Groom at a australian showjumping competition

Samstag, 29.08. & Sonntag, 30.08.2015
Um 3 Uhr klingelte mein Wecker. Das erinnerte mich an die Zeiten auf der anderen Farm. Im Dunkeln haben Saphia und ich dann 7 schlafende Pferde geweckt und zum Anbindeplatz gebracht. Alle Decken bis auf 2 runter und dann sollten eigentlich Andrew und Jenny kommen. Wir warteten sage und schreibe 45 min. in der Kälte, bis im Haus das Licht anging und sie endlich raus kamen. Dann alle Pferde in den großen Truck geladen und los gings ins 40 min. entfernte Windsor. Ich saß im Bett des LKW, was sehr bequem war. Jenny fuhr mit einem weiteren Pferdeanhänger mit Futter hinterher. Wir sahen wilde Kängurus am Straßenrand was sehr cool war. Andrew konnte es gar nicht verstehen, dass wir das so faszinierend fanden. Die Australier schießen lieber Kängurus. An einer Ampel blieb uns allen fast das Herz stehen als diese rot war und Andrew nur noch in letzter Sekunde mit der Handbremse bremsen konnte. Seine Jeans hatte sich im Bremspedal verfangen. Das ging nochmal gut und danach waren wir alle wach.

Auf dem Turnierplatz angekommen, luden wir alle Pferde aus und banden sie am LKW fest. Was in Deutschland unvorstellbar wäre, ist hier Gang und Gäbe und auf dem gesamten Parkplatz waren Pferde angebunden. Sogar an Zäunen machen die ihre 4-Beiner fest. Wie gesagt: Der Umgang mit den Pferden ist hier viel lockerer als Zuhause. Dann bekamen alle ihr Wasser, Heu und Futter und waren total entspannt. Somit hat man im Truck viel Platz und Jenny holte einige Haken und Sattelständer raus. Der LKW wird also praktischerweise zur großen Sattelkammer.
Der Stress ging jedoch für uns gleich schon los. Noch vor dem ersten Kaffee, mussten wir die Bandagen von jedem Pferd weg machen, den Zopf vom Schweif aufmachen, alle tip top putzen und herrichten und den ersten Sportler satteln. Jedes Pferd hat sein eigenes Turniersattelzeug und bis ich mir merken kann was zu wem gehört, vergehen noch ein paar Turniere.

Hier gibt es nicht wie bei uns Klassen (E,A,L, usw.), sondern Höhen. Es gibt 4 Ringe (Turnierplätze) nebeneinander und in einem Ring ist der Parcours z.B. 45cm hoch, im anderen 1,20m usw. Auf eine Tafel am Abreiteplatz schreibt der Reiter seinen Namen, um sich für die Prüfung anzumelden. An beiden Turniertagen hatte es 159 Prüfungen und weil das bei so einer Größe zeitlich nicht möglich ist, gab es auch keine Siegerehrungen. Die meisten Reiter erfuhren so oft erst am Abend im Internet ob sie platziert waren. Sehr selten gab es eine Art Siegerehrung (Showoff), wo der Sieger eine bestickte Abschwitzdecke bekam. Da ritten aber nur die besten ca. 5 Reiter ein, die Pferde bekamen Bänder um die Hälse und dann ritten alle wieder raus. Ohne Ansage, Beifall, Pokal oder Zuschauer. Ganz unspektakulär und ohne Ehrenrunde. Andrew hat sehr oft gewonnen und somit gabs einige Decken. Auch Jenny ist eine Prüfung mit ihrer Stute Lilly geritten und hat diese auch gewonnen. Die Stute ist erst 5 und somit ist sie das 1,05 m Springen gegangen. Jennys Bruder Paul der Lilly als Fohlen vor dem Schlachter gerettet hat, hat uns an beiden Turniertagen geholfen und war sehr stolz auf sein Pferd.

Die ganze Organisation ist anders als in Deutschland und so wird das Turnier zwar vom Sydney Jump Club ausgetragen, was ein Reitverein ist, aber es ist nicht so, dass Mitglieder vom Verein helfen und z.B. Essen oder Getränke verkaufen. Es gab nur einen teuren Essensstand der kommerziell war. Leider hatten wir keine Zeit uns Essen oder Trinken zu kaufen. Selbst zu 2. bzw. zu 3. war es sehr stressig, weil Andrew viele Prüfungen geritten ist. Oft gibt es auch ein Jump-off (wie ein Stechen) und teilweise war er dort mit 3 Pferden vertreten. Das heißt für uns, dass wir alles nochmal putzen und die Pferde schnell fertig machen müssen. Nach jeder Prüfung müssen wir das Sattelzeug sehr sauber mit Sattelseife putzen. Jenny fragte mich einmal, ob das Zeug sauber wäre. Ich guckte sie und Andrew an und sagte, dass ich es geputzt hätte, ich aber nicht wüsste, ob es sauber ist. Andrew der Jennys Perfektion kennt, lachte laut und auch Jenny musste schmunzeln.

