Why?

Samstag, 28.05.2016

Es soll nicht so sein. Es soll ganz und gar nicht so sein. Irgendwas will mir sagen, dass ich diese ganze Aktion abblasen soll und mein Motorrad verkaufen.
Alles fing so schön an. Welshy aus Wales und ich trafen uns um 7 Uhr um gemeinsam zum Mechaniker zu gehen. Mein Reifen sah nicht mehr gut aus und ich wollte ihn wechseln. Bei Welshy hatte der Öltank ein Loch. Der Mechaniker sagte es solle 80.000 Dong kosten. Am Ende waren es 300.000 also umgerechnet ca. 18 Euro die ich hinblättern musste. Mann das Motorrad kostet mich was.
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Welshy wollte dann irgendwie doch nicht mehr wie ausgemacht mit uns mitfahren und wir ließen uns extra Zeit um auf ihn zu warten. Nach dem Frühstücken, Packen und auschecken, war es dann schon nach 10. Das kann ich gar nicht leiden. Wenn ich plane ich will um 8 los, will ich auch dann starten, zumal ich wusste dass das ein langer Tag wird.
Berni fuhr vor und normalerweise bin ich schneller, aber er hatte einen ordentlichen Zacken drauf. Wir mussten wieder über diese doofe Straße im Wald von vorgestern. Es standen so viele LKW und Walzen rum, dass ich dachte wir werden gleich überfahren. Außerdem mussten wir wieder in den Matsch ausweichen. Ich flog ein paar Mal fast um, weil es so rutschig ist und meine Beine dort nicht auf den Boden reichten. Meine Knie zitterten und ich war froh, da draußen zu sein. Das ist so gefährlich!
Die ganze Zeit fuhren wir über den sogenannten Ho Chi Minh Highway in Richtung Khe San. Die Straße war sehr gut, aber in Deutschland wäre diese Straße eine schlechtere Landstraße und keine Autobahn. Es kamen uns weder Menschen noch Fahrzeuge entgegen. Nur Rinder, Ziegen, Hunde und andere Tiere kreuzten die Straße. Wir müssen immer lachen, wenn die Kühe sich keinen Meter bewegen und wir hinter ihnen rum fahren müssen. Die Landschaft war wunderschön. Es ging über Berge, der Himmel war strahlend blau und die Sonne knallte vom Himmel. Und nein wir beschweren uns nicht über die abartige Hitze (vor allem im Regenwald). Wir genossen die Fahrt total, ließen uns den Fahrtwind durch die Haare wehen und hatten Zeit diese beeindruckende satt grüne Landschaft zu bestaunen.
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Die ganze Zeit hatte man weder Handyempfang noch Internet. Ich wusste das wird eine lange Etappe und hoffte bei jedem Kilometer mehr, dass Emma das ohne Zicken durchhalten würde. Im Kopf hatte ich schon den Blogeintrag. Ich wollte schreiben, dass ich stolz auf sie bin, dass sie unseren ersten langen Trip durchgehalten hat und ich immer mehr Vertrauen in sie bekomme. WOLLTE!
