer an meiner Seite. Wenn ich nur „hey“ zu einem Pferd sage, scheucht sie es weg und bellt es an bis es mich in Ruhe lässt. Manchmal wenn ich Angst habe, dass sie getreten wird, schicke ich sie weg und sie guckt mich mit großen, traurigen Augen an, aber folgt mir aufs Wort.
Der Kakadu Patrick ist auch mein Freund geworden. Laut James ist er schwul und ein bisschen schüchtern mir gegenüber. Ich versuche ihn zum reden zu bringen und er sagt immer nur „hello“, wenn ich ein paar Meter weg bin. Natürlich war ich super glücklich, dass er nun was sagt. An einem Tag bin ich wie immer am Käfig vorbei gelaufen und hab „hello Patrick“ gesagt. Seine Antwort war „Get up!“ und ich lag vor lachen fast am Boden. Das sage ich nämlich immer zu den Pferden, wenn sie verschwinden sollen und das hat er wohl mal aufgeschnappt.
Was auch immer echt total schön ist, sind die Sonnenunter-, und aufgänge. Diese sehe ich täglich und hier sieht man die Sonne besonders gut.
In der Woche hat mir die Hitze sehr zu schaffen gemacht. Es hatte immer über 30 Grad. Das hört sich zwar nicht so viel an, aber wenn man den ganzen Tag in der prallen Sonne arbeitet, geht das an die Substanz. Leider bekam ich dann sowas wie einen Sonnenstich. Den ganzen Tag Kopfweh und Müdigkeit und Antriebslosigkeit waren die Symptome und James meinte das ist Dehydration. Liegt bestimmt daran, dass ich immer vergesse zu trinken. Mein Chef fragte mich dann immer wie es mir geht und an einem Tag an dem es besonders schlimm war, ließ er mich nur das nötigste machen und schickte mich dann in den Feierabend. Ein echt toller Chef !
Irgendwie konnte ich auch nachts nie durch schlafen. In den ersten Nächten war es viel zu kalt in meinem Container und ich fror und dann hatte ich so viele Stiche, dass ich die ganze Nacht gekratzt hab. James meinte, dass es bestimmt am Vollmond liegt, dass ich nicht schlafen kann. Eigentlich glaube ich daran nicht, aber das wäre vielleicht doch eine Möglichkeit. Der Vollmond ist aber wunderschön und man sagt in Australien sieht der Mond am schönsten aus.
James Frau Kate war ein paar Tage geschäftlich weg und an einem Tag sollte James erst sehr spät vom Rennen heim kommen. So wollte ich für alle kochen. Der Kühlschrank gab nicht viel her und ich grübelte mit Mama über Whatsapp was ich kochen kann. Ich schnibbelte Gemüse und Käse und wollte ein paar Dosentomaten dazu schmeißen, aber fand keinen Dosenöffner. Das erste Mal ging ich dann zu James` Eltern die auch auf der Farm wohnen. Diese sagten, dass sie gekocht hätten und ich gerne mit essen dürfe. Leider gab es Fleisch, aber James` Papa siebte mir ein bisschen Soße ab. Eigentlich esse ich das nicht. Da bin ich als Vegetarier sehr eigen. Irgendwie wollte ich die beiden aber auch nicht enttäuschen und würgte die Soße mit Nudeln runter. Zum Nachtisch gab es „Waver“. Dazu nahmen wir zwei Waffeln und machten Eis dazwischen. Das schmeckte sehr gut.
Die Großeltern der Kinder sind super nett und noch jung. Wir hatten einen sehr sehr schönen Abend und spielten Spiele. Zuerst ein „Bug“ Spiel. Da muss man würfeln und je nachdem welche Zahl man hat einen Körperteil von einem Käfer zeichnen. Der mittlere Sohn Percy gewann und ich wurde zweite. Unsere Käfer sahen sehr kreativ aus 😉 Das nächste Spiel war Stadt, Land, Fluss (natürlich auf englisch) und ich gewann beide Male. Die anderen waren sehr beeindruckt wie ich das in einer fremden Sprache so schnell hin bekam. Danach zeigte sie mir Bilder von der Farm wie sie davor war. Die beiden boten früher einen „Farmstay“ an. Es kamen Kinder und Erwachsene, halfen auf der Farm, machten Ausritte und schliefen auch dort. Das hörte sich super an und sah auch spaßig aus. Bis vor 5 Jahren machten sie das, bis James in das Rennbusiness einstieg. Dieser kam an diesem Abend sehr spät und wunderte sich, dass ich bei seinen Eltern war. Unnötigerweise fragte er seine Mutter: „Und hast du Nadine kennen gelernt?“ Und die Mutter dann so: „Nur ganz eventuell“