>Die gesamte Turnierorganisation ist viel schlechter als in Deutschland. Es gibt keine richtigen Starterlisten, die Reiter müssen zu den Richtern hin reiten und sagen wer sie sind, weil es auch keine Startnummern gibt, die Sprecher müssen ständig durchsagen, dass mehr Leute auf den Abreiteplatz kommen müssen und es wird gewartet, bis wirklich keiner mehr die jeweilige Prüfung reiten will. Stilspringen (wo Sitz, Einwirkung, usw. bewertet werden) gibt es hier auch nicht. Alles geht auf Zeit und Fehler und somit reiten auch die Kinder schon auf Zeit. Trotzdem finde ich, dass das Niveau viel höher als in Deutschland ist. Die Kinder sind fähig ihre Ponys ohne scharfe Gebisse in einem schönen Stil und angemessenen Tempo vorzustellen und die meisten reiten nicht so, als würde es um Zeit gehen. Es fängt bei 45cm an und selbst dort gibt es schon 10 Sprünge oder mehr. Dieses Turnier ging bis 1,30m. In den höheren Springen sieht man sehr viele abenteuerliche Gebisse und fast keiner reitet mit einem normalen Gebiss, aber auch hier finde ich, dass man fast ausschließlich schöne, harmonische Ritte sieht.

Leider sind die Regeln viel lockerer als bei uns und so zählen nur die wenigsten Medikamente als Doping und man darf z.B. auch mit einer Augenentzündung des Pferdes starten. Hier gilt wieder die „no worries“ Mentalität. Generell gibt es hier glaube ich kein öffentliches Regelwerk wie bei uns die sogenannte LPO. Ich hab das Gefühl, dass so ziemlich alles erlaubt ist. So auch sehr fest verschlossene Ringe um die Fesselgelenke. Keine Ahnung wofür die sind, aber bestimmt damit die Pferde die Beine mehr einziehen. 3 unserer Pferde bekamen auch Ohrenstöpsel (extra welche für Pferde), dass sie nicht so Lärmempfindlich sind. Andererseits haben die Pferde aber definitiv nicht so viel Stress wie bei deutschen Turnieren. „Unsere“ Pferde haben den ganzen Tag geschlafen, wurden zur Prüfung wieder aufgeweckt und sind danach wieder eingeschlafen. Außerdem versorgten wir sie den ganzen Tag mit Heu und Wasser und sie fraßen Gras. Kein einziges unserer Pferde hatte Durchfall oder sonstige Stressanzeichen.

Auch Jenny die schon oft auf europäischen Turnieren war, bemängelt die Organisation. Es gibt auch nur einen Sprecher für den Ring mit der höchsten Prüfung und in den anderen Ringen weiß man nie, wer gerade reitet. So mussten wir immer Andrew suchen, wenn wir mal zuschauen wollten. Für die Reiter ist das ebenfalls kompliziert, weil sie sich im schlechtesten Fall den Parcours von 4 Ringen gleichzeitig merken müssen, wenn sie mit mehreren Pferden starten. Es gibt hier auch keine Blumen unter den Sprüngen und diese werden auch nicht wie in Deutschland ausgeflaggt, sodass man sieht von welcher Richtung man sie springen muss. Auch Bierbänke zum hinsetzten, suchte man vergeblich, aber es waren eh nicht viele Zuschauer da, obwohl das Wetter total perfekt war und an beiden Tagen die Sonne schien.

Im Washbay wo 5 Waschplätze nebeneinander sind, haben wir alle Pferde nach ihren Prüfungen komplett abgeduscht, einshampooniert und die Schweife wieder eingeflochten.
Zum Turnier haben wir auch ein Pony mitgenommen, dass einer Einstellerin gehört. Für sie ist es Tradition mit ihrer Freundin zusammen abzureiten, obwohl sie gar nicht startet.

Neben dem Turnier fand ein Turnier für Schafetreiben mit Hunden statt und einigen Pferden war das sehr suspekt. Am gleichen Wochenende fand im gleichen Ort außerdem ein Pferderennen statt. Also viel geboten hier.

Als schon alle Anhänger und LKW abgerollt, das Organisationsteam das Gelände verlassen hat und die Sonne schon am untergehen war, standen wir als Letzte immer noch auf dem Turnierplatz. Jenny ist da ganz genau und alles muss 200% sauber, die Pferde super geputzt, alles perfekt verstaut sein und seine Ordnung haben. Saphia und ich freuten uns, als die Pferde endlich im LKW standen und es Richtung Heimat ging.

Sonntags lief der Turniertag gleich ab wie der vorherige und es gab wieder einiges zu tun. Da ich aber schon die Abläufe kannte, war es einfacher und nicht so stressig. Ich konnte sogar Andrew ein paar Mal zuschauen. In einer Prüfung hat sein Pferd am Wassergraben gebremst und er ist reingefallen, aber es ist nichts passiert. In der letzten Prüfung des Tages sagte ich dem Pferd „Lucie“, dass sie gewinnen muss. Ich fragte Andrew was ich bekäme, wenn sie tatsächlich gewinnt. Er sagte, dass die Wahrscheinlichkeit zwar nicht hoch ist, er mir aber ein deutsches Bier spendiert. Das Frau zu Frau Gespräch hat geholfen, Lucie die Andrew einen Tag zuvor runter geworfen hat gewann und beim Rückweg stoppten wir in einem Shop und Jenny kaufte uns jedem 2 Heineken 🙂 Alle Leute sagten mir dann, dass ich Pferdeflüsterin werden sollte. Über das Wochenende hatte Andrew sehr viel Pferdefutter gewonnen und so mussten wir die 25 kg Futtersäcke (15 an der Zahl) auf den Truck hieven.

Alles in Allem hat es mir als TT (Turniertrottel) sehr viel Spaß gemacht, es war eine gute Abwechslung zum Stallalltag und ich würde auch sehr gerne mal auf einem australischen Turnier starten.

Turniergrüße von
Nadine

Perfektes Wetter

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45cm Springen

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Unser Truck

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Der Mond ist schon da und wir sind immer noch am Turnier

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Sonntag morgens bei 1 Grad

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