First day as a jockey

Freitag, 06.11.2015

Natürlich war ich top fit als ich um 5 meinen schnuckeligen Container verließ – nicht ! Ich freute mich aber wahnsinnig auf den ersten Tag und es ging gerade die Sonne auf. Eine etwas frische Brise schlug mir entgegen, aber mit zwei Jacken war ich gut ausgestattet. Die brauchte ich aber ein paar Minuten später nicht mehr. Die Kinder spielten vor der Schule noch auf der Farm. Ich war gleichermaßen überrascht und gerührt als die jüngste Penny mir ein selbst gemaltes Bild schenkte, wo sogar mein Name drauf stand. Darüber freute ich mich wahnsinnig.

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James zeigte mir alles und ich fragte mich (mal wieder) wie ich mir jemals alle Pferdenamen merken sollte. Neben dem Hund Wombat gibt es den Kakadu „Patrick“, die Katze „Smoky“, einen Wellensittich, einige Hühner, einen Hahn und ganz viele Pferde und Kühe. Auf die Nachfrage hin wie viele Pferde es denn seien, bekam ich als Antwort: „Gute Frage, zwischen 30 und 40 vielleicht.“ Das fand ich sehr lustig.

Was ich auch erst nicht glauben konnte: Die Pferde leben hier frei. Ja, richtig gelesen. Die Vierbeiner dürfen sich überall komplett frei bewegen. So kann es passieren, dass ein Pferd zu meinem Fenster rein schaut, ich gerade Heu hole und mir auf einmal jemand über die Schulter schaut oder ich morgens aufwache, weil eine Herde wild gewordener Pferde neben meinem Schlafzimmer galoppiert. Irgendwie erinnert mich das an Pippi Langstrumpf, auch wenn der Affe fehlt 😉 Sowas hätte ich als Kind gerne gehabt und die drei Kleinen haben hier echt einen schönes Zuhause um aufzuwachsen. Auch total lustig: Wombat (der Hund) jagt immer die Pferde und die preschen dann bockend übers Gelände und der Hund im Vollspeed hinterher. Das sieht zum schießen aus und die Pferde spielen richtig mit Wombat.
Die derzeit 11 Rennpferde die gearbeitet werden stehen in offenen Boxen mit Dach über Nacht und kommen Tagsüber in Paddocks. Meine erste Aufgabe bestand darin Heu zu füttern. Wie schon auf der letzten Farm mache ich das auch hier mit einem Quad und Anhänger, weil die Farm sehr groß ist und überall versteckt Pferde stehen. Die Zuchtstuten haben sehr große Paddocks und diese bekommen auch Heu. James war sehr beeindruckt wie gut ich mit dem Quad rückwärts fahren kann, aber ich habe ja auch schon viel Übung. Er meinte das spart unheimlich viel Zeit, wenn er mir das nicht mehr erklären muss.
Spannend wurde es dann, als ich mein erstes Pferd reiten durfte. Wofür ich auf der letzten Farm ewig kämpfen musste, ist hier Teil meiner Arbeit. Der Wallach „Apfel“ war sehr brav beim fertig machen und er ist eins der besten Rennpferde hier. Irgendwie hatten wir aber Probleme einen Sattel mit den richtigen Bügeln für mich zu finden und mussten einiges rumprobieren. Apfel war sehr geduldig und ließ sich vier verschiedene Sättel aufprobieren. Die erste Schwierigkeit bestand darin, dass ich vom Boden aus aufsteigen muss und das möglichst schnell, weil so ein junges Rennpferd nicht geduldig wartet bis man seinen Hintern in den Sattel geschwungen hat. Es sah nicht ganz galant aus und ich will nicht wissen, was mein Chef dachte. Das muss ich noch üben. Erst ritt ich Schritt und Trab in einem kleinen Roundpen und dann ließ mich James in die große Arena. Diese ist groß und rund. Er gab mir die Anzahl der Laps (Runden) vor und weg war er. Da saß ich nun also auf dieser Rennsemmel und hatte ganz schön viel Geld unter dem Hintern. Ich sollte mich mit einem Finger am Martingal festhalten, so James, falls Apfel bockt. So ein Vollblut ist schon noch mal was ganz anderes als ein Warmblut (das ist die Pferderasse).

Ein paar Runden ließ ich das Pferdchen am anstehenden Zügel traben und er war total gelassen. Im Galopp wollte er vorwärts, aber er ist ja nicht umsonst Rennpferd. Trotzdem ließ er sich super kontrollieren. Hier auf der Farm machen wir nur die „Slow-work“ also arbeiten die Pferde im ruhigen Tempo, damit sie Kondition bekommen. Rennen dürfen sie nur, wenn sie auf die Übungsrennbahn den „Track“ gehen. Als die Rennsemmel und ich gleichermaßen nass geschwitzt waren, hörte ich sehr zufrieden auf.
Das kleine Örtchen Kumbia hat eine Rennbahn und dort fuhren wir hin um Zäune zu reparieren. Ich war Handlanger und ein paar Leute waren dort um zu helfen. Mein Chef stellte mich einigen Leuten aus dem Dorf vor und diese empfingen mich sehr freundlich.

