Dead Kangaroo, rain, pub-evenings, blackout and missing horse

Freitag, 11.12. – Mittwoch, 16.12.2015

James fuhr seine Frau zum Flughafen, die für eine Woche weg fliegt und seine Kinder für diese Zeit zur Tante. Diese haben gerade Ferien. So war die Woche ruhig. Mir fehlte das Kinderlachen auf der Farm.
Meinem Chef seinem Bruder Lori half ich eine Stute zu decken und außerdem beim Beschlagen eines kleinen Hengstes. Der kannte das nicht und kickte ständig und machte gefährliche Sachen. Als alle vier Eisen drauf waren, war ich froh. An diesem Tag ließen wir 3 Stuten decken und das ist total anstrengend. Ich muss gleichzeitig die Nasenbremse und die Stuten halten und wenn die weg laufen wollen, muss ich mich mit meinem ganzen Gewicht gegen die Pferde stemmen. Bei über 30 Grad kein Spaß und ich bekomme immer mehr Muskeln.
Am Samstag regnete es wie aus Kübeln. Ich hatte zwar meine Regenjacke und Gummistiefel an, aber als ich Heu fütterte, wurde es so heftig, dass ich aufhören musste. Davor fragte ich, ob ich die Pferde trotzdem auf die Paddocks bringen soll. Ich sollte Decken drauf machen und sie dann raus stellen. Das bringt meiner Meinung nach zwar nicht viel, weil es nur dünne Wolldecken sind und es darunter bestimmt kalt ist, wenn diese nass werden, aber na gut.
James hatte auch Mitleid mit mir weil ich begossen war. Wenigstens war es alles andere als kalt. Er sagte dann, dass ich nur noch Heu in die Boxen schmeißen soll, ausmisten, die Pferde rein bringen und einen ruhigen Tag haben kann. Irgendwie lustig, dass er erst sagt die Pferde können draußen bleiben, aber sie dann doch wieder rein müssen. Natürlich fand ich es super lieb, dass er mich vor dem Regen erlöst hat, aber bei dem Matsch hätte man die Pferde auch nicht mal in die Führanlage stellen können. Er meinte wir machen dafür am Nachmittag mehr. So fuhr ich dann schon um 10 Uhr morgens nach Kingaroy, verbrachte den ganzen Tag im Mc Donalds und erledigte einige Sachen. Dort ist es richtig kalt und die Klimaanlage ist grundsätzlich auf Stufe 10 eingestellt. Ich muss immer eine dicke Jacke anziehen, oder mich raus setzen.
Eigentlich müsste man ja meinen, dass man was lernt wenn man ein Mal eine leere Auto-Batterie hat. Nicht so ich. Mein Radio summte kurz auf und dann verstummte mein Auto. Ich hatte vergessen das Licht aus zu schalten. Zum Glück gibt’s in meinem Auto ein Starterkabel. Im Regen bat ich einen sehr netten, jungen Mann um Hilfe. Dieser war durchaus hilfsbereit und nach wenigen Minuten erwachte meine Batterie wieder zum Leben.
Als ich dann um 4 wieder da war und fragte, was ich machen soll, meinte mein Chef, dass ich füttern soll und dann fertig bin. Ich dachte der hat jetzt was weiß ich geplant, aber füttern muss ich ja sowieso jeden Tag. Das war also ein sehr entspannter Tag. Es könnte ruhig öfter regnen 😉 Pünktlich als ich mit dem Quad los fuhr, wurde der Regen heftiger und peitschte mir bei der Fahrt ordentlich ins Gesicht. Ich bekam seit langem sehr schlechte Laune, war total genervt, dann nervten noch die Pferde und schoben außerdem ihre Futtertröge so weit weg, dass ich im Matsch mit den schweren Futtereimern über die ganzen Paddocks laufen musste. Gut, dass ich nach 45 min. fertig war.
Dann gab es ein sehr heftiges Gewitter. Hier donnert es fast nie, sondern blitzt nur, aber an diesem Tag gab es alles auf einmal. Gerade als das Gewitter und der Sturm vorbei waren, fiel der Strom aus. Ich hatte nicht mal eine Kerze und mein Handyakku war leer, sodass es sogar ohne Taschenlampe gehen musste. James war zum Glück gerade fertig mit Kochen. So saßen wir im dunkeln auf der Terrasse und aßen. Mir war es danach richtig langweilig. Ich konnte weder TV schauen, noch lesen und nicht mal duschen, weil die Wasserpumpe elektrisch funktioniert. Zu trinken hatten wir also auch nichts, weil wir sonst das Regenwasser aus dem Hahn trinken. Matt den ich aus dem Pub kenne fragte mich, ob ich da hin komme, aber ungeduscht wollte ich das auch nicht. So ging ich sehr früh schlafen und der Strom kam erst nachts zurück.
Dummerweise hatte ich (wie immer) meine Klamotten auf der Wäscheleine vergessen und musste mühsam was zu Anziehen suchen, weil die Wäsche seit dem Regen nicht getrocknet war.
