The hardest part of travelling is coming home

The hardest part of travelling is coming home

Da ich diesen Blog auf keinen Fall aufgeben will und natürlich auch in Zukunft viele Reisen geplant habe, bringe ich euch in Zwischenzeit mal auf Stand. Natürlich ist die meistgefragte Frage: Wie hast du dich eingelebt? Ist es schwierig wieder in den Alltag zu finden?
Für mich persönlich kann ich sagen, dass es viel leichter ist als gedacht wieder im Alltag drin zu sein. Nach ein paar Tagen war die Heimat vertraut, ich weiß mittlerweile wie man unsere moderne Kaffeemaschine bedient, ich kann am Wochenende beim Dorfbäcker Brötchen holen und ich bin mit dem Auto überall wo ich schnell hin muss. Außerdem habe ich wieder zwei Pferde zu reiten (nicht meine eigenen) und habe so auch in der Freizeit eine Beschäftigung. Auch mein Körper kommt wieder zur Ruhe. Ich war ja doch oft krank und hier konnte ich mich von allen Ärzten hier mal wieder durchchecken lassen, Impfungen nachholen etc.
Langweilig wurde es von Anfang an nicht. Gleich am ersten Wochenende nach meiner Rückkehr war bei uns im Ort „Schäferlauf“. Das ist eine Veranstaltung mit viel Tradition, bei der es eigentlich primär darum geht, dass die Schäfer zeigen können, was sie drauf haben. Mittlerweile ist es außerdem ein kleiner Rummel mit Fahrgeschäften und einem Festzelt, wo von Freitag bis Montag etwas geboten ist. Quasi das Highlight alle zwei Jahre im Dorfleben 😉 Der Abschluss bieten am Montag ein großes Feuerwerk und die Schäferlauf-Beerdigung. Keiner wusste, dass ich wieder da bin und so sorgte ich an diesem Wochenende für einige Überraschungen. Ich traf sehr viele Leute wieder die ich lange nicht gesehen hatte und freute mich so viele bekannte Gesichter anzutreffen. Außerdem war Lena auch da und wir konnten an unseren letzten Abend in Bangkok beim Feiern anknüpfen. Es war ein geniales Wochenende mit dem einen oder anderen Bier.
Von Kambodscha aus hatte ich mich für einen Job beworben in der Firma in der meine Freundin Jenny arbeitet. Gleich als ich zurück war hatte ich ein Vorstellungsgespräch und auch kurz darauf eine Zusage. Damit hatte ich nicht gerechnet und so startete ich nur einen Monat nachdem ich Zuhause war, wieder in das Berufsleben. Der Job ist genau das was ich gelernt habe und als Online Medien Managerin im Marketing ist es meine Hauptaufgabe, mich um die Firmenwebsite und um Social Media (Facebook & Co.) zu kümmern. Passt also ja auch zu meiner Tätigkeit als Reisebloggerin. Nach bald 5 Monaten dort kann ich sagen, dass mir der Job super viel Spaß macht. Es ist spannend, abwechslungsreich und ich habe wirklich tolle Kollegen. Mit ca. 500 Mitarbeitern auf der ganzen Welt ist die Firma ziemlich groß und das heißt, dass ich fast täglich Kontakt ins Ausland habe und so auch englisch sprechen kann. Perfekter hätte ich es tatsächlich nicht erwischen können. Ich hatte erwartet, dass es am Anfang anstrengend sein wird, weil ich so viel Neues lerne und sehe und auch schon eine Weile nicht mehr gearbeitet hatte. Wider erwarten war ich aber nicht mal müde und es kam mir vor, als hätte ich nie eine Pause gehabt. Geholfen hat dabei bestimmt auch, dass ich jeden Tag auf der Reise meinen Blog geschrieben habe und auch viel Photoshop und Videobearbeitung gemacht habe.
Und auch sonst läuft es besser als gedacht. Eigentlich hatte ich ja fast ein bisschen Angst wieder nach Hause zu kommen. Bevor ich los gereist bin, habe ich ein Zitat gelesen: „The hardest part of travelling is coming home“ (Der schwierigste Teil vom Reisen ist wieder nach Hause zu kommen). Dieses Zitat hat mich auf meiner Reise fast täglich beschäftigt und ich habe mir oft vorgestellt Zuhause in ein Loch fallen zu können. Dadurch, dass ich einen nahtlosen Übergang zu meinem Job hatte, ist mir das aber zum Glück nicht passiert. Von sehr vielen Reisenden habe ich gehört, dass es schwer ist sich Zuhause wieder einzugliedern, an die Gesellschaft anzupassen und wieder einem geregelten Tagesablauf nach zu gehen. Viele die ich auf der Reise getroffen habe, sind nochmal los gereist, weil sie es Zuhause nicht mehr ausgehalten haben. Außerdem hat man einen viel weiteren Horizont als Leute die noch nicht so viel gesehen und erlebt haben. Teilweise kommt es mir aber auch so vor, als hätte die Reise nie stattgefunden. Zuhause ist alles vertraut wie immer und mir kommt es vor, als wäre die Zeit Zuhause still gestanden als ich weg war. Ich bin manchmal echt schockiert, wenn ich feststellen muss, dass alle jetzt über ein Jahr älter sind, obwohl ich nicht beim Geburtstag war. Oder ich muss mich dran gewöhnen, wenn jemand verheiratet ist, obwohl ich es nicht mitbekommen habe. Auch die verrücktesten Geschichten die ich erlebt habe, kommen mir plötzlich total surreal vor, fast als ob es nur ein Traum war. Wie immer ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Als mich mein Onkel nach 498 Tagen wieder vom Bahnhof holte, kam es mir vor, als hätte er mich gestern dort verabschiedet.