Donnerstags kam James Frau wieder und zur Feier des Tages ging es in den Pub. Da war „Fleischnacht“ aber ich bekam einen guten Teller voll Gemüse. Ich wurde wieder sehr vielen Leuten vorgestellt, unter anderem vielen richtigen Cowboys. Ein junger Cowboy lud mich ein auf seine Farm zu kommen und er würde mir zeigen wie er Rinder mit den Pferden treibt. Er präsentierte mir stolz ein Video und das sieht sehr beeindruckend aus.
An einem Morgen habe ich gerade wie immer Heu gefüttert, als sich der Hahn in den Quad-Anhänger gesetzt hat. Er wollte einfach nicht weg gehen. Als ich ihn streichelte, machte er komische Geräusche und drehte seinen Kopf zu mir. Ich hatte Angst, dass er mich beißt. Dann verkroch er sich im Stroh und kam nicht mehr raus. Meine Hoffnung er hüpft freiwillig aus dem Hänger wenn ich los fahre, war umsonst. Er blieb da wie selbstverständlich sitzen. Da ich ihn nicht aus versehen mit der Mistgabel aufspießen wollte, scheuchte ich ihn weg. Bestimmt eine halbe Stunde lang danach machte er sehr seltsame Geräusche und rannte komisch rum.
Außerdem fand ich einen toten Hahn neben einer Scheune der da laut meinem Chef schon eine Weile liegt. Guten Appetit !
Ein bekanntes Pärchen meines Chefs kam an einem Abend zu Besuch und es gab selbst gemachte Pizza. Die beiden waren sehr nett und wir saßen ewig da und redeten.
In der Woche ist nur James geritten. Es gibt immer nur noch einen Sattel und so fiel für mich das Reiten flach, aber das war ok. Wir haben Barrier-Training gemacht. Da die Rennpferde beim Rennen immer aus Barrieren raus starten müssen, muss man das vorher sehr gut trainieren. Pferde die da beim Rennen nicht rein laufen, werden disqualifiziert. Ich führte ein Pferd und James ritt eins. Ich sollte ein paar Mal durch laufen, weil das Pferd das noch nie gemacht hat. Der Wallach war brav und machte alles lieb. Die Stute die mein Chef ritt, hat das Bodentraining schon ein paar Mal mit gemacht und war auch unter dem Sattel total lieb. Das Problem war nur, dass ich die Barriere immer auf-, und zu machen musste. Das geht leider nicht so gut, wenn man ein Pferd am anderen Ende des Strickes hat. Um die Tore auf zu machen muss man einen Hebel nach unten ziehen und das geht total schwer. Ich war ein bisschen überfordert zumal der Wallach nicht ruhig hin stand, aber irgendwann bekamen wir es hin. James lässt die Pferde immer ca. 5 Min. dort drin stehen, da es beim Rennen auch mal zu Wartezeiten kommen kann und die sie lernen sollen, dass die Barrieren nicht schlimm sind. Dann reitet er im Schritt ruhig raus. Wenn das gut klappt, galoppiert er raus, weil die Vierbeiner beim Rennen schnell raus springen sollen. Das erfordert einige Übungseinheiten.
Beim Rückweg haben wir gesehen, dass eine Trinktraufe kaputt ist und drum rum war ein ganzer See. Ich musste es dann reparieren, aber das war einfach.
Das Decken geht mittlerweile wie Zähne putzen. Wir machen das so oft. Es gibt einen alten Hengst der sehr langsam läuft. Dieser beschnuppert die Stuten immer erst ewig und lässt sich viel Zeit. Dann gibt es aber einen sehr jungen Hengst und dieser macht nicht viel Tam-Tam. Er springt direkt auf die Stuten und ist sehr wild. Eine Stute wurde noch nie gedeckt und wollte nicht still stehen. James versuchte den Hengst zurück zu halten. Dieser stieg wie verrückt und drehte durch. Ich hatte alle Mühe die verschüchterte Stute zu halten, die auch erst weg rennen wollte, bockte und stieg. Mein Herz klopfte, als der Hengst ein paar Mal neben mir senkrecht in der Luft stand und mir auch sonst oft nah kam. Nach vielen Anläufen klappte es zum Glück.
Manche Stuten haben noch ihre Fohlen. Eins davon lässt sich trotz viel Training immer noch nicht führen. Wir banden es am Baum an, während der Hengst da war. Das klappte gut.