An einem Abend ging ich zu James` Eltern rüber und fragte diese, ob ich ihr WLAN benutzen kann. Ich hatte einen sehr guten Flug gefunden, aber konnte diesen nicht buchen, weil das Internet zu langsam war. Die beiden sind so nett und hatten natürlich nichts dagegen.
James und ich wurden von seinen Eltern zum Abendessen eingeladen. Es gab Wein und wir unterhielten uns bei Spagetti super. Peter ist sehr gebildet und weiß einiges über Vögel. So beobachteten wir Einige von diesen vom Wintergarten aus und guckten im Buch nach, ob es stimmte, was Peter sagte. Alles war richtig und er konnte uns einige Geschichten erzählen.
Normalerweise meckern die Kinder immer, wenn es mal kein Fleisch gibt, aber weil diese ja nicht da waren, kochte James jeden Tag was vegetarisches. So gab es Bohneneintopf, Quiche, Salat, Fried Rice und vieles leckeres mehr.
Unter der Woche hatte James ein Weihnachtsessen im Pub und ich durfte auch mit. Ich fuhr mit meinem Auto und blieb länger. Mit Yvette, der englischen Backpackerin die im Pub arbeitet, Matt dem Cowboy und einigen anderen hatte ich einen sehr genialen Abend. Wir spielten Dart und ich war sehr schlecht, aber es machte Spaß. Wir blieben sehr lange und ich war Taxi, weil die anderen einiges getrunken hatten. In Deutschland gehe ich sonst nicht unter der Woche feiern, aber hier stehe ich dann halt nach 4 Stunden Schlaf wieder im Stall. Den ganzen Tag war ich müde, aber der gute Abend war es Wert.
Am Dienstag ging es dann schon um halb 5 los zum Track. Diesmal ging es nach Nanango und dort ist es viel schöner als da wo wir sonst immer waren. Bei der einstündigen Fahrt ging es über Holperpisten und Waldwege, aber die Landschaft war wunderschön. Wir hatten nur 4 Pferde dabei und waren sehr schnell fertig. Die beiden Jockeys die beide Hannah heißen, waren zufrieden mit den Pferden. Das Wetter war perfekt. Als ich gerade das letzte Pferd abduschte, rannte dieses rückwärts und riss den Schlauch ab. Ich hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen und sagte James, dass ich das zahle. Der sagte ich soll nicht spinnen und dass er das richtet. Nun hatte aber leider niemand mehr auf dieser Rennbahn einen Schlauch um sein Pferd zu duschen und mein Chef muss das Teil erst kaufen. Aber ich war definitiv die Einzige die da ein Drama draus gemacht hat – no worries mate !
Beim Rückweg redeten James und ich gerade, als er sagte er müsse umdrehen. Er hatte ein verletztes Känguru gesehen und sich erst überlegt weiter zu fahren, dann aber nach 3 km wieder umgedreht. Es hatte sich das Bein gebrochen und blutete. Ich konnte nicht hin gucken und fragte gefühlte 100 Mal, ob man das nicht verarzten konnte. James meinte das Bein sei komplett durchtrennt und es würde nie heilen. Da muss man dann auch genug Tierfreund sein um einzusehen, dass es besser ist das arme, kleine Tier nicht in der Hitze vor sich hin leiden zu lassen. Mein Chef suchte einen großen Stock im Wald und sagte ich soll im Truck warten. Ich schloss meine Augen, hob meine Ohren zu und James erschlug das Känguru. Ich fand es sehr gut von James, dass er das Kleine von seinem Leiden erlöst hat. Obwohl es besser für das Tier war – ich hätte es bestimmt nicht gekonnt. Den ganzen Tag musste ich an das arme Känguru denken und wurde ganz traurig.
Diese Woche bekam ich außerdem ein „Upgrade“ und durfte neben meinem Faultier noch zwei andere Pferde reiten. Der eine ist sehr flott und richtig toll zu reiten. Aus dem könnte man glatt ein Dressurpferd machen. Er wird noch nicht lang wieder geritten, weil er eine Operation hatte und lange in der Klinik war. Der andere hatte eine 4 monatige Pause und ich sollte die erste sein, die ihn wieder reitet. Beim laufen lassen im Roundpen, um zu gucken, ob alles ok ist, drehte er ordentlich ab und bockte. James sagte ich soll gleich drauf sitzen. Der schwarze Wallach war ganz gelassen und lief schön seine Runden. Auch er machte Spaß zu Reiten. Beim raus Reiten aus dem Reitplatz müssen wir vom Pferd aus das Tor auf machen. Da bin ich immer noch nicht geschickt drin. So verfing sich die Trense meines Pferdes am Tor, dieses geriet in Panik und rannte rückwärts. Zum Glück löste sich die Trense schnell wieder und nichts passierte. Das hätte anders ausgehen können.