Was ich aber auch feststellen konnte ist, dass ich mich verändert habe. Ich sehe viele Dinge aus einer anderen Sichtweise und es ist schwer für mich die Ansicht mancher Menschen zu verstehen. Ich habe einfach zu viel gesehen und zu viel erlebt, als dass ich derselbe Mensch sein könnte wie vorher. Die ganze Diskussion und die Angst vor den Flüchtlingen sehe ich aus einem ganz anderen Blickwinkel. Ich habe Menschen in Asien gesehen die hatten nichts. Die Kinder mussten auf der Straße leben und hungern. Zu viele Bilder die in meinem Kopf sind, als dass ich sie einfach verdrängen könnte und so tun könnte als hätte ich das nie erlebt. Manchmal denke ich manche Menschen sind so eingefahren in ihrer Denkweise, so starr in dem was sie sagen, dass ich sie am liebsten wachrütteln würde. Ich habe auch keine Lösung für das ganze Flüchtlingsthema. Ich weiß nur, dass man dabei immer beide Seiten betrachten muss.
Außerdem nervt mich dieses „Dorfdenken“ immer mehr. Die Leute haben noch nie was anderes gesehen als ihr Dorf und meinen über alles und jeden eine Meinung zu haben. Darüber werde ich wohl nie hinweg kommen und das ist was das ich einfach nicht verstehe.
Mir ist auch aufgefallen, dass die Deutschen ein eher introvertiertes Volk sind. Natürlich kann man das jetzt nicht auf alle projizieren und ich kann natürlich auch nur von meiner Region reden, aber wenn man die Offenheit der Australier und der Asiaten gewohnt ist und in Deutschland oft in starre Gesichter blickt, ist das befremdlich. So viele Leute sind misstrauisch und haben nicht die Eigenschaft offen auf Menschen zu zugehen. Das finde ich sehr schade und ist ohne Zweifel das was ich unter anderem am Meisten am Reisen vermisse. Es ist einfach tatsächlich so, dass es immer mehr auf bessere Leistungen ankommt und dabei alles andere in den Hintergrund rückt. In Deutschland ist es wirklich so, dass man wenn man allein weg geht, nicht viele Leute kennen lernt. Das ist in den Ländern in denen ich war anders. Da wird man von Fremden angesprochen und gefragt, ob man sich dazu setzen will. So viele Freundschaften mit Einheimischen habe ich auf der Straße geschlossen. Mein Glück war, dass ich im Sommer zurückgekommen bin. Da waren die Leute wenigstens noch ein bisschen besser drauf als jetzt in der grauen Jahreszeit. Ich finde es schade, dass nicht viele Leute zurück grüßen, wenn man ins Wartezimmer oder in den Aufzug kommt und man z.B. auch nicht miteinander redet, wenn man an der Kasse wartet. An so eine Offenheit der Leute gewöhnt man sich sehr schnell.
Das Reisen verändert einen tatsächlich und dass einen keiner versteht der nicht das gleiche gesehen und erlebt hat, kann ja auch gar nicht anders sein. Trotzdem freue ich mich Geschichten über meine Reise zu erzählen und finde es super, wenn sich jemand dafür interessiert. Letztens traf ich mich mit der lieben Barbara zum Abendessen und sie hatte sogar Notizen von meinem Blog gemacht um mich so viel es geht zu fragen. Das fand ich total süß und ich habe mich richtig gefreut sie wieder zu sehen. Eine gute Stallkollegin brachte ein lustiges Zitat: „Es war die ganze Zeit wie von einem Promi zu lesen und alles hörte sich so weit weg an und jetzt steht der Promi plötzlich vor einem. Total komisch.“ Oder meine Ex-Reitlehrerin hat zum Spaß gesagt: „Schade, dass du wieder da bist, jetzt fehlen mir deine Abenteuer als Gutenacht-Geschichten.“ Ich kann es ehrlich gesagt immer noch nicht glauben wie viele Leute tatsächlich meine Abenteuer verfolgt haben und mir Rückmeldung dazu gegeben haben. Was als Tagebuch für die Familie angefangen hatte, wurde zu einem Blog den tausende Menschen lese die ich nicht mal kenne. Wenn mir was passiert ist, dachte ich sogar teilweise: „Ok das war schlimm, aber wenigstens hast du wieder eine gute Geschichte.“ Umso mehr freue ich mich, dass ich immer noch mit so vielen Leuten die ich getroffen habe Kontakt habe. Es ist sehr gut sich auch mit Leuten auszutauschen die wissen wovon ich rede und dabei sind schon viele tiefgründige Gespräche entstanden. Mit Jonas zum Beispiel mit dem wir durch Myanmar gereist sind, oder Quentin (den ich letztens in Frankreich besucht habe) den ich in Thailand kennen gelernt habe, in Laos zufällig im Dschungel wieder getroffen habe und danach in Sydney nochmal. Außerdem haben mich der Australier Jobe und Welshy aus Wales bereits besucht.
Obwohl ich mich gerade in Deutschland (wieder) sehr wohl fühle und froh bin meine Freunde, Familie und meinen Hund um mich zu haben, kann sich bestimmt jeder vorstellen, dass ich das Reisen vermisse. Wenn man einmal diese Freiheit, diese endlosen Weiten, die anderen Kulturen und das Abenteuer spüren durfte, trägt man das immer in sich. Zitat von David, einem Australier:

“You do realise that you now have the TRAVEL BUG for life and you will not be able to cure it.“

(Du weißt schon, dass du jetzt dein Leben lang das Reisefieber haben wirst und du es nicht heilen kannst.) Jedes Mal wenn ich Bilder sehe, wird mein Herz schwer und ich denke daran wie es wäre, jetzt am Strand zu sitzen oder eine aufregende Stadt zu erkunden. Wenn man die ganzen Fotos von anderen Backpackern im Internet sieht, wird man doch ein kleines bisschen neidisch. Natürlich gebe ich zu, dass wenn mir jemand heute ein Ticket schenken würde, ich morgen wieder ganz weit weg wäre.

Wer weiß wann und wie meine nächste Reise sein wird. Auf jeden Fall war diese Reise erst der Anfang und hier werdet ihr noch viel von mir lesen.
Liebe wehmütige Grüße
Nadine

 

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First day at home – welcome to the 21st century

So nun endlich der Beitrag von meinem ersten Tag zurück in Deutschland, auch wenn es schon 5 Monate her ist.

Mittwoch, 13.07.2016

Ich ließ es mir nicht nehmen um 7 aufzustehen um mit meiner Oma, meiner Tante, Hund Pinu und meinem Hund Lucky zu laufen. Zuerst aber genoss ich mal wieder ein gutes deutsches Frühstück mit Brötchen, Marmelade und Eiern. Kein Reis mehr ! Wie oft ich mich nach einem guten deutschen Frühstück gesehnt hatte. Da mein Papa Urlaub hatte, traf sich das gut.

img_2079 img_2081Irgendwie fühle ich mich wie ein Mensch vom 18. Jahrhundert der nun im 21. Jahrhundert lebt. Nicht mal einen Kaffee konnte ich mir raus lassen, weil die Kaffeemaschine so modern und aufwendig ist. Alles hier ist so modern und anders als in Asien wo ich ja direkt her gekommen bin.
Das Wetter war ganz ok, aber nicht so wie man es sich vom Sommer wünscht. Mir war es noch nie bewusst, wie schön unser Dorf eigentlich ist, aber von den Feldern aus hat man eine gigantische Aussicht. Auch die Hunde haben sich gefreut einen langen Spaziergang zu unternehmen.