Das Fohlen der anderen Stute ist noch so jung, dass es neben der Mama her läuft. Dieses warte dann geduldig neben der Mama bis der Hengst seine Taten vollbracht hatte. Irgendwie Schizophren, dass das Kind der Mama dabei zuguckt, wie ein Geschwisterchen entsteht.
Bei einer anderen Stute musste James` Papa helfen, den ich dort zum ersten Mal kennen lernte. James Papa hielt das Fohlen fest, ich die Stute und James den Hengst.
Mein Chef wollte dann eine junge Stute verladen um diese zum Einreiten zu bringen. Diese wollte nicht so wie wir und streikte. Ich sollte sie mit einer Peitsche am Hintern antippen, sodass sie rein läuft. Darauf reagierte sie nicht. Beim zweiten Mal antippen, rannte sie zurück und stieg. Das Einzige was ich dann sah, waren Hufe über mir. Dann fiel die Stute rückwärts über. Meine Geräusche die ich machte waren keine Schreie, aber total undefinierbar. Ich dachte in diesem Moment einfach: So das wars jetzt ! Du wirst jetzt gleich von einem 500 kg Tier umgebracht. Ich schaffte es irgendwie in letzter Sekunde zurück zu hüpfen und die Stute verfehlte mich um Zentimeter. Meiner Reaktion hab ich zu verdanken, dass nichts passiert ist. Eine halbe Stunde später zitterte ich immer noch. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst und vor allem nicht vor einem Pferd. Mein Chef sagte noch sehr oft, dass das richtig knapp war und ich echt ein richtiges Glück hatte. Die Stute musste trotzdem in den LKW und diesmal sollte ich ein Seil holen, das wir um ihren Hintern machen wollten. Ich atmete auf, als ich zurück kam und das Pferd im LKW stand. Dieses Erlebnis werde ich definitiv so schnell nicht mehr vergessen.
Als ob das nicht Schock genug war, brachte ich am nächsten Tag den Hengst der letzte Woche kastriert wurde zum Paddock. Er fing an zu spinnen, stieg, schlug mir den Strick aus der Hand und rannte bockend davon. James half mir ihn wieder einzufangen. Die Pferde haben so ca. 10 Besitzer und die wären alle nicht so begeistert gewesen, wenn was passiert wäre. Zur Strafe band James den Hengst an einen Baum und ließ ihn da eine Weile in Ruhe nachdenken. Auch eine sehr interessante Methode. Diese bringt wohl leider nicht viel. Am nächsten Tag war ich noch nicht mal aus der Box draußen als das selbe Pferd am Strick bockte, rückwärts rannte und total spann. Irgend konnte ich den Strick nicht mehr halten und der Idiot ging wieder Gassi. James war sauer auf den Hengst, als wir ihn wieder einfingen und er kam wieder an den „stillen Baum“. Sowas wie die stille Treppe bei der Super Nanny. Manche Pferde sind einfach undankbar. Erst halte ich ihm Händchen, bzw. Hufe bei der Kastration, kümmere mich um ihn und dann rennt er mir weg.
Was ich total gut finde ist, wie sich James um das Wohl seiner Pferde sorgt. Als wir an einem Morgen zum Track gefahren sind und ein Pferd nicht auf den LKW wollte, sagte er, dass er schon die Vermutung hatte, dass die Stute eine Pause braucht. Somit ließ er sie an Ort und Stelle frei und sie darf nun in der großen Herde eine Pause haben bis sie wieder motiviert ist. So läuft sie jetzt auch frei auf der Farm rum.
Ein anderes Pferd das frei ist, mag das irgendwie nicht so. Er kommt ständig her, stellt sich in offene Boxen und will nicht mehr gehen. Erst ist er einfach so auf den LKW gelaufen und hat sich quasi selbst verladen (der war offen) (da sagt noch jemand Pferde fahren nicht gern LKW), dann lag er in einer Box und wollte nicht mehr aufstehen (James setzte sich drauf, das störte ihn nicht) und dann fragte ich mich welches Pferd ich in der Führanlage vergessen hatte, als er mitten drin stand. Keine Ahnung wie er da rein gekommen ist. Ich schaltete diese ein und er trabte fröhlich da drin rum. Er blieb die ganze Zeit drin, obwohl die Türe offen war. Komisches Pferd. Da er keine pferdischen Freunde hat, hängt er immer mit den Kühen ab. Wenn er könnte, würde er bestimmt im Haus schlafen.
