Help, I need somebody, help, …..

Freitag, 15.05.2015

Der Tag hat absolut chaotisch angefangen und ich war am Rande der Verzweiflung.

Wir haben nachts fast nicht geschlafen, weil immer jemand anderes wach war und zwar keine Geräusche gemacht hat, aber wenn mal jemand in einem 12-Mann-Zimmer wach ist, kann ich auch nicht mehr schlafen. Die Nacht war also kurz und mit wenig Schlaf verbunden.

Mein Wecker sollte um 8 klingeln, aber entweder tat er das nicht (ich hatte 3 Wecker) oder ich hörte ihn einfach nicht (eher das Letztere 😉 ). Mit einem Herzinfarkt guckte ich um 15 nach 10 das erste mal auf mein Handy. Wie eine Rakete jumpte ich aus dem Bett, rannte ins Bad und duschte, weil man um halb 11 auschecken oder 25 Euro extra zahlen muss. Ich war fast fertig mit Duschen als ein Mann von der Rezeption ins Bad kam und fragte, ob da eine Nadine sei. Ich solle mich beeilen oder müsse zahlen, so die Aussage. Mit Handtuch auf dem Kopf, ungepackten Koffern und ohne Schuhe stand ich vor der Rezeption und wollte meine Schlüsselkarte abgeben. So einfach gings leider nicht und ich sollte meinen Backpack aus dem Zimmer räumen und mein Bett abziehen. In Rekordgeschwindigkeit und unter mitleidigen Blicken meiner Zimmerkollegen, fegte ich durchs Zimmer, schmiss mein ganzes Zeug das quer im Zimmer verteilt war (sogar unter meinem Bett) vor die Türe und stand um 10:29 Uhr mit Bettwäsche erneut vor den belustigten Hostelmitarbeitern. Das war knapp. Zeit zum Packen war nicht mehr und so schmiss ich alles was nicht in den Backpack passte, in 2 Plastiktüten, inkl. restlichen Nahrungsmitteln. Ich gab einfach alles um schnell fertig zu werden, aber leider fand ich meine Handtasche mit dem Geld und dem Zugticket nicht mehr. Die Suche dauerte ewig und endete ohne Erfolg. Auch die anderen suchten alles ab. Viel zu spät fragte ich an der Rezeption und aus unerklärlichen Gründen hatten die meine Tasche (nein ich war gestern nicht betrunken). Ich bin einfach sehr „clumsy“.

Der Abschied von den Anderen war sehr schwer und alle waren traurig. Wenn man ne Weile zusammen wohnt, kocht, Party macht, usw. fällt es nicht leicht zu gehen. Elsbeth und James bleiben aber noch eine Weile da und ich besuche sie noch mal.

An der Tram-Haltestelle vor dem Hostel fragte ich einen Mann wie ich zum Bahnhof komme. Dieser gab mir die Richtung vor und ich saß in der nächsten Tram. Nach 10 min Fahrt waren wir außerhalb vom Ort. Als ich eine Frau fragte, sagte sie mir ich sei in die falsche Richtung unterwegs. Es war halb 12, um 12:05 Uhr sollte mein Zug fahren. Ich musste noch mein Ticket umbuchen, hatte kein Plan wo ich war und als ich ausstieg und am Stadion auf die Tram in die andere Richtung wartete, wurde ich immer verzweifelter, war auch noch weit und breit die Einzige und nicht mal sicher, ob hier jemals wieder eine Tram vorbei kommen würde. Am liebsten hätte ich geheult, aber ich bin ja stark 😛 Als die nächste dann kam, gab ich die Hoffnung schon fast auf, noch rechtzeitig da zu sein. Um 11:45 Uhr, stoppten wir endlich an der richtigen Haltestelle und ich rannte bepackt mit 2 Tüten, Backpack, kleinem Rucksack, Handtasche und Kameratasche wie bekloppt zum Bahnhof. Das Pech wollte nicht enden und die Schlange am Ticketschalter war enlos. Mit ganz viel „sorry“ und „I´m in a hurry“, stellte ich mich an den Anfang und die Leute schauten verständnisvoll. Leider sah das die Dame am Schalter anders und gab mir erst mal einen fetten Einlauf, worauf ich mich wieder entschuldigte, was sie aber nicht besänftigte. Trotzdem buchte sie mein Ticket um und beschrieb mir den Weg zum Bahnsteig. 12:04 Uhr: rennende Nadine, auf der Suche nach dem richtigen Bahnsteig, nass geschwitzt und keuchender Weise. Zug war in Sicht, als es 12:05 Uhr war. Bevor die Türen schlossen, sah mich in letzter Sekunde ein Bahnmitarbeiter, funkte dem Lokführer und eine andere Frau und ich rannten um unser Leben. Wir saßen noch nicht mal und der alte Zug setzte sich in Bewegung. Das war wirklich in letzter Sekunde.