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Mein Auto stand während ich weg war in der Werkstatt von meinen Papa. Dort war ich noch nie und schaute mich erst mal um. Da ich nun ja fast eineinhalb Jahre nicht mehr mit meinem Smart for Four gefahren bin, musste mir mein Papa erst mal erklären wo was ist. Ganz vorsichtig tuckerte ich vor mich hin. Die schwierigste Aufgabe war definitiv auf der anderen Straßenseite zu fahren. In Australien herrscht ja Linksverkehr und wenn man mal ein Jahr auf dieser Seite fährt, ist es nicht Ohne sich wieder umzugewöhnen. Den Blinker und Scheibenwischer verwechselte ich beim jedem Abbiegen und erschrak immer. Ich bin so langsam gefahren, dass ich überholt wurde. Das ist mir in Deutschland auch noch nicht oft passiert. Da man in Asien jeden Überholvorgang mit hupen ankündigt, bin ich das nun so gewohnt. Der arme Fahrradfahrer den ich überholte tat mir leid, denn er wäre vom Schreck fast von seinem Rad gefallen, als ich ihn mit einem Hupen überholte. Mann, da muss ich mich echt umgewöhnen. Auch beim Kreisverkehr musste ich aufpassen, dass ich richtig herum rein fahre. Fast hätte ich mich noch verfahren, weil es hier so viele Baustellen und Umleitungen gibt. Niemand versteht mich hier außerdem, wenn ich winke. Keiner winkt zurück. Dabei ist es doch ganz normal, dass man beim Autofahren winkt. So war das zumindest auf der Reise.
Meine Mama wohnt ca. 45 Min. von uns weg und diese wusste genau so wenig wie der Rest, dass ich wieder da bin. Um abzuklären ob sie auch Zuhause ist, machte ich einen Skypetermin mit ihr aus. Sie müsse noch meine kleine Schwester von der Schule holen und dann sei sie bereit. Mein Auto ließ ich in einer Seitenstraße stehen und lief mit zitternden Beinen zum Haus. Die erste Fahrt zurück in Deutschland wäre geschafft.
Meinen Hund Lucky hatte ich auch dabei. So setzte ich ihn vor die Tür und klingelte. Meine Mutter schaute links und rechts sah erst den Hund, wunderte sich und dann sah sie mich. Sie guckte weg und wieder hin und registrierte nicht, dass ich es war. Es dauerte eine Weile bis sie verstand, dass da ihre „verlorene“ Tochter unvermittelt vor ihrer Tür stand dann fielen wir uns in die Arme und ließen uns nicht mehr los. Auch meine kleine Schwester Jolina (7) freute sich natürlich auch total, die große Schwester wieder zu sehen. Wir hatten uns endlos viel zu erzählen und meine Mama konnte es immer noch nicht glauben, dass ich wirklich wieder da bin. Zusammen holten wir meinen kleinen Bruder Luca (6) vom Kindergarten ab. Dieser guckte natürlich auch nicht schlecht, als ich auf einmal in seinem Gruppenraum zwischen den anderen Kindern stand. Auch die Erzieherinnen freuten sich für uns mit. Die Kleinen ließen gar nicht mehr von mir ab und die erste Frage war: „Gehst du wieder weg? Du musst hier bleiben!“.
Zum Mittagessen gab es Waffeln und wir ließen es uns schmecken. Auch über die Souvenirs freuten sich alle und die Klamotten die ich meinen Geschwistern mitgebracht hatte, passten perfekt. Den ganzen Tag erzählte ich von meiner Reise, spielte mit den Kleinen und genoss es meine Familie wieder um mich rum zu haben. Wir haben alte Urlaubsvideos geschaut und es war total witzig. Als abends mein Stiefpapa von der Arbeit kam, guckte der auch nicht schlecht als ich im Wohnzimmer saß. Ich verabschiedete mich, aber jetzt können wir uns ja wieder öfter sehen, worüber sich auch die Kinder sehr freuten.

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Nur um zu sehen was es so gibt, hielt ich im Edeka an. Die Auswahl ist ja echt riesig und alles ist so günstig. Eine ganze Weile hielt ich mich da auf und guckte, was Deutsche Supermärkte so zu bieten haben.
Bei einem wunderschönen Sonnenuntergang lief ich mit meinem Onkel, seiner Freundin und Hündin Lea nochmal eine Runde über die Felder. Erst wenn man mal so lange weg war fällt einem auf wie schön es doch Zuhause ist. Die Landluft riecht gut, das Gras ist saftig grün, es ist ganz still und der Himmel färbt sich in einem leuchtenden orange. Die Natur, vor allem auf dem Dorf, ist echt faszinierend. Wir verliefen uns, landeten im dunklen Wald und hatten viel Spaß. Der Hund fand es gruseliger als wir und wäre nicht als Wachhund geeignet.

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Noch weiß ich nicht wie es weiter geht, aber momentan genieße ich es einfach wieder zurück zu sein. Es ist noch total komisch einfach so ins Haus rein zu spazieren und wieder in meinem Zimmer zu sein.
Ich war noch lange wach und dachte über den ereignisreichen Tag nach.

Liebe Grüße aus dem schönen Schwarzwald
Nadine