No water, failing hairstyle and found pony

Samstag 07.11 – Sonntag 15.11.2015

In meiner ersten Woche auf der nun vierten Farm habe ich mich super eingelebt. Hier gibt es wie schon erwähnt ca. 35 Rennpferde, von denen ca. 15 gearbeitet werden. Das heißt für mich, dass ich auch ein paar Pferde reite.
An meinem zweiten Tag haben wir gleich einen Ausflug ins 60 km entfernte Wondai gemacht. Dort gibt es eine Übungsrennbahn (Track) mit Sand. Der älteste Sohn Sidney war auch dabei und außerdem 6 Pferde. Für mich war es sehr spannend das zu sehen und die Pferde sind abartig schnell. Bisher hatte ich Pferderennen nur im TV verfolgt und nun war es an der Zeit die Rennpferde live in Action zu sehen. Das sieht sehr spektakulär aus und die beiden Jockeys Hannah und Jason sind echte Profis. Meine Aufgabe war, die Pferde abzuduschen und mit dem Handtuch trocken zu reiben.
An diesem Tag bekam ich einen Industrie-Ventialtor für mein Zuhause der mich fast weg pustet. Der andere in meinem Container funktioniert nicht mehr und bald soll es richtig warm werden.
Die Kinder sind faszinierend. Der Sohn Percy setzte sich ein paar Minuten an den kaputten Ventilator, schraubte ein bisschen und siehe da: Er funktionierte wieder ! Was sein Papa nicht hin bekommen hatte, schaffte der intelligente Grundschuljunge.
Die Hündin Wombat ist meine beste Freundin geworden und folgt mir überall hin. Sie schläft in meinem Container und lässt mich keine Sekunde aus den Augen. Wenn ein Pferd mir zu Nahe kommt, bellt sie es an, rennt hinterher und verscheucht es. Mein Chef James findet es total faszinierend, wie der Hund so auf mich fixiert ist, obwohl er mich erst ein paar Tage kennt und ich ihn nicht mal füttere oder sonst was.
Da James auch Rennpferde züchtet, durfte ich dabei auch schon helfen. Nicht wie bei den meisten Warmblütern (meistens Spring-, oder Dressurpferde) müssen die Vollblüter (Rennpferde) per Natursprung gedeckt werden. In Deutschland läuft das also oft über eine Spritze mit dem Samen des Hengstes die die Stute bekommt. Hier mussten wir zu James Bruder fahren der seinen Stall nur 1 km weit weg hat und die Stute zum Hengst lassen. Erst wird geschaut, ob die Stute „on“ (rossig) ist, also bereit zur Paarung. Ich hab mich ein bisschen gewundert, dass James und ich nur zu zweit waren, obwohl ich das noch nie gemacht habe. Ganz unkompliziert stand ich dann mit der Stute mitten auf der Koppel im Matsch in einer kleinen Senke, machte eine Nasenbremse drauf und sie bekam ein Seil um einen Hinterfuß sodass sie nicht ausschlagen konnte. James kam mit dem Hengst. Dieser beschnupperte die Stute erst, dann biss er ihr ein paar Mal in den Schenkel und dann wollte er drauf springen. Da die Stute das noch nie erlebt hat, wollte sie ständig los laufen und ich hatte alle Mühe sie zu halten, zumal es total matschig war. Irgendwann klappte es aber und wir hoffen nun, dass ein Fohlen entsteht.
Meine täglichen Aufgaben sind immer unterschiedlich und ich lerne hier sehr viel. Das Anfangen um 5 fällt mir auch nicht mehr schwer, zumal es da schon hell wird und auch schon warm ist. Erst bringe ich die Pferde die nachts in den Boxen sind auf die Paddocks, dann bekommen alle Heu das ich mit dem Quad ausfahre und anschließend miste ich alle 8 Boxen aus. Davor hatte ich bevor ich her gekommen bin am meisten „Angst“, weil ich ja auf der zweiten Farm bis zu 60 Boxen pro Tag gemistet habe und das echt anstrengend und schlecht für den Rücken ist. Hier ist das aber total schnell erledigt, weil die Pferde ja nur nachts in den Boxen sind, das Sägemehl so leicht ist und es nur so wenige Boxen sind.
An einem Tag war mein Chef auf einem so genannten „Trial“. Das ist quasi eine Art Proberennen, wo man sehen kann wie die Pferde auf einem echten Rennen abschneiden würden. Leider konnte ich nicht mit, weil man eine Lizenz braucht und meine noch nicht da ist, aber die beiden Pferde waren sehr erfolgreich.
Da es zu matschig zum Reiten war, kamen die meisten Pferde oft nur in die Führanlage.
