ANZAC day

Montag, 25.04.2016

Mir war es recht, dass wir um 10 auschecken mussten, denn nach diesem Erlebnis wollte ich auch nicht länger in diesem komischen, mysteriösen Hostel bleiben. Tom der im Auto geschlafen hatte kam und packte unser Zeug in sein Auto. Ich beschwerte mich an der Rezeption über den Vorfall mit dem Bett. Die Dame konnte sich nicht erklären, wie das passieren konnte, dass es ein Bett zu wenig gab, aber gab mir die 10$ für die Übernachtung zurück. Im Zimmer wurde ich von allen gleich nochmal dumm angemacht was mir einfiele einfach ein Bett zu klauen. Der Nachtmanager hatte uns dieses ja zugeteilt und es sah nicht so aus, als würde es schon jemandem gehören. Da wurde ich echt sauer und dachte es geht los.
Ich fuhr mit dem Motorrad zum neuen Hostel und Ali kam später nach. Es ist ein Luxus, wenn man mal ohne Backpack hinten drauf fahren kann. Das Hostel „The Ritz for Backpacker“ ist das in welchem wir das letzte Mal in Melbourne schon waren. Das ist sehr schön, sauber und familiär. Außerdem preiswert. Tom kam auch und blieb die Nacht, weil er Urlaub hatte.
Um halb 12 sollte der erste Interessent für mein Motorrad kommen. Da ich Australien am 3.5. verlassen muss bleibt mir leider nichts anderes übrig meinen Orange Tornado zu verkaufen. Bei jedem Gedanken daran, bekomme ich einen Stich ins Herz. Leider verspäteten sich die Interessenten und die anderen kamen zu früh. Wenigstens „klaute“ ich in der Zwischenzeit einen Lappen aus der Hostelküche und polierte mein Bike fleißig. Nun waren beide Interessenten gleichzeitig da und mir war das sehr peinlich. Ali und Tom waren auch da und so waren plötzlich 7 Leute um das Motorrad versammelt. Der eine war ein 18 jähriger Junge mit seinem Papa und die anderen 2 Kumpels in meinem Alter und der eine wollte mein Motorrad für seine Freundin. Ali konnte die technischen Fragen beantworten und ich die Fragen zum Fahren. Beide waren sehr interessiert und fuhren Probe. Als der Jüngere noch unterwegs war, schlug der andere zu und machte mir ein super Angebot. Er und seine Freundin haben einen Sohn und da bald Muttertag ist, will er seiner Freundin das Motorrad schenken und sie überraschen. Sie ist so alt wie ich und sieht wohl auch aus wie ich. Für 2.600$ schlug ich ein und war happy. Für 2.300$ hatte ich es gekauft und nichts investiert. Außerdem ist er von Beruf Tätowierer und ich plane sowieso schon die ganze Zeit mein neues Tattoo. Er gab mir 500$ Anzahlung, versprach mir ich bekomme ein kostenloses Tattoo (kostet normalerweise 300$) und meinte ich kann das Bike behalten, bis ich gehe. Meine Freude war unbeschreiblich, aber zugleich war ich traurig, weil diese geniale Zeit nun einfach so vorbei ist. Wir verstanden uns super und auch der Vater und der Sohn waren nicht sauer, dass es so gelaufen ist. Es wären an diesem Tag noch 4 andere Leute zum Anschauen gekommen, aber denen sagte ich sofort ab. Die Jungs luden uns auf ein Bier ein und so saßen wir zu 5. im Pub und hatten einiges zu quatschten. Aus dem Hostel holte ich ein Blatt Papier und machte einen Vertrag fertig. Alle waren glücklich und der Käufer fragte mich, ob er mich umarmen dürfe, weil er so glücklich sei. Er versprach mir Bilder zu schicken, wenn seine Frau damit fährt. Eine Weile saßen wir zusammen und dann brachen die beiden Jungs auf. Meine größte Sorge die ganze Zeit war echt, dass ich das Bike nicht verkaufen kann und nun mache ich noch Gewinn und habe für die Reise praktisch nichts bezahlt.

Der Käufer, sein Kumpel und Ali
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Es war ein schöner, sonniger Tag und Ali, Tom und ich saßen vor dem Hostel und genossen die Sonne. Der asiatische Imbiss vor dem Hostel hatte gutes, günstiges Essen wo wir was bestellten. Wieder Frühstück, Mittagessen und Abendessen in einem.
An diesem Tag war Nationalfeiertag. Der sogenannte ANZAC day (Australian and New Zealand Army Corps) ist ein nationaler Gedenktag in Australien, Neuseeland und Tonga. Der 25. April 1915 ist der Jahrestag der ersten Militäraktion von australischen und neuseeländischen Truppen sowie Soldaten aus Tonga im Ersten Weltkrieg – der Landung auf Gallipoli. Die Schlacht von Gallipoli führte zu erheblichen Verlusten unter den australischen, neuseeländischen und tongaischen Soldaten, die in einer Streitmacht geführt wurden. Den ganzen Tag sah man Fliegerformationen überall rum fliegen.
Wir machten uns auf eine Pub-Tour und fingen im Pub am Hostel an. Tom saß da mit seinem Essen als ein total betrunkener, junger Mann her kam und nach Essen fragte. Zum meiner Verwunderung holte Tom einen Teller und gab dem Typ was ab. Ich hätte das definitiv nicht gemacht. Der war so betrunken, dass er nicht mal mehr essen konnte. Es stellte sich heraus, dass der Typ der seinen Namen nicht mehr wusste, von Irland ist. Er war super witzig drauf und wir hatten viel Spaß. Sein Cousin studiert Deutsch und wir riefen ihn an. Dieser unterhielt sich mit mir auf Deutsch und versprach auch vorbei zu kommen. Der Betrunkene verließ uns zwischenzeitlich und eine Weile später tauchte wirklich Cousin Frank auf. Das war ein super Typ und sehr besorgt um seinen Cousin der aber in der Zwischenzeit Zuhause angekommen war. Er zog noch mit uns mit in den nächsten Pub und verließ uns dann. Schon witzig mit drei Jungs unterwegs zu sein und alle sind so nett zu mir. Obwohl sie mich alle gerne ärgern 😉
Wir machten Abstecher in einige andere Pubs, aber irgendwie war in St. Kilda nichts los. Das hatten wir alle nicht erwartet und es war komisch. In einer coolen Bar spielten wir Jenga (der Holzturm wo man immer Klötze rauszieht) und lernten einige coole Leute kennen. Leider schloss die Bar zeitig und so waren wir schon früher als gedacht wieder im Hostel und schliefen.
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Das war ein rundum gelungener ANZAC day für mich.