Der Abstecher im Metzger war für mich als Vegetarierin weniger angenehm, aber ich atmete einfach nur den Mund um das Fleisch nicht riechen zu müssen. Auch der Metzger war gleich sehr nett zu mir und die Rentner da drin ebenfalls. Als James einfiel, dass ich Vegetarierin bin, tat es ihm total leid und er entschuldigte sich. Mir machte es nichts aus.
Ohne irgendwelche Übertreibung kam ich mir vor wie im Westernfilm. Die Stadt Kumbia hatte bis vor kurzem einige Geschäfte, die aber alle pleite sind und nun leer stehen. Das ist jetzt wie in einer Geisterstadt. Man könnte sich auf die Hauptstraße setzten und warten bis ein Auto kommt. Bei 400 Einwohnern ist es kein Wunder, dass es nur 4 Kinder im Kindergarten gibt. James` drei Kinder gehen hier zur Schule. Die Läden sehen aus wie Saloons nur ohne Schwingtüren. Die Menschen tragen Cowboyhüte und Cowboystiefel und mit wenig Fantasie kann man sich vorstellen, hier Kutschen vorbei rollen zu sehen. Wenigstens die Straße ist geteert. Ich sagte James, dass das die perfekte Filmkulisse für einen Wild-Westenfilm sei und er lachte. Auch wie überall in Australien sitzen die Hunde hier auf den Ladeflächen der Autos.
Ich hatte eine sehr lange Mittagspause und James fuhr weg.
Für den Tierarzt der kommen sollte, wollten wir ein Fohlen einfangen. Mit diesem wurde aber bisher nichts gemacht und somit war es total scheu. Man konnte nicht mal dran denken ein Halfter drauf zu machen. Für die Kühe gibt es eine Art Gasse. Dort trieben wir das Kleine hinein und schafften es gemeinsam es aufzuhalftern. Führen wollte es sich auch nicht richtig lassen und es flossen viele Schweißperlen bis wir am Anbindeplatz waren. Ständig fiel das Kleine vor lauter Panik hin und wollte weg rennen.
Der Tierarzt sieht aus wie Dr. Bob vom Dschungelcamp und hat so einen Ganzkörperanzug an. Er ist super nett und ich hab mich gut mit ihm unterhalten. Mit dem Ultraschall guckte er bei vier Stuten, ob diese trächtig sind und tatsächlich waren alle es. Der liebe Tierarzt bezog mich total in die Untersuchung ein und zeigte mir alles ganz genau auf dem Ultraschall. Das war sehr interessant und ich konnte all die kleinen Herzchen schlagen sehen. Total beeindruckend und goldig. Da war mein Chef natürlich happy, dass alle trächtig waren.
Hat von euch schon mal jemand bei einer Kastration zu geschaut? Also ich bisher auch nicht. Der Plan von dem Tierarzt ich solle ihm assistieren, war deshalb nicht gerade erwartungsgemäß für mich. Der Hengst bekam zwei Spritzen und dann fiel er auf der Wiese um. In Deutschland würde man das in einer Klinik machen, aber hey: „No worries, mate!“. Ich musste den Kopf von diesem 500kg Tier halten und dann vorsichtig auf den Boden legen, als der Rest schon lag. Halleluja war das schwer, aber ich bekam ein großes Lob vom Doktor. Dieser fing gleich an unten rum zu schnibbeln. Nach 2 Minuten schmiss er einfach so einen großen Hoden auf die Wiese. Ich befahl mir stark zu bleiben. Tiiiiiief durchatmen, 1, 2, bald geschafft. Als ich mich gerade wieder gesammelt hatte, kam der Hund, schnappte sich das Ei und weg war er. Iiiiiiiiiiiiiiiih gitt !

Das Schwierige war das Aufstehen. Bereits 10 min. nach den Spritzen, stand das jetzt Wallach gewordene Pferd auf. Meine Aufgabe war, als er stand, seinen Kopf mittig zwischen den Vorderbeinen zu halten (wegen der Balance). Das wankende Schiff war nicht einfach zu kontrollieren und ich musste meine ganze Kraft aufwenden um ihn „in Spur“ zu halten. Das war Schwerstarbeit, aber bald schon durfte ich ihn zurück in eine Box bringen. Das war geschafft.
Mein Chef war Zwischenzeitlich ein anderes Pferd mit dem Motorrad holen gegangen. Das Grundstück ist so riesig, dass man die Pferde erst suchen muss und dann laufen die am Halfter und Strick neben dem Motorrad her. Alles komplett verrückt!

Bei der Kastration des zweiten Hengstes gabs Komplikationen und das zweite Ei war in den Bauch gerutscht. Das konnte der Doktor nicht raus holen und somit muss der „Halbhengst“ nun in die Klinik.
Nachdem ich die zweite Kastration auch überlebte, sollte ich füttern. Ich muss das Futter selbst zusammen mixen und nach meinen ratlosen Blicken, schrieb mir James zum Glück alles auf. Das hätte ich mir nicht merken können. 10 verschiedene Pferdefutter und Pülverchen. Das geht auch mit dem Quad und es dauert eine ganze Weile bis 20 Pferde ihr Futter haben (der Rest, quasi die „Wildpferde“ ernähren sich nur vom Gras auf der Wiese).
Es war schon dunkel als ich fertig war und zum Essen ins Haus ging. Da ich keine eigene Küche habe, esse ich mit der Familie. Es gab einen guten Salat und Nudeln mit Soße. Zum Nachtisch bekamen wir Eis.
Ich finde es sehr gut, dass ich nicht allein essen muss und die Kinder sind total süß. Über die Sprüche von ihnen könnte ich mich tot lachen. James gab mir einen USB-Stick mit Filmen, dass es mir abends nicht langweilig wird. Leider bekomme ich hier den Sender nicht rein, auf dem X-Faktor und „home and away“ kommen und das finde ich sehr doof.
Ich hatte einen tollen ersten Tag und habe schon viel gelernt.

Grüße vom neuen Jockey
Nadine

Wombat

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einer der Hengste

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Apfel

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Der Hahn

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