Als es Ende der Woche trockener war, sollte ich mit einem Pferd ins Roundpen, dieses ein bisschen im Kreis laufen lassen und dann reiten. Leicht verwundert war ich schon, als es sich seltsam mit dem Sattel verhielt und komisch bockte. Als ich aufsteigen wollte, machte die Stute erst mal einen Satz zur Seite. James kam gerade und meinte: „Ach ja, die wurde noch nicht so oft geritten, die kennt das nicht.“ Aha, dachte ich mir, gut zu wissen, dass ich ein noch nicht ganz fertig eingerittenes Pferd reiten soll. Ganz langsam stieg ich in den Sattel und sollte mich erst mal quer über den Rücken legen. Dann ließ die Stute mich aufsteigen. Gleich am Anfang sollte ich viele kleine Kreise reiten, falls die Stute los rennen und bocken sollte. Die Kreise wurden größer und dann trabte ich auch ein bisschen. Mein Ross verhielt sich vorbildlich und nach einer halben Stunde stieg ich glücklich ab. Das zweite Pferd war schon schwieriger. Dieses war auch noch nicht lange unter dem Sattel und machte beim frei laufen lassen gleich Rodeo vom Feinsten. Ich fragte mich, ob sie das auch so toll kann, wenn ich drauf sitze. James kam und fragte mich, ob ich mir trotzdem zutraue sie zu reiten. Ganz nach dem Motto: „Wer nichts wagt, …“ schwang ich mich auf das Tier und machte das Gleiche wie mit dem Vorherigen. Ich war super happy als sie ebenfalls brav war und freute mich, mich getraut zu haben.
Am nächsten Tag gings wieder zum Üben auf die Rennbahn und das eine junge Pferd das ich am Vortag geritten bin, schmiss gleich mal den weiblichen Jockey runter. Zum Glück passierte nichts und alles war gut. Nach dem Track gehen wir immer zum Bäcker. Dort gibt es ganz andere Sachen als in Deutschland und neben „Sausage-Rolls“, „Meat-Pies“, „Bacon“ und „Tuna-Sandwich“ muss ich immer eine Weile suchen, bis ich was vegetarisches finde.
Die Arbeit hier ist viel gechillter als auf der letzten Farm und James ist ein total guter Chef. Er sagt nie, dass ich was machen soll, sondern fragt immer, ob ich das machen will. „Do you want to feed the horses?“ Und so weiter. Er schaut auch immer, dass ich nicht zu lange arbeite und verschiebt Sachen somit auch mal auf den anderen Tag, wenn ich schon genug gemacht hab. Wir fangen meistens um 5 an, dann frühstücke ich so um 9, mache Mittag von ca. 12 bis 4 und dann geht’s nochmal bis ca. 6. Das sind gute Arbeitszeiten und das passt auch wegen der Sonne gut, weil die ist mittags am Stärksten.
In der Nacht von Sonntag auf Montag kam ein Fohlen zur Welt. Ganz allein und ohne menschliche Hilfe. James sah es am nächsten Morgen nur im vorbei laufen und sagte es mir. Dann hatte ich einen „Magic-Moment“: Das Fohlen lag und ich konnte es streicheln. Normalerweise stehen sie sofort auf oder die Mama geht dazwischen. Ich konnte mich sogar dazu legen und es blieb liegen und genoss die Streicheleinheiten. Leider hatte ich mein Handy nicht dabei um Bilder zu machen. Ich schob die Zutrauliche Art aber auf die ermüdende Geburt. Mein Chef konnte es gar nicht glauben, weil er sowas auch noch nie gesehen hatte. Am nächsten Tag wollte ich es nochmal versuchen. Wieder genau so lieb blieb das Kleine liegen und ließ sich überall streicheln. In Ruhe konnte ich meine Kamera auf dem Zaun positionieren und lag dann eine halbe Stunde im Matsch und kuschelte mit dem Fohlen und der Mama. Dieses Erlebnis wird mir für immer in Erinnerung bleiben und seither nehme ich mir jeden Tag Zeit für Fohlen und Mama. Es kommt nun sogar immer schon freudig von der großen Koppel aus auf mich zugetrabt und empfängt mich.
Eine Aufgabe von James war, dass ich die Futterkammer aufräumen sollte. Da sah es aus wie im Schweinestall und hatte es bitter nötig. Überall lag Futter auf dem Boden. In stundenlanger Arbeit räumte ich auf und fegte alles gründlich. Mein Chef und ich waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis und es machte mir sogar Spaß.
An einem anderen Tag sollte ich das selbe mit dem Waschplatz machen. Dieser war genau so chaotisch und die Sättel hingen genau neben dem Schlauch, sodass sie jedes mal nass wurden. Ich sortierte und alles bekam seinen Platz. Sogar der kleinen Penny fiel auf, dass es nun viel besser aussieht.
Der nächste Punkt auf der „Aufräum-Liste“ war der Quad-Anhänger. Man muss immer mit Eimern Wasser zu einem Pferd transportieren und wenn das Wasser auf das Heu im Anhänger schwappt, gibt das eine riesige Sauerei. Mit einer Metallstange musste ich die ganze festgeklebte zentimeterdicke Schicht vom Hängerboden lösen. Das brauchte viel Zeit und Kraft. Ich sah danach aus wie ein Schwein und roch auch so. Es sah aus wie Kuhscheiße und nicht mal nach dem Duschen bekam ich den Geruch weg.