In der Führanlage gibt es ein großes, tiefes Loch. James meinte, dass man das mal zuschütten muss. Fleißig wie ich bin, nahm ich bei über 30 Grad die Schaufel in die Hand und versuchte den Dreck von der Seite in die Mitte zu schaufeln. Das war alles so fest, dass es fast unmöglich war. Irgendwann sah es zumindest zu aus, als meine Kraftreserven aufgebraucht waren. Man muss keine Leuchte in Physik sein um zu verstehen, dass sich alles setzt und ich dann noch einige Male Dreck drauf schaufeln muss.
Mitten in der Woche machten James, die drei Kinder und ich einen Ausflug nach Kingaroy. Erst erledigten wir einige Besorgungen, dann brachten wir die Kleinste in den Schlagzeug-Unterricht und dann sollten wir Pferde abholen. Diese standen auf einer riesengroßen Wiese. Der Besitzer ist umgezogen und hat keine Zeit mehr für die vier Stuten. James und seine Frau hatten bereits ein Mal versucht die Pferde zu verladen, aber hatten keinen Erfolg. Eingefangen hatten wir die drei Zuchtstuten und die Jährlingsstute schnell. Das Schwierige war nur, dass die Jüngste partout nicht auf den LKW ging. Wir waren sehr geduldig, setzten ihre Hufe auf die Ladefläche, redeten ihr gut zu, aber nichts half. Sie rannte immer rückwärts und ich musste aufpassen nicht überrannt zu werden. Als James Frau kam, standen wir jeweils links und rechts vom LKW aber das Pferd stieg ein paar Mal, machte noch das Halfter kaputt und rannte davon. Mit dem Auto versuchten James und Kate abwechselnd die Stute wieder zum LKW zu treiben um sie einzufangen. Mittlerweile dämmerte es und James` Bruder war auch gekommen. Sage und Schreibe ein und halb Stunden später hatten wir die Stute wieder eingefangen. Ein paar Mal hatten wir auch ihre Mutter wieder freigelassen, die sie her bringen sollte – erfolglos ! An einer Kuhrampe parkten wir den LKW und scheuchten das Pferd über diese rein. Da war es dann gerade dunkel. Wir atmeten alle auf, als das geschafft war und wir endlich nach Hause konnten.
Ende der Woche fragte mich James morgens, ob ich nach Kingaroy fahren wolle. Ja, raus kommen ist immer gut ! Kurz schneite ich beim MC vorbei und updatete meinen Blog. Dann machte ich im Pferdeladen halt, wo ich Futter mit bringen sollte. Irgendwie war der Typ ein Azubi und sagte mir er hätte das gewünschte Futter nicht mehr. Nach ewigem Hin und Her schickte mich dann die Chefin zur Laderampe. Ein junger, gutaussehender, gut bemuskelter Mann lud mir dann die 30 Futtersäcke auf die Laderampe vom Ute.
Als ich gerade im Woolworths war, klingelte mein Handy und mein Chef fragte mich, wo ich sei. Seine Frau bräuchte den Gutschein und die Geburtstagskarte die ich mitbringen sollte, um die Kinder zum Geburtstag fahren zu können. Wie ein Eichhörnchen auf Speed, fegte ich durch die Regale im Supermarkt, kaufte alles ein und tat das gleiche im K-Mart. Das Aussuchen der Karte war am Schwierigsten. Ich kannte das Geburtstagskind ja gar nicht…
In Rekordgeschwindigkeit düste ich zur Farm und entschuldigte mich für die Verspätung. Mein Chef bedankte sich ganz nett fürs Beeilen nach dem Anruf und freute sich total, dass ich alles eingekauft hatte was ich sollte, obwohl er vergessen hatte mir das Geld dafür zu geben. Dieses überwies er direkt an dem Tag noch. Das war eine gute Abwechslung zum Tag auf der Farm und zählte als Arbeitszeit. James fragte, ob ich müde sei, aber ich hatte ja noch so gut wie nichts gearbeitet.
Freitags war ein sehr gechillter Tag und mein Chef war nicht da. Ich machte alles was ich sollte, aber war trotzdem total früh fertig. An diesem Tag muss ich auch im Haus immer saugen und den Boden putzen, aber das macht Spaß und ist schnell erledigt. Dafür war es am Sonntag sehr stressig und wir hatten viel zu tun.
Wie ihr hört gefällts mir hier immer noch super und ich bin auch noch nicht vereinsamt 😉