Liebe Grüße aus dem sonnigen Melbourne
Nadine

The Ritz

Donnerstag, 07.04.2016

Gleiches Spiel wie gestern. Früh aufstehen, weil ich schon wieder das Hostel wechseln musste, weil ausgebucht und es Frühstück gab. Dasselbe zu essen wie gestern, aber macht ja nix. Da nebenan ja die Baustelle ist, hätte ich sowieso nicht länger schlafen können. Schon ab 6 war der Lärm unerträglich.
Zum Glück zeigte sich die Sonne und es wurde sogar ein bisschen warm. Nach dem Checkout saß ich noch eine Weile draußen vor dem Hostel und nutzte das kostenlose WLAN aus.
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Das andere Hostel The Ritz for Backpackers das denselben Besitzer hat, war nur 5 Min. zu Fuß entfernt. Ich hatte total Glück und bekam das eigentlich viel teure Hostel zum selben Preis, was sogar der junge Mann an der Rezeption als Glück bezeichnete.
Ab 2 konnte ich erst einchecken, aber ich setzte mich ins Wohnzimmer mit TV und ließ meine Sachen im Gepäckraum. Kurz vor 2 kam dann mein neuer Reisepartner. Ali (Alex) ist bald 31, wurde in München geboren, hat in der Schweiz als Architekt gearbeitet und ist halb Argentinier. Ihn hatte ich über ein Kleinanzeigenportal im Internet kennen gelernt, weil er auch jemanden zum Motorrad fahren suchte. Er war extra die 1000 km von Sydney her gefahren. Wir verstanden uns gleich super und gingen in den Pub zum Mittagessen.
Er hat eine echte Harley Davidson, die sehr cool aussieht und er passt richtig zu seinem Bike.
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Den restlichen Tag verbrachte ich wieder damit nach Motorrädern und Ausrüstung zu suchen und wir blieben im Hostel.
Abends war ein Billard-Wettbewerb im Hostel, wo Ali leider nicht gewann. Ich machte schon gar nicht mit, weil ich viel zu schlecht bin.
Wir waren gerade vor dem Hostel als mich ein junger, gut aussehender Mann ansprach, ob ich von Europa sei. Er erklärte, dass sein Kollege sehr oft zu schnell gefahren wäre, nicht gewusst hätte, dass er immer geblitzt wurde und nun unendlich viele Punkte hätte. Außerdem läuft das Fahrzeug auf die Firma und die Strafe ist tausende von Dollar hoch. Beim internationalen Führerschein, werden die Punkte nicht auf den deutschen Führerschein übertragen. So nahm ich dem Mann drei Punkte ab. Für mich hat das keine Auswirkungen, denn ich dürfte auf diesem Führerschein 12 Punkte haben und ich hatte erst 3 von damals als ich zu schnell gefahren bin. Die beiden Männer luden uns auf ein Bier ein und gaben mir außerdem 100$ dafür. Das nenne ich mal Glück und ist für beide Seiten eine echt gute Sache. Die Strafe zahlen sie natürlich selbst.
Mittags waren zwei Männer vorbeigekommen die Flyer für einen Comedyabend verteilten. Ali und ich machten uns auf den 3 km langen Fußmarsch dort hin, um auch ein bisschen Comedy zu schauen. Im Attik waren verschiedene Laien als Stand-up-Comedy. Manche waren lustig, manche weniger, aber es gab kostenloses Popcorn und Pizza für 4$.
Danach liefen wir nochmal ein Stück bis zu dem Hostel wo ich vor 2 Tagen war. Dort war Karaoke-Abend und einige Jungs legten sich schwer ins Zeug. Kein Wunder, denn es gab einen 100$ Gutschein für die Bar für den Gewinner. Wir lernten sehr nette Leute kennen und hatten einen super lustigen Abend.
Ali und die anderen Jungs wollten noch in die Bar an unserem Hostel, aber weil ich wusste, dass ich einen langen Tag vor mir habe, zog ich das Bett vor. Im Zimmer spielten ein Schwede und ein Franzose Gitarre und sangen dazu. Die beiden waren so krass gut, dass ich Gänsehaut bekam. Wir ermutigten sie dazu, auf der Straße zu singen, was sie sich für den nächsten Tag ernsthaft vor nahmen. Beide schreiben sogar ihre eigenen Lieder und ich hätte stundenlang zuhören können.IMG_7732 (FILEminimizer)

Mit der Musik in meinen Ohren schlief ich ein.

Liebe Grüße von dem schönen Melbourne
Nadine