Es hat viel geregnet, aber die Temperaturen waren mit um die 30 Grad gut. Auch heftige Stürme und Gewitter waren dabei. Da meine Fenster im Container immer offen sind (Schiebefenster) hab ich leider nicht daran gedacht diese zu schließen. Somit war alles nass, inklusive Klamotten, TV, Ladekabel, Essen und Steckdosen. Zum Glück gabs keinen Kurzschluss und ich konnte alles (außer dem Essen) retten.
Als ich an einem Tag gerade Stroh ausfuhr, entdeckte ich ein Minishetty dessen Hufe grausam aussahen. Es konnte schon gar nicht mehr laufen. Ich wusste nicht wo es her kam, aber ich fing es ein und band es an. Ich fragte ganz viele Leute über Whatsapp wie man Hufe ausschneidet, aber natürlich ist das nicht einfach erklärt. Zum Glück kam mein Chef nach einer Weile wieder und bearbeitete die Hufe des armen Ponys. Danach entließ ich es wieder in die Freiheit.
Die Pferde hier haben alle so lange Mähnen und Schweife und ich konnte das nicht mehr mit ansehen. So suchte ich in Google nach Bilder von Rennpferden und schaute mir an, wie kurz die Mähnen sind. Einigen Pferden verpasste ich dann einen coolen Look und war super zufrieden. Zuhause habe ich das immer meiner Freundin überlassen. Die Pferde hier waren also meine Versuchskaninchen und die Mähnen wurden echt sehr gerade. Ich war hoch zufrieden. Als mein Chef dann kam, versuchte er mir ganz dezent zu erklären, dass man Mähen von Rennpferden eigentlich nie schneidet, sondern immer nur mit einem Messer verzieht, also die langen Haare raus reißt. Mir war das sehr unangenehm und ich hoffe, dass die Haare schnell wieder wachsen, bevor mein Chef sich bei anderen Leuten mit den Frisuren blamiert. Zumal die meisten gar nicht seine Pferde sind. Ich wollte am liebsten im Boden versinken.
Donnerstags essen Kinder im Pub kostenlos und somit machten wir einen Ausflug dort hin. Für mich gabs vegetarische Pizza und Cider (alkoholisches Getränk). Wir waren die Einzigen dort und hatten einen total schönen Abend mit viel zu lachen. Die Pubs sind hier nicht wie in Deutschland und so gehen dort auch oft Familien zum Essen hin.
Am Freitag wollte ich die vier Pferde die am Samstag aufs Rennen gingen einshampoonieren. Ein Pferd war schon fertig, als das Wasser aus ging. Es kam einfach nichts mehr aus dem Schlauch. Hier gibt es kein fließend Wasser und alles kommt aus dem Tank. Deswegen trinken wir auch Regenwasser. Ich wusste leider nicht, wie man Wasser in den Tank bekommt. Mein Chef war nicht da und ich erreichte ihn auch nicht. Somit mussten die Duschen auf den nächsten Morgen verlegt werden.
Samstags morgens war ich aber schnell und machte die 3 restlichen Pferde hübsch fürs Rennen. Auf der anderen Farm habe ich das gehasst und keinen Sinn drin gesehen und hier wasche ich oft einfach so freiwillig die dreckigen Pferde und mache dann dünne Decken drauf, dass sie sauber bleiben. Mein Chef und seine Frau gingen dann aufs Rennen und dafür kamen die Eltern von meinem Chef seiner Frau. Diese wohnen nicht weit von hier weg und sind total nett. Wir hatten den ganzen Samstag über viel Spaß und einiges zu lachen. Außerdem schauten wir Filme zusammen. Die junge Oma der Kinder kochte ein leckeres Essen und ihr war es peinlich, dass ihr niemand gesagt hatte, dass ich Vegetariern bin. Dann gabs halt Gemüse ohne was, aber das war ok für mich.
So ging die Woche schön zu Ende und ich fühle mich hier sehr wohl.

Liebe Grüße
Nadine

Abendessen von meinem Chef seiner Frau
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Futterkammer aufräumen

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Vorher

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Nachher

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Mist im Anhänger

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Mein kleines Fohlen

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das freche, große Fohlen

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Ein paar Stunden nach der Geburt

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frei laufendes Pferd

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Nach der Arbeit

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Hufe vom Pony

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Wombat ist müde

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„Magic Moment“ mit dem Fohlen

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Berry-Pie

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Skypen mit Mama, Bruder und meinem Hund Lucky

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erstes mal Halfter

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