Die Straße ist sehr kurvig und es gibt kein langes gerades Stück. So brauchten wir für 100 Kilometer fast 5 Stunden. Das gibt es auch nur in Vietnam. Außerdem lag teilweise Rollsplitt auf der Straße und man musste vor allem in Kuren sehr aufpassen. Auf der ganzen Strecke gibt es weder richtige Dörfer, noch Restaurants oder eine Tankstelle. Man ist hier auf sich allein gestellt. Wir hielten kurz an für eine Verschnaufpause und wollten weiter fahren. Plötzlich machte Emma total komische Geräusche und wollte nicht mehr weiter. Gleich sah ich, dass die Kette unten war. Keine Ahnung wie man die wieder drauf bekommen sollte. Zufällig genau dann sahen wir das erste Auto und zwar ein Kleinbus mit Vietnamesen drin. Diese wollten erst nicht helfen, aber guckten es sich an. Ein Junge drehe ein paar Mal am Hinterrad und dann war die Kette wieder drauf. Da fährt man stundenlang und sieht keinen und dann zufällig das. Ein Mädchen gab mir Tempos, denn ich sah nach dem Versuch die Kette drauf zu machen aus wie ein Schwein. Es ging weiter und wir sahen einen Backpacker am Straßenrand und hielten an. Seinem Kumpel ist der Rucksack vom Motorrad gefallen und er sucht ihn. Die Geschichte kenne ich doch. Wir standen da, als 10 andere Backpacker mit ihren Motorrädern her gefahren kamen. Zwei Mädels fuhren hintereinander und die eine hielt an. Die andere sah das nicht und rauschte mit voller Geschwindigkeit rein. Es sah aus wie im Comic. Teile flogen durch die Gegend, die Mädels überschlugen sich und die Bikes schlitterten zu Boden. Wir rannten sofort hin und zum Glück passierte den Mädels nichts. Sie hatten beide lange Hosen und Pullover an und waren aufgeschürft. Die Motorräder sahen total zerlegt aus und eins ging nicht wieder an. Einer der Gruppe kümmerte sich darum und brachte das Bike wieder zum laufen. Nicht ungefährlich in einer großen Gruppe zu fahren.
Wir fuhren weiter, denn die anderen waren aus der Richtung gekommen wo wir hin wollten und waren bereits 4h unterwegs. Das kann ja noch lang werden. Die Fahrt war gut bis auf eine andere Nahtoderfahrung. Die LKW fahren immer mitten auf der Straße und machen auch keinen Platz für Zweiräder. Wir sahen erst spät, dass er mit Vollspeed auf unserer Fahrbahn entgegen kam und schafften es gerade so, auf die Seite auszuweichen. Schon wieder Glück im Unglück. Uns kamen noch ein paar Fahrzeuge auf unserer Fahrbahn entgegen. Wenn man um die Kurve fährt, hupt man auch immer laut. Am Anfang fragte ich mich warum ich das mache, wenn sowieso keiner unterwegs ist, aber am Ende hin hat sich das ein paar Mal ausgezahlt. Ich hoffte die ganze Zeit die Kette würde drauf bleiben, aber sie sprang erneut mit einem lauten Ruck runter. Zum Glück waren da junge Leute die anhielten und uns halfen.
Keine 50 km später dasselbe. Nun sahen wir auch noch, dass die Kette einen Riss hatte. Ich sah aus wie ein Kaminfeger als ich die Kette wieder drauf hatte. Berni und ich hofften und beteten aber nach ein paar Metern tat es wieder einen Schlag und die Kette war nun endgültig in 2 Teile zerteilt. Zum Glück ging es diesmal (nicht wie die ganze Zeit) bergab. Berni musste ein paar Mal von hinten anschieben und ich bekam Krämpfe vom Kupplung halten. Ins nächste kleine Dorf waren es 12 km und wir wussten das würden wir so nicht schaffen. Wir kamen an einem Haus vorbei und zeigten den Leuten die Kette. Diese riefen jemand an und nah 10 Min. kam ein Mechaniker. Fast wie beim ADAC in Deutschland also. Dieser schaute es sich an und meinte ich bräuchte ein komplett neues Kettenrad. So fuhr ich bei ihm auf dem Roller hinten drauf mit zu seiner Werkstatt um dieses zu holen. Ein anderer Typ signalisierte mir, dass ich mich an dem Typ während dem Fahren festhalten sollte, weil er das mag. Das war unangenehm und ich hatte ein sehr mulmiges Gefühl allein mit dem Typ mitzugehen. Die Fahrt zur Werkstatt dauerte ewig und zum Glück fuhr er anständig. Dort wurde ich von seiner Frau begrüßt die mir Spülmittel gab um mich zu waschen und mich in Zeichensprache ermahnte, dass ich lange Sachen wegen der Sonne anziehen sollte. Ich sah verheerend aus und hatte trotz mehrmaligem eincremen einen fetten Sonnenbrand. Wir fuhren zurück und der Typ tauschte Kettenrad und Kette aus. Hoffentlich ist jetzt nah dem 12. Mal in der Werkstatt mal eine Weile Ruhe. Sage und schreibe 43 Euro kostete mich der Unsinn schon wieder. Außerdem wollte der andere Typ mich heiraten. Zum Glück schaltete Berni schnell und sagte wir wären verheiratet.
