In the middle of nowhere

Mittwoch, 24.02.2016

Stef kam mitten in der Nacht ins Auto gekrabbelt, weil es doch kalt wurde und ich wachte auf, weil ich fror. Nachdem alle Fenster und Türen zu waren, konnte ich aber auch nicht besser schlafen. Lag vielleicht am Vollmond.
Mit Stef die genau so gerne fotografiert wie ich, machte ich aus, dass wir zum Sonnenaufgang aufstehen würden. Beide glaubten wir nicht daran es tatsächlich zu machen, aber bei der tollen Landschaft fiel das Aufstehen einfach. Es war noch nicht mal 7 als wir unsere Kameras platzierten und der Sonne zu schauten, wie sie hinter den Bergen vor kam und den ganzen See beleuchtete. Die Farben waren so kräftig und alles so schön, dass sich das Aufstehen definitiv gelohnt hatte.
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Statt gemütlichem Frühstück gabs aber nur Cornflakes im Stehen, weil Stef ordentlich Stress machte. Sie müsse ins Büro, so ihre Aussage. Dabei erzählte sie uns einen Tag vorher noch sie habe keinen Job. Nils ließ sich nicht stressen und hatte Zeit, Stef drängelte und wurde immer ungeduldiger und ich wusste nicht was ich davon halten sollte. Ich hatte kein Stress und fand es schade so gedrängelt zu werden. Während wir am Frühstück waren, schmiss Stef alle Sachen irgendwie ins Auto und Nils und ich fanden nichts mehr. Schon um 9 waren wir dann auf dem Weg gen Melbourne. Ich schlug den beiden vor sie an einer Bahnstation raus zu schmeißen, die auf meinem Weg liegt. Nils wollte aber mit mir bis in die Stadt fahren und Stef sogar bis vor ihre Haustüre. An diesem Tag waren die Temperaturen wieder abnormal und die Klimaanlage ging leider immer noch nicht. Für mich war das ein rieeeesiger Umweg, aber ich erbarmte mich missmutig bis nach Melbourne und noch weiter zu fahren.
Auf dem Highway hatte es nicht mal Radioempfang und weil beide schliefen war mir langweilig. Auch an der trockenen Landschaft hatte sich nichts geändert. Nach 4 Stunden erreichten wir Stefs Zuhause und sie verabschiedete sich nett im Stress und beschwerte sich, dass die Tankrechnung die wir durch 3 teilten zu hoch sei. Dabei wollte sie mir mehr Geld dafür geben, dass ich sie nach Hause fahre. Davon sah ich dann nix.
Nils war dabei dann in Nachteiligkeit geraten und ich fuhr ihn zwar nicht nach Melbourne rein (noch mehr Umweg), aber bis zu einer Bahnstation. Auch er bedankte sich nett für die zwei tollen Tage.

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Nun war ich allein und wusste, dass es bis zu der Farm noch weitere 4 Stunden Fahrt sein würden. Ich bereute es bereits einen so großen Umweg gefahren zu sein. Die ganze Zeit kam mir kein Auto entgegen und das bedeutete bestimmt auch keine Polizei. So schickte ich Sprachnachrichten mit den Lieben Zuhause hin und her und vertrieb mir die Langeweile. Meinen Tempomat auf 110 km/h gesetzt ging es immer gerade aus. Wenn man das Handy in Australien in der Hand hat, kostet das nämlich 400$ und 3 Punkte. Und da beschwert sich nochmal jemand über 40 Euro in Deutschland.
Die Fahrt zog sich ewig und ich dachte ich bekomme einen Hitzschlag. Mein Trinkwasser war so heiß, dass ich es gar nicht trinken konnte und ich wusste nicht was besser ist: Fenster auf oder zu. Es kam nur heiße Fönluft rein.