An einem Morgen fragte mich James wo das eine Pferd sei. Ich wusste es nicht, aber das Paddock war leer. Als wir es suchten, sahen wir es mit ausgestreckten Vieren auf einer Wiese liegen. Mein Herz blieb stehen und wir dachten beide es sei tot. Ich sagte nur: „Oh my god!“. Zum Glück bekam James das Pferd zum Aufstehen. Es hatte nur ein Schläfchen gehalten und war top munter. Mein Chef sagte zu mir, dass ich nie wieder „Oh my god“ sagen soll, weil er dachte das Pferd hätte sich das Bein gebrochen oder sowas. Ich war sehr froh, dass alles gut war. Das war ein schrecklicher Anblick. Und warum schläft der dumme Esel nicht einfach in seinem Paddock?
Yvette überredete mich ein zweites Mal in den Pub zu kommen und der Abend war wieder sehr lustig. Wir tranken Weihnachtsschnaps und spielten nochmal Dart. Es waren einige Leute da und es gab viel zu lachen. Der Abend war also wieder total genial und ich fühle mich hier echt total wohl. Zumal ich nun echt sehr viele Leute im 250 Personen Dorf Kumbia kenne.
Yvette wollte mit mir Weihnachtsgeschenke kaufen und fragte mich, ob ich einen Tag frei bekomme. Eigentlich hatte ich aber ausgemacht, Matt am Donnerstag bei der Arbeit mit den Kühen und Pferden zu zugucken und bekam aber keine zwei Tage frei. So fragte ich meinen Chef ob es ok sei, einen halben Tag am Mittwoch und einen Halben am Donnerstag frei zu nehmen. So lieb wie er ist, stimmte er zu.
Am Mittwoch Morgen fuhr ich dann also mit Yvette nach Kingaroy und sie kaufte einige Weihnachtsgeschenke. Im Mc Donalds genossen wir unser Frühstück und waren den ganzen Morgen unterwegs. Wir hatten viel Spaß und einiges zu Lachen.
Als ich um 12 zurück auf der Farm war, musste ich nur die Boxen misten, die Pferde rein bringen und Abends alle füttern. Es schüttete wieder den ganzen Tag aus Kübeln und natürlich war ich patsch nass, als ich fertig war.
Das war eine neue, sehr schöne Woche auf der Farm.

Regnerische Grüße
Nadine

Regen

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Ponyexpress

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Hahn

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Katze Smoky

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So wird eine Stute fürs Decken vorbereitet

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Selfie

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Roxy und ich (Foxi)

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Tiger, Yvette, Matt und ich im Pub

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Cowgirl

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Dart

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Welpe vom Pub

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nervige Vögel

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Regen

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Hahn und Pferd

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viele Papageien

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Milchreis mit Obstsalat zum Frühstück

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MC Donalds (zweites Zuhause)

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Matt, Yvette und ich im Pub

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Yvette und ich

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mehr Regen

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verletztes Känguru (hin geschaut hab ich nicht – aber ein Bild gemacht)

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schöner Track

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schnelle Pferde

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Heimweg vom Track

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Roxy und Tiger beim Spielen

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Welpe schläft im Pub

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vor dem Putzen und danach

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Boxen

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nasse Wäsche nach dem Regen

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