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Leider ging schon langsam die Sonne unter und für die verbleibenden 70 km sollten wir noch über 3 Stunden brauchen. Da es aber nirgendwo anders ein Hotel gab mussten wir da hin. Uns taten unsere Hintern abartig weh (die Honda ist mehr wie eine Holzbank), ich hatte Kopfweh und keine Lust mehr. Die 300 km am Tag in Australien fühlten sich schon viel an aber über 200 km am Tag hier ist fast nicht machbar.
Hilft ja nix, also Zähne zusammen beißen und weiter. Im Dunkeln fahren ist hier sehr gefährlich vor allem in den Bergen, wo Kinder, Kühe, Hunde und alles mögliche unvermittelt die Straße kreuzen. Mein Rücklicht funktionierte nicht und Bernis Abblendlicht auch nicht. Er setzte sich seine Stirnlampe auf. Ich sah überhaupt nicht wo ich hin fuhr und musste langsam fahren. Mein Licht ist alles andere als gut. Außerdem sieht man die Schlaglöcher so auch nicht. Die Fahrt war also eine einzige Tortur und die Kilometerzahl auf den Schildern wollte nicht weniger werden. Außerdem waren die Moskitos ein sehr großes Problem. Diese fliegen in die Scheinwerfer und laden einem direkt im Auge. Ohne Übertreibung sieht das im Scheinwerfer aus wie Schnee und wenn man durchfährt fühlt es sich wie Hagel auf der Haut an. Absolut unangenehm und ich sah nichts mehr vor lauter Fliegen im Auge. Wir sahen 2 Männer am Straßenrand die uns signalisierten anzuhalten. Das war mitten im Wald wo es sowieso schon unheimlich war. Eine erneute Panne wäre fatal gewesen. Die Männer kamen auf uns zu und Berni schrie ich solle weiter fahren. Wir beide gaben Vollgas und erst da sahen wir, dass die Männer eine Kettensäge in der Hand hatten. Hört sich an wie im Horrorfilm, ist leider die Wahrheit.
Über booking.com buchten wir ein Hotel, als wir nach 8 Stunden endlich wieder Empfang hatten. Ein sehr netter Vietnamese den wir nach dem Weg fragten fuhr vorne weg und brachte uns dort hin. Man kann sich nicht vorstellen was für ein geniales Gefühl es war als wir ankamen. Ich hatte Kopfweh und bestimmt trotz viel Trinken einen leichten Sonnenstich und Berni hatte Fieber, aber wir hatten es geschafft !
Die Zimmer waren sehr groß und wir zahlten 8 Euro pro Person was für Vietnam viel ist.
Ich lief nach der wohltuenden Dusche los um was zu Essen zu suchen und Berni ruhte sich aus. Es war schon 8 und wenn man bedenkt, dass wir um 10 los gefahren waren und außer der Panne keine große Pause hatten, ist das schon lange. Leider fand ich in ganz Kha San nichts zu essen, obwohl wir seit dem Frühstück keinen Bissen mehr hatten. Ich traf nette Backpacker die auch mit dem Motorrad da waren. Da sie vom Süden kamen, konnten wir uns austauschen
Mit dem Wissen am nächsten Tag eine fast genau so lange Strecke zu haben und mit hungrigem Magen schlief ich fix und fertig ein.

Angestrengte Grüße
Nadine

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