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Freitag, 09.06.2017

Hilfe! Ich will aus diesem Flieger raus!

Schon die ganze Zeit war ich ein nervliches Wrack, als ich an den Flug dachte. Die ganze Woche hatten Leute im Hostel darüber geredet, was sie für schreckliche Flüge hatten, dass sie stundenlang nicht starten oder landen konnten usw. Ein Mann erzählte, dass er sein Leben lang (er ist 70) geflogen ist, aber so einen Flug wie an diesem Tag noch nie davor erlebt hatte. Das machte mir natürlich super viel Mut. In der Hurricane Saison zu fliegen ist eben nicht ideal.
Zum Glück konnte ich mich den ganzen Tag mit Arbeit ablenken und der Tag verging schnell. Trotzdem taten mir die Leute um mich rum leid, weil ich so Angst hatte.
Mittags liefen Benny und ich kurz in die Stadt um Burger zu essen. So langsam kann ich das ungesunde Fast Food hier nicht mehr sehen.

Trotzdem gönnten wir uns zum Nachtisch eine Kalorienbombe in einem französischen Café und zwar Crêpes mit Nutella und Erdbeeren. Mann, war das lecker!

Wir wollten los, als es mal wieder schüttete, was der Himmel her gab. Man kann sich nicht vorstellen, wie es hier gießen kann und das Wasser kam wieder aus den Abflüssen auf der Straße raus. Wir warteten kurz, bis es ein bisschen weniger wurde und eilten dann zum Hostel.
Bis zur Abreise konnte ich wieder arbeiten und ich fand zwei deutsche Jungs, die ca. um die gleiche Zeit wie ich flogen. Zum Glück hörte der Regen genau in den 5 Min. kurz auf, als wir an der Bushaltestelle neben dem Hostel auf unseren Bus warteten. Die Fahrt war lange und zum Glück wussten wir das und planten genug Zeit ein. Nach über einer Stunde Fahrt, in der wir uns super unterhielten standen wir am riesigen Flughafen von Miami und liefen in getrennte Richtungen.
Ich fragte den netten Mann bei der Kofferabgabe, ob ich tauschen und einen Fensterplatz bekommen könnte. Er sagte, das sei gar kein Problem und buchte mich am Fenster ein. Und dass, obwohl ich ja eigentlich bereits Online eingecheckt hatte. Ich fragte, ob ich meinen Koffer in Berlin abholen könnte. Eigentlich hätte ich anschließend noch von Berlin nach Stuttgart fliegen sollen, aber zwei Flüge an einem Tag sind zu viel für meine Nerven. So wollte ich mein Rail&Fly ausnutzen und mit dem Zug von Berlin nach Stuttgart fahren. Leider ging das nicht, aber ich könnte in Berlin nochmal nachfragen, so der Mann. Er war super freundlich und erklärte mir ganz genau wo ich hin musste.


Bei der Sicherheitskontrolle wartete ich schon drauf, dass ich raus gezogen werde. Keine Ahnung warum, aber mir passiert das immer.. Da der Scanner bei mir piepste, tastete mich die Frau ab. Der Security Mann fragte, wem der Rucksack gehöre. Als ich mich meldete, schüttelte er mit dem Kopf. Ich Depp hatte vergessen, meine Wasserflasche auszuleeren. Der Security war mega witzig und machte Späße. Es gäbe zwei Möglichkeiten: Flasche weg schmeißen, oder nochmal raus, Wasser ausleeren und Kontrolle nochmal von vorn. Da das meine geliebte, pinke Flasche war, entschied ich mich für Möglichkeit 2. So wurde ich vom Beamten unter den verwirrten Blicken anderer Passagiere höchstpersönlich wieder raus eskortiert. Er leerte das Wasser in den Mülleimer und dann schob er mich ganz an den Anfang der Schlange. Der Security ging sogar mit mir erneut durch die Kontrolle und dann konnte ich gehen. Mann, war das peinlich. Ich entschuldigte mich bei allen tausend Mal und sagte, dass ich meine Flasche nicht mehr vergessen werde auszuleeren. Der Security war so witzig und lachte nur und wies seine Kollegin diskret auf ihren offenen Hosenladen hin. Dann fiel mir auch noch unbemerkt mein Reisepass unter das Gepäckband und ein anderer Security rief meinen Namen auf. Was ist denn jetzt noch ? Meine Bordkarte hatte ich wohl auch verloren und der Mann wedelte mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht damit. Schnell schnappte ich die Bordkarte und machte mich aus dem Staub. Mann, bin ich verplant ! Heute war sowieso nicht mein Tag.
Der Flug hatte eine Stunde Verspätung und ich konnte noch ein bisschen arbeiten. Außerdem gönnte ich mir eine Mini-Pizza für 7$.


Hatte ich gesagt, dass der Flug nach Savannah schlimm war? Da wusste ich auch noch nicht, dass ich beim Heimflug mitten in einem Gewitter stecken würde.