Noch lebende Grüße
Nadine

Pferd verlädt sich allein

 

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Loch in der Führanlage

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Ich hab ein Haus, ein Äffchen (Wombat) und ein Pferd

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pink ❤

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Weg zum Track

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Barriere

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mein Fohlen

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Wombat und mein Fohlen

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überlaufende Tränke

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Brand von Apfel

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So wache ich morgens auf

pferd

Mc Donalds Session

Montag, 16.11.2015

Wenn mein Chef es nicht festgestellt hätte, wäre mir gar nicht aufgefallen, dass ich bereits 10 Tage am Stück arbeite. So gab er mir einen Tag frei.
Da es hier im Niemandsland nicht viel gibt, fiel die Auswahl auf Unternehmungen nicht schwer. Der nächste Ort in die eine Richtung ist 90 km und der in die Andere 30 km weg. Da ist also nichts mit „mal kurz“ einkaufen fahren. Kann man sich bei uns gar nicht vorstellen.
Ganz selbstbewusst fuhr ich ohne Google Maps los. Da kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich. Auf der halbstündigen Fahrt kam mir kein Auto entgegen und ich sah nichts außer Felder und Bäume. Alles ist derzeit schön grün. Da mir die Fahrt schon ziemlich lange vorkam, hielt ich an und machte doch mein Navi an. Ok, gut ! Es sagte mir es ist 1:20 min bis nach Kingaroy wo ich hin wollte. Ich war doch tatsächlich in die falsche Richtung gefahren. Schilder gibt es aber keine und es sieht eh alles gleich aus. Also dann wirklich wieder alles zurück gefahren und geärgert. Auch mein Sprit war leer und natürlich gabs nirgendwo eine Tankstelle. Da ich aber nirgends eine Polizei vermutete, wollte ich mein Auto mal austesten und gab ordentlich Gas. Die Strecke war schnurgerade und so war das kein Problem.
Ich war froh als ich endlich in Kingaroy war. Den ganzen Tag hab ich eigentlich nichts gemacht außer im MC Donalds WLAN geschnorrt und mal wieder den Blog upgedatet.
Abends war ich ein paar Kleinigkeiten einkaufen und hab eine Pizza im Dominos geholt.
Als ich ohne Verfahren im Dunkeln zurück auf die Farm kam, war mein Hund nicht mehr da. Mein Chef meinte, dass sie immer zu seinem Bruder auf die Farm rennt, wenn sie denkt jemand ist gegangen. Ich machte mir echte Sorgen, zumal man um auf die Farm zu kommen über den Highway muss.
Unruhig schlief ich ein in der Hoffnung am nächsten Tag Wombat wieder zu sehen.

Grüße vom freien Tag
Nadine

Das gabs
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Cheese
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Dominos Pizza
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No water, failing hairstyle and found pony