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Als ich endlich das Dörfchen Nyah erreichte, rief ich meinen neuen Chef an. Dieser beschrieb mir den Weg zur Farm. Er und seine Lebensgefährtin standen bereits in der Einfahrt und winkten freundlich. Ich sollte mein Auto unter einem Baum im Schatten parken. Mein Chef Brian stellte sich vor und seine Lebensgefährtin Helen die auch hier wohnt umarmte mich gleich sehr herzlich. Sie sei nun meine australische Oma und passe auf mich auf, so ihre freundliche Begrüßung. Brian besitzt eine Farm mit Trauben und außerdem eine Werkstatt. Er macht also zwei Jobs gleichzeitig. Helen die bereits in Rente ist, hilft ihm mit den Trauben aus. Die beiden hatten einen Tisch vorbereitet und einiges an Campingmaterial. Es war bereits ausgemacht, dass ich in meinem Auto schlafen werde. Es gibt ein separates Klo und eine Dusche die als Anbau am Haus bzw. der Werkstatt sind.
Als die beiden hörten, dass meine Klimaanlage nicht funktioniert, tat ich ihnen leid. Das Thermometer zeigte nämlich sage und schreibe 41,7 Grad an!!
Es gibt die beiden Hunde Red (auch Red-Dog) und Blue (auch Blue-Dog) und die große Henne Speckles. Red ist schon 13 und auf beiden Augen blind. Meine Aufgabe in den nächsten Wochen hier wird sein, beim Traubenpflücken zu helfen. Sandy macht das selbe und ich durfte sie gleich kennen lernen. Sie ist eine waschechte Aborigini. Normalerweise sind die Australier nicht so gut auf diese zu sprechen, weil sie laut Klischee alle Sozialhilfe bekommen, viel trinken und nur faul in den Parks rum liegen. Sandy ist anders und hilft hier gerne. Ihr Handschlag war so fest, dass ich kurz schluckte. Sie ist sehr robust und sagt laut Helen ständig böse Schimpfworte vor sich hin, aber ich glaube ich mag sie.
Wir saßen im Garten im Schatten und unterhielten uns alle super nett. Brian und Helen wollten gleich alles über mich wissen. Sie haben immer Backpacker zur Ernte da und freuen sich über Gesellschaft. Da ich außer Sandy die Einzige bin und diese nur morgens kommt, werde ich bestimmt viel mit Brian und Helen zusammen sitzen.
Direkt neben meinem Schlafplatz ist ein öffentliches Klo und ein Grillplatz und Helen sagte, dass ich dort kochen könne, wenn ich mein Gas sparen wollte.
Nach einer wohltuenden Dusche und dem Ausräumen von Brissie, ging ich früh ins Bett um fit für meinen ersten Arbeitstag zu sein.

Liebe Grüße von der neuen Farm
Nadine

Fullmoon over the lake

Dienstag, 23.02.2016

Ich wollte um 9 schon los, aber ließ mich von einem Mitfahrer auf 10 überreden. Weil ich früh wach war und alles zusammen gepackt hatte, fuhr ich den Mc Donalds, aber aß nichts. Mein Geld wurde leider über Nacht nicht mehr.
Um 10 traf ich mich mit meinen beiden Mitfahrern an dem Redfern Bahnhof.
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Nils ist 28 und auch von Deutschland und Stef ist 27 und von England, aber lebt seit drei Jahren in Australien. Die beiden sind im Gegensatz zu den letzten Mitfahrern sehr nett. Sie redeten gleich viel, was sehr gut ist. Dann ist mir beim Fahren nicht so langweilig.
Wir hatten uns wieder einige interessante Reisegeschichten zu erzählen. Zum Beispiel war Stef schon 3 Tage in einem mexikanischen Gefängnis, weil sie an 2 korrupte Polizisten geraten war die ihren Personalausweis sehen wollten. Mitten am Tag hatte sie nur eine Kopie von diesem dabei und wurde ins 4 Stunden entfernte Gefängnis eingesperrt. Bis zwei Freunde die sie heimlich angerufen hatte sie befreiten. Nils hat in einer Baumschule gearbeitet und dort sehr viel Geld verdient. Er ist noch nicht so viel gereist wie wir Mädels.
Wir suchten uns einen Aldi, ich kratze mein letztes Geld für Tomatensoße zusammen und dann gings weiter Richtung Süden. Ich wollte so viel fahren wie es geht, sodass ich am nächsten Tag nicht mehr so viel vor mir hab. Leider hatte es fast 40 Grad und die Klimaanlage ging nicht. Auch die offenen Fenster waren keine Abkühlung. Die beiden schliefen eine Weile und mir wurde langweilig. Zum Glück war ich ausgeschlafen und fit, aber die Landschaft war karg, trocken, der Feueralarm auf der höchsten Stufe und es gab nichts interessantes auf dem Weg. Mit Tempomat auf 110 km/h tuckerten Brissie und ich so vor uns hin.