Bei einem Horror-Gewitterflug hat das mit meiner Flugangst nämlich angefangen. Da kamen schreckliche Erinnerungen hoch. Davor bin ich immer gern geflogen. Jedenfalls hab ich mir schon vor dem Start eine meiner Knock-out-Wunderpillen die ich vom Arzt verschrieben bekomme, eingeworfen. Leider wirkte diese diesmal nicht wie erhofft. Äußerlich war ich zwar irgendwie ruhiger und bekam keine Schnappatmung, aber innerlich hatte ich trotzdem noch Angst. Schon beim Start gab es heftige Turbulenzen und alles wackelte wie verrückt. Diesmal versuchte ich es mit einer neuen Taktik: Ich bin gar nicht da! Also Kopfhörer rein, Musik an, Schlafmaske (die man von AirBerlin bekam) auf und in die Decke eingekuschelt. Mein Sitznachbar wechselte noch vor dem Start zu seinem Kumpel und so hatte ich glücklicherweise zwei Sitze für mich. Leider funktionierte diese Taktik nicht. Ich muss immer sehen, was draußen vor sich geht und mit den Ohren und Augen im Flugzeug sein. Jedenfalls waren wir dann wie gesagt mitten im Gewitter. Eigentlich dachte ich, dass man Gewitter umfliegen kann, aber dem war wohl in dem Fall nicht so. Links und rechts von uns blitzte es wie verrückt und das Flugzeug wurde ständig taghell erleuchtet. Ich dachte ich bin im falschen Film und hatte total Angst. Natürlich waren somit auch die Turbulenzen total stark und der Flieger sackte immer wieder stark ab. Das wurde gar nicht besser und das Ende des Gewitters war nicht in Sicht. Die ganze Zeit überlegte ich, was es für Folgen haben könnte, wenn ich noch eine meiner tollen Tabletten nehmen würde. Plötzlich kam wieder ein Schlag und der Flieger kippte zur Seite und sackte ab. Viele Leute stießen Schreie aus und anscheinend war ich an diesem Tag nicht die Einzige die Angst hatte. Mir egal, dachte ich und warf mir nochmal eine blaue Pille ein. Der Flugbegleiter sah das, kam her und fragte, ob ich jetzt schon die zweite Tablette genommen hätte. Als ich das bestätigte, guckte er mich mit großen Augen an. Der nette Mann meinte dann, dass sie bestimmt große Schwierigkeiten haben würden mich in Berlin wieder wach zu bekommen. Der kennt die Tabletten bestimmt schon. Das kann gut sein, sagte ich. Dabei dachte ich mir, dass er sich bloß schnell wieder hin setzen sollte, denn da wackelte das Flugzeug erneut und er musste sich festhalten, um nicht umzufallen. Was man aber sagen muss: Ich bin total zufrieden mit AirBerlin. Alle meine Sorgen waren unberechtigt und der Service war sehr gut und das Personal super freundlich. Eine Stewardess und der Flugbegleiter kamen ständig her und fragten, wie es mir geht und ob ich es noch aushalte. Die sahen wahrscheinlich die Panik in meinen Augen und kümmerten sich super um mich. Sie fragten, ob ich noch eine Decke oder ein Kissen will und ob sie was für mich tun könnten.

Ich bekam noch mit, dass Essen kam, das ich in meinem Rucksack hortete. Dann schlief ich ein und wachte nur ein paar Mal kurz auf. Ein Hoch auf die Tabletten. Als ich zum Frühstück aufwachte, schien die Sonne. Die Turbulenzen hatten aber nicht aufgehört und die Anschnallzeichen waren anscheinend während des gesamten 8 stündigen Flugs an.
Als wir landeten war ich echt froh, den vorerst letzten Flug überstanden zu haben. Meine Nerven! Endlich raus aus diesem blöden Flugzeug.


Ich ging zum Schalter und fragte, ob ich mein Gepäck bekommen könnte. Insgesamt wurde ich zu vier verschiedenen Schaltern geschickt und keiner konnte mir helfen.
So ein Mist, dachte ich und musste mich damit abfinden nochmal einen Flug anzutreten. Vier Stunden hatte ich noch Zeit und bei Sonnenschein kaufte ich mir ein Ticket für die Dachterrasse. Dort traf ich zwei Fotografen die regelmäßig her kommen um Flugzeuge zu fotografieren. Sie fotografieren sogar für Zeitungen. Die beiden Mittfünfziger wussten viel und erklärten mir einiges über Flugzeuge und das Fliegen. Sie wussten genau welcher Flieger wann kommt, wie er landet und warteten auf Flieger mit einer speziellen Lackierung. Außerdem hatte der Eine ein Funkgerät und wir hörten alles, was der Tower und die Piloten redeten. Das war richtig cool und super spannend. Ein Flieger startete kurz vor dem Aufsetzen nochmal durch und flog eine extra Runde und ich war schockiert. Die Männer meinten das sei normal und komme öfter vor. Manchmal würden die Piloten die Landebahn nicht exakt treffen. Wie beunruhigend.


Als es Zeit war verabschiedete ich mich und ging zum boarding. Diesmal hatte ich ein besseres Gefühl und da ich so fertig war und die Tabletten noch wirkten, schlief ich im Flieger gleich ein.
In Stuttgart holte ich mein Gepäck wurde von meinem Papa abgeholt.
Das war eine geniale, lohnenswerte Reise die unbedingt Wiederholungsbedarf hat. Zum Glück hab ich auch die beiden Flüge überlebt und bin froh, dass ich so schnell nicht wieder fliege.

Liebe Grüße aus Deutschland
Nadine

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