Dann freute ich mich nur noch auf mein Frühstück im Zug. Die Schlange am Kiosk war sehr lange und ich wartete 15 min. Als ich meine Bestellung durch gab, sagte der Vekäufer: „Sorry, der Service ist eingestellt, ich verlasse den Zug an der nächsten Station“. Hungrig, niedergeschlagen und fertig ließ ich dann 2h lang die Landschaft an mir vorbei ziehen, die aussah wie in Deutschland. Viele Schafe, Kühe, Pferde und sonst nur Natur und schönes Wetter. Ganz nach meinem Geschmack also.

Am Bahnsteig in Violet Town erwartete mich schon Sophia die seit einigen Monaten auf der Farm arbeitet. Sie ist 19, auch von Deutschland und hat mich nett empfangen. Im Auto warteten mein neuer Chef Tom und sein kleiner, süßer Hund Keith auf mich. Tom ist 29, Besitzer der Pferdefarm und züchtet die Pferde, die später zu seinen Eltern auf die Farm gehen und Rennen laufen.

Nach wenigen Minuten waren wir auf der Farm die mitten im Nirgendwo ist. Genau wie bei uns zu Hause im Dorf muss man 20 min. bis zur nächst „größeren“ Stadt fahren, wo man dann richtig einkaufen kann, usw. Das Anwesen ist mit 80 Hektar (ca. 113 Fußballfelder) unbeschrieblich riesengroß, total gepflegt und ein Traum. Mit dem Auto sind wir alle Koppeln abgefahren und ich hab die Zuchtstuten, Fohlen, Kühe und den Wallach Angus kennen gelernt.

Zurück auf der Farm sah ich den Hofhund „Bowie“, der draußen schläft und auf die Hühner aufpasst und die vielen Hühner, Truthähne und 6 Stuten mit ihren jungen Fohlen im Stall. Sophia hat mir dort gezeigt, wie man mit dem Handtuch Fohlen „abklopft“, sodass diese an Menschen gewöhnt werden und Tom und sie haben diese dann erst drinnen, dann draußen geführt, wo einige sehr gesponnen und gebockt haben.

Ich hab mich gleich wohl gefühlt und bei bestem Wetter konnte ich mein Bungalow-Haus beziehen. Das ist direkt an den Koppeln dran, ich hab den Wallach Angus als Nachbar und ein eigenes zu Hause. Es wird zwar die ersten Nächte allein sehr einsam werden, weil ich ja die Hostelzimmer und die netten Leute um mich rum gewohnt bin, aber hoffentlich gewöhne ich mich dran. Bad, Küche und Wohnzimmer sind im Haus von Tom, wo auch Sophia ihr eigenes Reich hat.

Jeden Freitag, so auch heute, gehts mit dem Auto zum nächsten Aldi und Sophia und ich dürfen alles mitnehmen, was wir wollen. So wurde der Wocheneinkauf zum Spaß und wir kauften Zutaten für Pancakes. Der Aldi sieht genau so aus wie die Deutschen, es gibt fast das gleiche und auch die Preise sind günstig.

Tom und Sophia haben mir erklärt, dass Freitag Pub-Tag ist und ich deswegen früher kommen sollte. So fuhren wir zu 3. in den nächsten Ort und wurden in dem großen, gemütlichen Pub schon von dem netten Besitzer empfangen, Bei ein paar Bier und Pommes unterhielten wir uns sehr gut und ich konnte meinen neuen Chef gleich von der nicht-Chef-Seite kennen lernen. Sophia durfte am Glücksrad drehen, aber gewann leider kein Freibier. Da Tom nicht viel trinkt, wenn er fährt, haben wir irgendwann wieder zur Farm gewechselt und da noch weitere Bier und Wein getrunken.

Nach dem tradionellen Pizzaessen nach dem Pub fiel ich dann müde ins gemütliche Bettchen von meinem ersten eigenen Haus. Mit dabei war Hund Keith, der in meinem Bett schlafen durfte.

Grüße vom Pechvogel am Morgen und Glückspilz am Abend

Nadine

Schönes Wetter auf der Farm

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Fohlen führen

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Sophia und Hund Keith

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