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An einer Tankstelle fragte Stef, ob man irgendwo baden könne. Der Mann sagte uns die Adresse und wir machten uns auf dort hin, weil es sowieso auf dem Weg lag. Direkt an der Grenze von New South Wales nach Victoria liegt der Hume Weir. Dieser Weier war leider nicht fürs schwimmen geeignet. Lustig ist aber, dass auf der einen Seite von der Brücke New South Wales und auf der anderen Victoria ist. Keine Ahnung wem der Fluss dann gehört. Meine Apps Wikicamps zeigte mir eine total geniale Stelle im Örtchen Huon. Am Lake Hume konnten wir kostenlos und erlaubt unser Nachtquartier aufschlagen. Bei den heißen Temperaturen sprangen wir gleich in den schönen See der richtig warm war.

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Leider hatten wir kein Wasser und das Seewasser konnte man auch nicht trinken. Am Klo stand, dass es kein Trinkwasser sei. Neben dem See gab es ein Haus, wo eine total süße Ziege davor stand. Mit dieser freundeten wir uns gleich an. Keiner traute sich so recht, aber dann spazierten wir mit unserem Wasserkanister zu diesem Haus und suchten lange nach dem Eingang. Es gab keine Klingel, aber die Leute stiegen gerade aus dem Auto. Sie kämen auch gerade von Sydney, so der junge Mann. Er und seine Frau leben mit dem kleinen Sohn dort und haben Hühner, eine Ziege und zwei Hunde. Die Riesendogge begrüßte uns freundlich.

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Das junge Ehepaar war super nett, redete lange mit uns und bot uns an den Wasserkanister mit dem Gartenschlauch zu füllen. Wir waren froh, Wasser zu haben, weil wir sonst bestimmt verdurstet wären. Nils wollte das Wasser aber nicht so trinken und kochte es ab. Außerdem kochte ich Wasser mit dem ich meine Wäsche waschen wollte. Als Nils das kochende Wasser in meine Waschschüssel schüttete, passierte es. Er kippte sich das heiße Wasser über den Fuß ! Zwar rannte er gleich in den See, aber hatte sich ordentlich verbrannt. Ich gab ihm meine Aloe Vera Salbe und er hatte trotzdem den ganzen Abend Schmerzen.
Die Sonne verschwand gerade hinter den Bergen am See als wir da saßen, romatischer Musik lauschten und unsere Nudeln mit Tomatensoße genossen. Es war total schön und so stelle ich mir einen gelungenen Campingtrip vor.

Nils

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Nils und Stef

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Lange saßen wir zusammen, lauschten der Musik und genossen den sehr heißen Abend. Außerdem war Vollmond und es heißt in Australien ist dieser der Schönste. Tatsächlich war es gigantisch wie diese große Kugel über dem See steht und alles weiß anleuchtet.

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Stef und Nils rollten sich in ihre Schlafsäcke und schliefen unter freiem Himmel und ich machte es mir in Brissie bequem.

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So spät immer noch so heiß

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Ich bot den beiden an, dass sie ins Auto kommen könnten, falls es nachts zu kalt werden sollte. Da es aber immer noch warm war, wurde ich nur belächelt.

Seelige Grüße vom Campingtrip
Nadine