Samstag 07.11 – Sonntag 15.11.2015

In meiner ersten Woche auf der nun vierten Farm habe ich mich super eingelebt. Hier gibt es wie schon erwähnt ca. 35 Rennpferde, von denen ca. 15 gearbeitet werden. Das heißt für mich, dass ich auch ein paar Pferde reite.
An meinem zweiten Tag haben wir gleich einen Ausflug ins 60 km entfernte Wondai gemacht. Dort gibt es eine Übungsrennbahn (Track) mit Sand. Der älteste Sohn Sidney war auch dabei und außerdem 6 Pferde. Für mich war es sehr spannend das zu sehen und die Pferde sind abartig schnell. Bisher hatte ich Pferderennen nur im TV verfolgt und nun war es an der Zeit die Rennpferde live in Action zu sehen. Das sieht sehr spektakulär aus und die beiden Jockeys Hannah und Jason sind echte Profis. Meine Aufgabe war, die Pferde abzuduschen und mit dem Handtuch trocken zu reiben.
An diesem Tag bekam ich einen Industrie-Ventialtor für mein Zuhause der mich fast weg pustet. Der andere in meinem Container funktioniert nicht mehr und bald soll es richtig warm werden.
Die Kinder sind faszinierend. Der Sohn Percy setzte sich ein paar Minuten an den kaputten Ventilator, schraubte ein bisschen und siehe da: Er funktionierte wieder ! Was sein Papa nicht hin bekommen hatte, schaffte der intelligente Grundschuljunge.
Die Hündin Wombat ist meine beste Freundin geworden und folgt mir überall hin. Sie schläft in meinem Container und lässt mich keine Sekunde aus den Augen. Wenn ein Pferd mir zu Nahe kommt, bellt sie es an, rennt hinterher und verscheucht es. Mein Chef James findet es total faszinierend, wie der Hund so auf mich fixiert ist, obwohl er mich erst ein paar Tage kennt und ich ihn nicht mal füttere oder sonst was.
Da James auch Rennpferde züchtet, durfte ich dabei auch schon helfen. Nicht wie bei den meisten Warmblütern (meistens Spring-, oder Dressurpferde) müssen die Vollblüter (Rennpferde) per Natursprung gedeckt werden. In Deutschland läuft das also oft über eine Spritze mit dem Samen des Hengstes die die Stute bekommt. Hier mussten wir zu James Bruder fahren der seinen Stall nur 1 km weit weg hat und die Stute zum Hengst lassen. Erst wird geschaut, ob die Stute „on“ (rossig) ist, also bereit zur Paarung. Ich hab mich ein bisschen gewundert, dass James und ich nur zu zweit waren, obwohl ich das noch nie gemacht habe. Ganz unkompliziert stand ich dann mit der Stute mitten auf der Koppel im Matsch in einer kleinen Senke, machte eine Nasenbremse drauf und sie bekam ein Seil um einen Hinterfuß sodass sie nicht ausschlagen konnte. James kam mit dem Hengst. Dieser beschnupperte die Stute erst, dann biss er ihr ein paar Mal in den Schenkel und dann wollte er drauf springen. Da die Stute das noch nie erlebt hat, wollte sie ständig los laufen und ich hatte alle Mühe sie zu halten, zumal es total matschig war. Irgendwann klappte es aber und wir hoffen nun, dass ein Fohlen entsteht.
Meine täglichen Aufgaben sind immer unterschiedlich und ich lerne hier sehr viel. Das Anfangen um 5 fällt mir auch nicht mehr schwer, zumal es da schon hell wird und auch schon warm ist. Erst bringe ich die Pferde die nachts in den Boxen sind auf die Paddocks, dann bekommen alle Heu das ich mit dem Quad ausfahre und anschließend miste ich alle 8 Boxen aus. Davor hatte ich bevor ich her gekommen bin am meisten „Angst“, weil ich ja auf der zweiten Farm bis zu 60 Boxen pro Tag gemistet habe und das echt anstrengend und schlecht für den Rücken ist. Hier ist das aber total schnell erledigt, weil die Pferde ja nur nachts in den Boxen sind, das Sägemehl so leicht ist und es nur so wenige Boxen sind.
An einem Tag war mein Chef auf einem so genannten „Trial“. Das ist quasi eine Art Proberennen, wo man sehen kann wie die Pferde auf einem echten Rennen abschneiden würden. Leider konnte ich nicht mit, weil man eine Lizenz braucht und meine noch nicht da ist, aber die beiden Pferde waren sehr erfolgreich.
Da es zu matschig zum Reiten war, kamen die meisten Pferde oft nur in die Führanlage.
Als es Ende der Woche trockener war, sollte ich mit einem Pferd ins Roundpen, dieses ein bisschen im Kreis laufen lassen und dann reiten. Leicht verwundert war ich schon, als es sich seltsam mit dem Sattel verhielt und komisch bockte. Als ich aufsteigen wollte, machte die Stute erst mal einen Satz zur Seite. James kam gerade und meinte: „Ach ja, die wurde noch nicht so oft geritten, die kennt das nicht.“ Aha, dachte ich mir, gut zu wissen, dass ich ein noch nicht ganz fertig eingerittenes Pferd reiten soll. Ganz langsam stieg ich in den Sattel und sollte mich erst mal quer über den Rücken legen. Dann ließ die Stute mich aufsteigen. Gleich am Anfang sollte ich viele kleine Kreise reiten, falls die Stute los rennen und bocken sollte. Die Kreise wurden größer und dann trabte ich auch ein bisschen. Mein Ross verhielt sich vorbildlich und nach einer halben Stunde stieg ich glücklich ab. Das zweite Pferd war schon schwieriger. Dieses war auch noch nicht lange unter dem Sattel und machte beim frei laufen lassen gleich Rodeo vom Feinsten. Ich fragte mich, ob sie das auch so toll kann, wenn ich drauf sitze. James kam und fragte mich, ob ich mir trotzdem zutraue sie zu reiten. Ganz nach dem Motto: „Wer nichts wagt, …“ schwang ich mich auf das Tier und machte das Gleiche wie mit dem Vorherigen. Ich war super happy als sie ebenfalls brav war und freute mich, mich getraut zu haben.
Am nächsten Tag gings wieder zum Üben auf die Rennbahn und das eine junge Pferd das ich am Vortag geritten bin, schmiss gleich mal den weiblichen Jockey runter. Zum Glück passierte nichts und alles war gut. Nach dem Track gehen wir immer zum Bäcker. Dort gibt es ganz andere Sachen als in Deutschland und neben „Sausage-Rolls“, „Meat-Pies“, „Bacon“ und „Tuna-Sandwich“ muss ich immer eine Weile suchen, bis ich was vegetarisches finde.
Die Arbeit hier ist viel gechillter als auf der letzten Farm und James ist ein total guter Chef. Er sagt nie, dass ich was machen soll, sondern fragt immer, ob ich das machen will. „Do you want to feed the horses?“ Und so weiter. Er schaut auch immer, dass ich nicht zu lange arbeite und verschiebt Sachen somit auch mal auf den anderen Tag, wenn ich schon genug gemacht hab. Wir fangen meistens um 5 an, dann frühstücke ich so um 9, mache Mittag von ca. 12 bis 4 und dann geht’s nochmal bis ca. 6. Das sind gute Arbeitszeiten und das passt auch wegen der Sonne gut, weil die ist mittags am Stärksten.
In der Nacht von Sonntag auf Montag kam ein Fohlen zur Welt. Ganz allein und ohne menschliche Hilfe. James sah es am nächsten Morgen nur im vorbei laufen und sagte es mir. Dann hatte ich einen „Magic-Moment“: Das Fohlen lag und ich konnte es streicheln. Normalerweise stehen sie sofort auf oder die Mama geht dazwischen. Ich konnte mich sogar dazu legen und es blieb liegen und genoss die Streicheleinheiten. Leider hatte ich mein Handy nicht dabei um Bilder zu machen. Ich schob die Zutrauliche Art aber auf die ermüdende Geburt. Mein Chef konnte es gar nicht glauben, weil er sowas auch noch nie gesehen hatte. Am nächsten Tag wollte ich es nochmal versuchen. Wieder genau so lieb blieb das Kleine liegen und ließ sich überall streicheln. In Ruhe konnte ich meine Kamera auf dem Zaun positionieren und lag dann eine halbe Stunde im Matsch und kuschelte mit dem Fohlen und der Mama. Dieses Erlebnis wird mir für immer in Erinnerung bleiben und seither nehme ich mir jeden Tag Zeit für Fohlen und Mama. Es kommt nun sogar immer schon freudig von der großen Koppel aus auf mich zugetrabt und empfängt mich.
Eine Aufgabe von James war, dass ich die Futterkammer aufräumen sollte. Da sah es aus wie im Schweinestall und hatte es bitter nötig. Überall lag Futter auf dem Boden. In stundenlanger Arbeit räumte ich auf und fegte alles gründlich. Mein Chef und ich waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis und es machte mir sogar Spaß.
An einem anderen Tag sollte ich das selbe mit dem Waschplatz machen. Dieser war genau so chaotisch und die Sättel hingen genau neben dem Schlauch, sodass sie jedes mal nass wurden. Ich sortierte und alles bekam seinen Platz. Sogar der kleinen Penny fiel auf, dass es nun viel besser aussieht.
Der nächste Punkt auf der „Aufräum-Liste“ war der Quad-Anhänger. Man muss immer mit Eimern Wasser zu einem Pferd transportieren und wenn das Wasser auf das Heu im Anhänger schwappt, gibt das eine riesige Sauerei. Mit einer Metallstange musste ich die ganze festgeklebte zentimeterdicke Schicht vom Hängerboden lösen. Das brauchte viel Zeit und Kraft. Ich sah danach aus wie ein Schwein und roch auch so. Es sah aus wie Kuhscheiße und nicht mal nach dem Duschen bekam ich den Geruch weg.
Es hat viel geregnet, aber die Temperaturen waren mit um die 30 Grad gut. Auch heftige Stürme und Gewitter waren dabei. Da meine Fenster im Container immer offen sind (Schiebefenster) hab ich leider nicht daran gedacht diese zu schließen. Somit war alles nass, inklusive Klamotten, TV, Ladekabel, Essen und Steckdosen. Zum Glück gabs keinen Kurzschluss und ich konnte alles (außer dem Essen) retten.
Als ich an einem Tag gerade Stroh ausfuhr, entdeckte ich ein Minishetty dessen Hufe grausam aussahen. Es konnte schon gar nicht mehr laufen. Ich wusste nicht wo es her kam, aber ich fing es ein und band es an. Ich fragte ganz viele Leute über Whatsapp wie man Hufe ausschneidet, aber natürlich ist das nicht einfach erklärt. Zum Glück kam mein Chef nach einer Weile wieder und bearbeitete die Hufe des armen Ponys. Danach entließ ich es wieder in die Freiheit.
Die Pferde hier haben alle so lange Mähnen und Schweife und ich konnte das nicht mehr mit ansehen. So suchte ich in Google nach Bilder von Rennpferden und schaute mir an, wie kurz die Mähnen sind. Einigen Pferden verpasste ich dann einen coolen Look und war super zufrieden. Zuhause habe ich das immer meiner Freundin überlassen. Die Pferde hier waren also meine Versuchskaninchen und die Mähnen wurden echt sehr gerade. Ich war hoch zufrieden. Als mein Chef dann kam, versuchte er mir ganz dezent zu erklären, dass man Mähen von Rennpferden eigentlich nie schneidet, sondern immer nur mit einem Messer verzieht, also die langen Haare raus reißt. Mir war das sehr unangenehm und ich hoffe, dass die Haare schnell wieder wachsen, bevor mein Chef sich bei anderen Leuten mit den Frisuren blamiert. Zumal die meisten gar nicht seine Pferde sind. Ich wollte am liebsten im Boden versinken.
Donnerstags essen Kinder im Pub kostenlos und somit machten wir einen Ausflug dort hin. Für mich gabs vegetarische Pizza und Cider (alkoholisches Getränk). Wir waren die Einzigen dort und hatten einen total schönen Abend mit viel zu lachen. Die Pubs sind hier nicht wie in Deutschland und so gehen dort auch oft Familien zum Essen hin.
Am Freitag wollte ich die vier Pferde die am Samstag aufs Rennen gingen einshampoonieren. Ein Pferd war schon fertig, als das Wasser aus ging. Es kam einfach nichts mehr aus dem Schlauch. Hier gibt es kein fließend Wasser und alles kommt aus dem Tank. Deswegen trinken wir auch Regenwasser. Ich wusste leider nicht, wie man Wasser in den Tank bekommt. Mein Chef war nicht da und ich erreichte ihn auch nicht. Somit mussten die Duschen auf den nächsten Morgen verlegt werden.
Samstags morgens war ich aber schnell und machte die 3 restlichen Pferde hübsch fürs Rennen. Auf der anderen Farm habe ich das gehasst und keinen Sinn drin gesehen und hier wasche ich oft einfach so freiwillig die dreckigen Pferde und mache dann dünne Decken drauf, dass sie sauber bleiben. Mein Chef und seine Frau gingen dann aufs Rennen und dafür kamen die Eltern von meinem Chef seiner Frau. Diese wohnen nicht weit von hier weg und sind total nett. Wir hatten den ganzen Samstag über viel Spaß und einiges zu lachen. Außerdem schauten wir Filme zusammen. Die junge Oma der Kinder kochte ein leckeres Essen und ihr war es peinlich, dass ihr niemand gesagt hatte, dass ich Vegetariern bin. Dann gabs halt Gemüse ohne was, aber das war ok für mich.
So ging die Woche schön zu Ende und ich fühle mich hier sehr wohl.

Liebe Grüße
Nadine

Abendessen von meinem Chef seiner Frau
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Futterkammer aufräumen

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Vorher

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Nachher

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Mist im Anhänger

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Mein kleines Fohlen

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das freche, große Fohlen

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Ein paar Stunden nach der Geburt

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frei laufendes Pferd

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Nach der Arbeit

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Hufe vom Pony

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Wombat ist müde

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„Magic Moment“ mit dem Fohlen

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Berry-Pie

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Skypen mit Mama, Bruder und meinem Hund Lucky

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erstes mal Halfter

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